Über 1000 Besucher waren gekommen um ihn zu sehen. Die Rede ist nicht von NBA-Legende John Stockton, der sich zur Überraschung vieler Fans in die altehrwürdige Halle nach Lobeda-West verirrt hatte, sondern von Jenas ersten Heimsieg der Saison.
Science City schlug am Tag der deutschen Einheit die favorisierte BG aus Karlsruhe in einem mitreisenden Spiel mit 98:87, kratzte am Ende nicht nur knapp am Hunderter, sondern überzeugte über die komplette Spielzeit mit starkem Mannschaftsspiel und viel Willen. „Heute ist der Basketball endlich wieder in Jena angekommen. In diesem Duell haben alle meiner Jungs am und über Limit gespielt, sich in ihrer Zeit auf dem Parkett förmlich zerrissen. Jeder Spieler hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt, so seinen Beitrag zu einem absoluten Teamerfolg beigetragen“, bilanzierte ein rundum zufriedener Jenaer Trainer Georg Eichler. Auch Karlsruhes Coach Torsten Daume musste den verdienten Sieg der Gastgeber anerkennen, bestätigte Science City eine bärenstarke Leistung.
Schon vor dem Tip-Off war die Nervosität groß, das Adrenalin in der Halle förmlich zu riechen. Ob es die Aufregung aufgrund der Anwesenheit eines echten Barcelona Dream Teamers und NBA All-Time-Assist-Leaders war oder die Unruhe nach dem verpatzten Saisonstart in Göttingen. Das alles spielte letztendlich keine Rolle mehr als Schiedsrichter Matthias Oehlmann den Ball zum Anwurf in die Luft schleuderte. Fakt war vielmehr, dass sich diese positive Unruhe sofort auf Fans und Spieler übertrug.
Von Beginn an hochkonzentriert und zielstrebig, suchten die Saalestädter den besser postierten Mitspieler, passten sich geduldig die Bälle zu bis der freie Wurf gefunden war. Die ersten Treffer gaben dem Eichler-Team viel Sicherheit und so entwickelte sich diese Partie in die richtige Richtung. Ein an diesem Abend überragender Kenny Barker (28 Punkte) fungierte zunächst in der Rolle des Starthilfekabels, ging mit einer hundertprozentigen Trefferquote (5/5) in die erste Viertelpause. Science City hatte mit 27:23 vorgelegt, wartete im zweiten Spielabschnitt auf die Antwort der Karlsruher. Das diese ausblieb verdankten die Thüringer in erster Linie ihrer starken Verteidigung. Zu etlichen Notwürfen gezwungen und keinen Rhythmus findend, blieben die Gäste auch bis zur Halbzeit ihren Konter schuldig. Vielmehr waren es die Gastgeber, die sich über 39:29 bis zum Kabinengang eine unerwartet deutliche 50:39-Führung erspielten. Der letzte, psychologisch wichtige Treffer von Tim Schwartz fiel mitten in die Sirene hinein durch die Gäste-Reuse.
Das zum Teil ungläubige Staunen hinsichtlich der gezeigten Leistung hielt sich auch nach Wiederanpfiff in den Gesichtern der Jenaer Fans. Auf dem Parkett blieb der Vorsprung von Science City zunächst konstant, bewegte sich meist zwischen elf und acht Punkten.Erst zum Ende des dritten Viertels kamen die Gäste in Schlagdistanz und verkürzten auf 65:60 (30.). „Als Karlsruhe von Zonenverteidigung auf Mann-Mann umgestellt hat, wusste ich, dass wir uns heute diesen Sieg holen werden. Die Matchups haben sehr gut gepasst. Die Rebounds waren der Schlüssel zum Sieg“, sagte Eichler mit Blick auf die Phase der Crunch Time. Zur Mitte des Abschluss-Viertels wieder auf 79:70 enteilt, ließen sich die Jenaer Jungs an der Freiwurflinie den verdienten Sieg nicht mehr nehmen und feierten im Anschluss ausgelassen mit ihren Fans.
Neben Barker überzeugte Aurimas Adomaitis vor allem defensiv. Der Litauer lieferte sich mit Jenas Ex-Center Jeremy Black (16 Pkt.) ein hochinteressantes Duell, ging mit 23 Punkten und 11 Rebounds als klarer Sieger hervor. Während der zweite ehemalige Jenaer Eric Vierneisel seinen Parade-Wurf vernachlässigte, nicht einen einzigen Distanzwurf ansetze und am Ende lediglich zwei Punkte erzielte, kam Michael Stockton, der Grund der Anwesenheit von Vater John, auf 12 Zähler.
„Ein großes Kompliment an unsere Zuschauer. Sie haben uns heute als sprichwörtlich sechster Mann über die 40 Minute getragen, die Jungs mit den Emotionen und Lautstärke von den Tribünen viel Selbstvertrauen gegeben. Auch unsere Nachwuchsspieler haben sich in diesem Spiel exzellent eingefügt“, so Eichler nach der Schlusssirene.
Auch NBA-Hall of Famer John Stockton war vom Lautstärkepegel beeindruckt. „Die Halle in Jena gehört sicher nicht zu den schönsten, lebt aber von einer sehr guten Akustik. Die Fans haben ihr Team leidenschaftlich unterstützt. Unser Sport lebt von Emotionen und davon waren heute reichlich vorhanden“, so John Stockton. Ein gutes, weil treffende Schlusswort der NBA-Legende…
Punkte Science City Jena: Barker 28, Adomaitis 23, Jeka 15, Roquette 14, Watts 10, Schwartz 5, Peric 2, Reyes-Napoles 1, Krumbeck, Strauß




















