Gut 40 Sekunden vor Ende des Spiels hallte der Schlachtruf „Derby-Sieger“ von der Tribüne. Zum Leidwesen der Jenaer Fans waren es allerdings die gut 230 Chemnitzer Anhänger, die sich und ihre Mannschaft erstmalig seit dem letzten Sieg an selber Stelle 2003 feiern konnten.
Zu recht, denn das Team aus Sachsen hatte im Verlauf der 40 Minuten mehr investiert, war gedanklich schneller, vor allem in der Zone präsenter und bissiger. So unterlagen die Thüringer ihrem sächsischen Kontrahenten zum Schluss mit 63:73 (31:37), haben in den kommenden Tagen bis zur Auswärtspartie in Paderborn ausreichend Gelegenheit, um die eigenen Versäumnisse und Unzulänglichkeiten des Derbies aufzuarbeiten und ihren Neuzugang besser zu integrieren.
Zur Überraschung vieler Gäste präsentierte Science City vor dem Tip-Off ein neues Gesicht, Garrett Sim, einem aus Portland stammender Scharfschütze. Zwar misslang das Debüt des Combo-Guards aus Oregon, dennoch wusste der 22-Jährige noch mit ausreichend Jet Lag in den Knochen durch neun Punkte – drei verwandelte Distanzwürfe – zumindest individuell zu überzeugen.
Das Statistiken nicht immer die ganze Geschichte eines Spiels abbilden, beweist unterdessen die Zahlenreihe hinter Jenas Center Aurimas Adomaitis. Zwar lesen sich sieben Punkte und sieben Rebounds für den bislang konstantesten Akteur der Thüringer verhältnismäßig zurückhaltend. Im Duell gegen Chemnitz kam der Litauer jedoch auf nur knapp 24 Minuten, wurde im Angriff zudem von seinen Mannschaftskollegen viel zu häufig übersehen.
Während der Jenaer Backcourt um Lee Jeka und Kenny Barker zusammen mit sechs Treffern bei 23 Versuchen offensiv einen rabenschwarzen Tag erwischten und weit hinter den Erwartungen zurückblieben, gelang es Science City nicht, beide Ausfälle zu kompensieren. Dafür sorgten ausgerechnet die beiden Gegenüber auf Chemnitzer Seite für ordentlich Alarm.
Sowohl John Bynum (23 Pkt, 9 Reb) als auch der Japaner Takumi Ishizaki (18 Pkt.) erwischten aus Sicht der Gäste einen Sahnetag. Der von einer Fingerverletzung zurückgekehrte und erstmals in dieser Saison für die 99ers auflaufende Donald Lawson komplettierte das Trio der Chemnitzer Erfolgsgaranten. Lawson griff sich allein sieben Offensivrebounds, so viel wie da gesamte Jenaer Team, kam am Ende auf summierte zwölf gefangene Abpraller und ermöglichte so seinen Mitspielern zweite oder dritte Optionen erfolgreich abschließen zu können. Eine der Schlüsselkategorien, das Duell unter der Körben ging folgerichtig ebenfalls mit 37:43 an die Sachsen.
Nachdem Science City zunächst konzentriert in das Derby startete, nach Barkers Korb zum 4:2 (2.) erstmals in Führung ging und diese acht Sekunden vor der Viertelsirene durch Sanijay Watts auf 18:14 leicht ausgebaut hatte, riss Jenas offensiver Faden in der 15. Minute. Nach einer Chemnitzer Auszeit aus dem Rhythmus gebracht, blieben die Saalestädter knapp drei Minuten ohne Punkte, verpassten selbst aussichtsreiche Korbleger.
Die Gäste nutzten diese Phase konsequent, setzten sich in Folge eines 13:0-Runs von 26:24 (16.) auf 26:37 (19.) ab. Der einzige Dreier von Lee Jeka in diesem Duell setzte den zwischenzeitlichen Schlusspunkt zum 31:37-Halbzeitstand. Nach Wiederanpfiff zum dritten Viertel ging es beiderseits Schlag auf Schlag. Nachdem Tim Schwartz die Thüringer aus der Distanz zunächst mit 39:43 zurückbringen konnte, antwortete Jorge Schmidt ebenfalls per Dreier zum 39:46 (24.). Nach einem weiteren Gästekorb von Ishizaki zum 39:50 zog Georg Eichler die taktische Notbremse, Auszeit.
Was folgte war ein Duell nach dem Hase-und-Igel-Prinzip. Science City versuchte den Chemnitzer Vorsprung kontinuierlich abzubauen, kassierte jedoch nach erfolgreichen Würfen umgehend die Antwort. Ein Mitteldistanzwurf von Kapitän Christoph Roquette sorgte für das 50:56, nach einem verworfenen Ball kurz vor der Viertelsirene durch Lee Jeka der Zwischenstand vor Start in den finalen Abschnitt. In Folge eines Dreiers durch Garrett Sim sowie zwei Freiwürfen durch Sanijay Watts zum 57:60 den Ausgleich ganz nah vor Augen, konterte Chemnitz humorlos, setzte sich wieder auf 57:65 (35.) ab.
Während bei Jenas Leistungsträgern die Konzentration nun zusehends schwand, Science City noch einmal auf 60:65 (Barker, 37.) und 63:67 (Sim, 39.) verkürzen konnte, gingen die restlichen Sekunden im bereits angesprochenen Jubel der Gäste-Fans unter.
Trainer Georg Eichler sah trotz der Niederlage positive Ansätze. „Die 73 Chemnitzer Punkte sind defensiv ein Schritt in die richtige Richtung. Offensiv waren wir heute jedoch nicht in der Lage unsere Stärken auszuspielen. Natürlich ist dies meist auch immer der Defense des Gegners geschuldet. Die Chemnitzer haben sehr intensiv verteidigt, verdient gewonnen. Glückwunsch an Felix und sein Team“.
SCJ: Roquette 13, Sim 9, Watts 8, Adomaitis 7, Barker 7, Jeka 7, Schwartz 7, Reyes-Napoles 5, Krumbeck, Strauß





















