Es war im Oktober 2011, als Marko Simic nach dem dritten Sieg der Oettinger Rockets Gotha einen Satz sagte, der damals nicht so recht zur aufkommenden Euphorie passen wollte. „Für mich zählt nicht so sehr der kurzfristige Erfolg, sondern vielmehr die Herausforderung und das Ziel, im Laufe der Saison ein schlagkräftiges Team zu entwickeln, das es in den Playoffs sehr weit bringen kann.“ Am Ende der Spielzeit 2011/2012 standen die Meisterschaft und der souveräne Aufstieg in die 2. Bundesliga ProA.
Wenngleich die Vorzeichen nun andere sind: Mit der Maxime aus dem vergangenen Herbst als Grundlage für eine Einschätzung lässt sich das Ergebnis von gestern besser einordnen. Denn: Die Entwicklung des Teams ist zum derzeitigen Stand noch nicht so weit fortgeschritten, wie sich das alle Beteiligten wünschen. Deshalb konnte der Aufsteiger auch im vierten Pflichtspiel der Saison keine überzeugende Leistung abliefern. Die Rockets unterlagen bei den Cuxhaven BasCats mit 66:77 (33:43) und rutschten auf Platz 13 der Tabelle ab.
„Es war die dritte unnötige Niederlage in Folge“, bilanzierte Marko Simic nach der Partie in der mit 1058 Zuschauern gut gefüllten Rundturnhalle. Ausschlaggebend war nach Einschätzung des Trainers in erster Linie mangelnde Cleverness: „Wir hatten von außen einen rabenschwarzen Tag, haben es aber nicht verstanden, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen!“
Kern dieser Kritik: Spätestens zur Halbzeit stand fest, dass die Gothaer an diesem Tag mit Dreiern keinen Blumentopf gewinnen werden, das Spiel aber unter dem Brett für sich entscheiden können, wenn nicht gar müssen. Beleg: Zuvor hatten sie zwölf Dreipunktwürfe genommen, kein einziger fand den Weg durch den Ring; viel besser war hingegen die Ausbeute aus der Nahdistanz (13 von 20 / 65 Prozent). Logische Konsequenz: Marko Simic gab in der Pause eine unmissverständliche Parole aus. „Dreier-Feuer einstellen!“
Der Erfolg dieser Maßnahme stellte sich umgehend ein, allerdings nur zwischenzeitlich. Denn nach dem Seitenwechsel drehten die abermals ersatzgeschwächt angetretenen Rockets auf und wendeten das Blatt. Innerhalb von wenigen Minuten machten sie aus einem 10-Punkte-Pausenrückstand eine 5-Punkte-Führung. Den Schlusspunkt des fulminanten 17:0-Laufs markierte der erste und letzte Rockets-Dreier der Partie durch Albert Kuppe (50:45 / 26.), von dem wohl zugleich ein falsches Signal ausging. Fortan versuchten die Gothaer abermals ihr Glück von außen, anstatt den Ball weiterhin konsequent in Brettnähe zu bringen. Folge: Am Ende der Partie stand eine indiskutable Dreier-Quote von 5 Prozent zu Buche (22 Versuche / 1 Treffer).
So stark die Gäste im dritten Viertel agierten, so schwach fiel der Schlussdurchgang aus. Wegweisend für diesen Spielabschnitt: In den ersten fünf Minuten gelang den Rockets kein einziger Punkt – auch in dieser Phase gingen sie nicht besonders clever zu Werke. Als Cuxhaven dann drei Minuten vor Ultimo mit 66:62 vorne lag, also noch alles machbar war, kassierte Trayvon Lathan innerhalb von fünf Sekunden drei Fouls (inklusive einem Technischen Foul), die dem US-Amerikaner ein vorzeitiges Spielende bescherten und den Hausherren vier Freiwürfe, anschließend einen Einwurf an der Mittellinie und somit den finalen Kick.
Letztlich grenzte es beinahe an ein Wunder, dass Marko Simic in Cuxhaven nicht die Fassung verlor. Grund genug dazu hätte der ehrgeizige Schweizer gehabt. Seine Rechnung ist simpel: 21 verworfene Dreier und 11 Turnover ergeben in der Addition 32 vergebene Chancen. Auf die sehr gute Quote aus der Nahdistanz (77 Prozent) hochgerechnet, wären das 24 sichere Möglichkeiten gewesen, unter dem Brett zu punkten.
„So etwas darf uns einfach nicht passieren – da müssen wir künftig viel intelligenter agieren“, sagte Marko Simic und richtete den Blick nach vorne. Am nächsten Samstag im Heimspiel gegen die Düsseldorf Baskets (Samstag, 20. Oktober / Tip-Off: 19 Uhr) rechnet er mit eine klarer Reaktion der Mannschaft.
Ungeachtet dessen gab’s auch Lichtblicke in Cuxhaven: Zum Beispiel stand Dmitrij Kreis erstmals in dieser Saison auf dem Feld. Das Lazarett lichtet sich. Das ist doch schon mal eine gute Entwicklung!
Cuxhaven BasCats – Oettinger Rockets Gotha 77:66 (43:33)
Viertel: 22:18 | 21:15 | 12:23 | 22:10
Oettinger Rockets Gotha: Smith (2 Punkte / 5 Rebounds / 2 Assists), Watson (2 Rebounds), Niebuhr (11 Punkte / 7 Rebounds / 1 Assist / 3 von 4 Freiwürfen), Kreis (2 Assists / 2 Rebounds), Lathan (16 Punkte / 4 Rebounds / 4 Assists / 4 von 5 Freiwürfen), Baker (18 Punkte / 7 Rebounds), Selvig (2 Punkte / 1 Rebound / 1 Assist), Lipke (8 Punkte / 3 Rebounds / 3 Assists / 2 von 2 Freiwürfen), Kuppe (9 Punkte / 2 Rebounds / 1 Assist)
Zweier Gotha: 24 von 31 (77 %) Zweier Cuxhaven: 19 von 30 (63 %)
Dreier Gotha: 1 von 22 (5 %) Dreier Cuxhaven: 5 von 20 (25 %)
Freiwürfe Gotha: 9 von 11 (82 %) Freiwürfe Cuxhaven: 22 von 26 (85 %)
Rebounds Gotha: 35 (11 Offense / 24 Defense) Rebounds Cuxhaven: 36 (8 / 28)
Assists Gotha: 14 Assists Cuxhaven: 10
Turnover Gotha: 11 Turnover Cuxhaven: 13






















