Erkundungsreisen ins Landesinnere Westafrikas

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„Karten ohne Kenntnis. Französische Kartografie und Erkundungsreisen ins Landesinnere Westafrikas im 17. und 18. Jahrhundert“ ist der Titel eines Vortrags, zu dem die Forschungsbibliothek und das Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt anlässlich der 3. „Gothaer Kartenwochen“ am Mittwoch, 7. November, in den Spiegelsaal der Forschungsbibliothek einladen. Referent ist Dr. Benjamin Steiner vom Historischen Seminar des Instituts für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Beginn ist um 18.15 Uhr, der Eintritt ist frei.

Karten und Kartografie in der Frühen Neuzeit sind Versuche, Wissensräume zu schaffen, die lokales Wissen in einen grafischen Ordnungszusammenhang bringen. Die Forschung zur Wissens- und Mediengeschichte hat seit Marshall McLuhan, Thomas Kuhn oder David Bloor immer wieder auf die Bedeutung von frühneuzeitlichen Karten hingewiesen. Diese Karten verbesserten nicht nur die geografischen Kenntnisse, sondern trugen auch dazu bei, dass räumliche Phänomene wie Ort oder Territorium einer europäischen Sichtweise angepasst wurden. Kartenhistoriker wie David Turnbull haben aus diesem Grund darauf hingewiesen, dass moderne Wissenschaft durch die kartografische Vermessung und Visualisierung des globalen Raumes erst ermöglicht wurde. Orte und Räume, die auf Karten verzeichnet sind, waren immer auch Stätten der menschlichen Begegnung. Reisende, die im 17. Jahrhundert nach Afrika kamen, waren auf andere Menschen angewiesen, wenn es darum ging, die größtenteils unzugänglichen Gebiete des inneren Kontinents zu erfassen. Karten, die Afrika in der Frühen Neuzeit darstellten, waren inhaltlich mitunter reich gestaltet, obwohl man über diese Gebiete wenig wusste. Die Frage ist also, welche Kenntnisse solchen Karten zugrunde lagen und ob es überhaupt solche Kenntnisse gab, die geo- oder topografischer Information in unserem modernen Sinne gleichkamen. Am Beispiel der französischen Kartografie Westafrikas des 17. und 18. Jahrhunderts soll bei dem Vortrag am 7. November gezeigt werden, wie sich nicht nur die Strukturen, Inhalte und Ordnung der Karten in einem relativ kurzen Zeitraum änderten. Es soll auch erzählt werden, welche Wandlungen das Wissen von Afrika, das Medium der Karte und der Charakter der Begegnungen zwischen Afrikanern und Europäern in diesem Zeitraum durchlief.

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