Josef Duchac, Thüringens erster Ministerpräsident, wird 75

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Josef Duchac, der erste Ministerpräsident Thüringens nach der Wiedervereinigung, feiert am morgigen Dienstag (19. Februar) seinen 75. Geburtstag. In einer gemeinsamen Grußadresse gratulieren Landrat Konrad Gießmann und Oberbürgermeister Knut Kreuch dem Jubilar und bringen ihren Dank und Respekt zum Ausdruck.

„Heute, mehr als 20 Jahre nach der Gründung des Landes Thüringen, können wir stolz darauf verweisen, dass den Grundstein dieser erfolgreichen Entwicklung ein Gothaer und vor allem ein guter Freund gelegt hat“, würdigen Gießmann und Kreuch die Verdienste des ehemaligen Regierungschefs.

Vom letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maiziere wurde Duchac im August 1990 zum Landessprecher des neu zu bildenden Landes Thüringen berufen. Die Wahl fiel nicht von ungefähr auf den einstigen Betriebsleiter des Gummiwerks Waltershausen: Sein aktives politisches Engagement seit dem Wendeherbst 1989 und das Bestreben, in und für seine Heimat zu wirken, sprachen für den Chemieingenieur und Ökonomen aus Gotha.

Er galt zudem als Mann des Ausgleichs, der Menschen verschiedener politischer Einstellungen für den Aufbau zu begeistern versuchte. Nach den ersten freien und demokratischen Landtagswahlen im Oktober 1990 wurde Josef Duchac schließlich Ministerpräsident des Bundeslandes Thüringen. Unter seiner Führung kamen wichtige und weitreichende Weichenstellungen zustande: In Eisenach machte die Landesregierung den Weg frei für die bis heute umfangreichste Investition in den Wirtschaftsstandort Thüringen, die Errichtung des dortigen Opel-Werkes.

Abermals großen Weitblick bewies Josef Duchac im Frühjahr 1991, als er in mehreren Telefongesprächen und persönlichen Treffen den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth bat, nach Jena zu kommen und die Umstrukturierung der Zeiss-Werke zu übernehmen. „Beide Beispiele zeigen, dass die Entscheidungen von Josef Duchac erst Jahre später ihre volle Wirkung entfaltet haben“, sagt Konrad Gießmann anerkennend. Seine Tendenz zum Ausgleich wurde dem ersten Ministerpräsidenten letztlich zum Verhängnis. Nach einem gescheiterten Misstrauensantrag im Landtag drohten Anfang 1992 mehrere Minister seines eigenen Kabinetts mit der Demission. Vorwürfe von Führungsschwäche, aber auch von vermeintlich zu großer Nähe zu vergangenen Strukturen waren der Auslöser hierfür. Josef Duchac entschied sich auch in dieser Situation für das Wohl des Landes und gegen einen Machtkampf. Er machte mit seinem Rücktritt am 23. Januar 1992 den Weg frei für einen Neuanfang.

Neue Herausforderungen fand der gebürtige Sudetendeutsche danach als Repräsentant der Konrad-Adenauer-Stiftung in Lissabon, St. Petersburg und Budapest. Heute lebt Josef Duchac in der Nähe von Berlin.