Otto Böttcher – Abschied nach 18 Jahren

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TABARZ. Otto Böttcher ist im Ruhestand. Mit einer Feierstunde verabschiedete die MediClin „Klinik am Rennsteig“ ihren bisherigen Kaufmännischen Direktor. Seit ihrer Eröffnung am 1. April 1995 war er tätig. Symbolträchtig übergab Böttcher seinem Nachfolger Marco Rudolf einen Staffelstab aus Edelstahl.

Schüler der Kreismusikschule „Louis Spohr“ und ihre Lehrerin Bärbel Michl eröffneten klassich und mit Bachs „Air“.  Dann folgten Festreden: Dr. Ina Ueberschär, die stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschlands, entwickelte anschaulich und pointiert Sichten aufs Thema Rehabilitation, die selbst Laien verstanden. Eine ihrer Thesen: „Wir erleben zunehmend eine Vollkasko-Mentalität. Eine Reha scheint derweil wie ein alle vier Jahre möglicher Zusatzurlaub.“

Statt sich gesünder zu verhalten oder zu ernähren, würde Reha als Reparaturbetrieb betrachtet, für deren Leistungen man zahle und die daher unbedingt in Anspruch genommen werden müssten.

Lob für die Tabarzer Klinik und deren Manager a. D. gab es auch: Seine „immer korrekte Partnerschaft“ möge Fortsetzung finden, die hohe Patientenzufriedenheit erhalten bleiben. Das allein wäre der Grund, warum die Rentenversicherung „das Haus so gut belege“, schloss sie selbstbewusst ihre Rede.

Ihr folgte Ute Kihr von der AOK Plus, die ans Thema Dr. Ueberschärs anknüpfte. Ihre Analyse endete mit der eher rhetorischen Frage: „Vielleicht braucht die Reha eine Kur?“
Dann stand Böttcher im Mittelpunkt: „Irgendwann gehen wir alle diesen Weg“, sinnierte Gothas Landrat Konrad Gießmann (CDU). Er gönne Böttcher den Ruhestand „von ganzem Herzen“. Doch recht vorstellen könne er es sich nicht. Kein Wunder: Die beiden lernten sich vor mehr als 20 Jahren kennen.

Auch Edith Clausen ist seit Jahren mit Böttcher vertraut. Aus gutem Grund: Die „Klinik am Rennsteig“ erwarb sich mit den Jahren einen Ruf bei der Behandlung des Diabetes. Naheliegend, dass man deshalb mit dem Thüringer Landesverband des Deutschen Diabetiker Bundes (DBB) kooperierte. Deren Gründerin und Landesvorsitzende ist Edith Clausen. Sie habe Böttcher als fairen und engagierten Mitmacher schätzen gelernt, der immer weitaus mehr getan habe, als er hätte tun müssen.

Tabarz ohne Kneipp geht gar nicht. Das Anliegen Sebastian Anton Kneipps liegt hier in guten Händen – unter anderen in denen von Böttcher. Ihm zur Seite stand und steht deshalb Sigurd Scholze. Die beiden eint eine Männerfreundschaft, die Tabarz zum einzigen Kneipp-Kurort des Freistaats werden ließ. Scholze, der Badearzt und 1. Vorsitzender des Landesverbandes Thüringen e. V. im Kneipp-Bund ist, musste seine Grußworte verlesen lassen. Er erinnerte den Freund an den 3. Oktober 1990, als man gemeinsam in der Kirche die deutsche Einheit gefeiert habe. Viele der Ziele, die man als Anspruch an die gemeinsame Zukunft damals formuliert habe, seien erreicht. Andere nicht. Aber dennoch dürfe Böttcher stolz aufs Erreichte sein und Scholz‘ Rat beherzigen: „Unersetzlichkeit im Beruf gibt es nicht – also lasse los!“

Böttcher nahm auch das Wort. Zeigte dabei Selbstironie: „Wer mich kennt, weiß, dass ich gern mal eine Rede halte“, begann er. Bekannt dafür, genau und gründlich zu sein, listete er nahezu lückenlos alle Meilensteine in der Geschichte der „Klinik am Rennsteig“ auf – mit deutlich vernehmbarem Stolz in der Stimme. Die zurückliegenden 18 Jahre und 5 Monate tragen schließlich seine Handschrift.

Diese lange Amtszeit animierte seinen Nachfolger Marco Rudolf zu einem schönen Bild, das er in seiner kurzweiligen Vorstellung gebrauchte, nachdem ihm Böttcher den stählernen Staffelstab mit Gravour und Bravour in die Hand gedrückt hatte: Die Klinik sei unter Böttcher zu einer stolzen jungen Dame gereift. Die habe er von der Geburt, über Kinderkrankheiten und Pubertät begleutet. Nun volljährig, könne „die junge Dame“ neue Wege beschreiten. Jene, für die Rudolf zur Seite stünde. Eine Vision machte er gleich öffentlich: Es soll einen Therapiebereich für MS-Kranke geben oder eine Herz-Hirn-Station, in der Patienten, bei denen sowohl Herz als auch Gehirn geschädigt sind, interdisziplinäre und integrierte Behandlungen bekommen können.

Tabarz unter Rudolf folgt damit also u. a. der MediClin-Fachklinik Rhein/Ruhr in Essen-Kettwig, die dieses integrierte Versorgungsmodell bundesweit erstmals einrichtete.

Zur Person:
Marco Rudolf (Jahrgang 1974) ist Volljurist und praktizierte zunächst als Rechtsanwalt, spezialisiert auf Wirtschafts-, Verwaltungs- und Arzthaftungsrecht. Dann arbeitete er als Geschäftsstellenleiter bei der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. (DGHO) und als Geschäftsführer ihrer beiden Tochtergesellschaften in Berlin. 2012 wechselte er zur MediClin, war zunächst in Bad Düben angestellt und bekam dann zum Jahreswechsel 2012 die Chance in Tabarz. Er ist verheiratet, hat einen Sohn.
Foto: Symbolträchtig übergab Böttcher seinem Nachfolger Marco Rudolf einen Staffelstab aus Edelstahl.