In Gotha reiht sich in manchen Straßen Schlagloch an Schlagloch. Viele Autofahrer würden ihre Fahrzeuge lieber über die Straßen tragen. Der Zustand des Verkehrsnetzes ist mies, das Handeln der Stadt zu langsam und das Geld falsch investiert – so sehen es zumindest einige Bürger. Oscar am Freitag ging auf Spurensuche.
Nach den Wintermonaten zeigen sich die Gothaer Straßen nicht von ihrer besten Seite. Die Zahl der Schlaglöchern nahm zu und mit ihr der Unmut der Einwohner. Damit auch im Stadtbauamt genug zu erledigen ist, bieten sich drei Möglichkeiten, schadhafte Stellen zu ermitteln. Die Behörde selbst führt je nach Bedeutung der Straße zweimal pro Jahr oder einmal alle zwei Wochen Kamerabefahrungen und manuelle Straßenkontrollen durch. Dies teilte uns die Pressestelle der Stadt Gotha mit. Auf der anderen Seite können die Bürger selbst aktiv werden. Denn seit 2008 können Schlaglöcher über den Mängelmelder dokumentiert werden. Im vergangenen Jahr wurde die Plattform laut Stadt modernisiert. Nun besteht die Möglichkeit, ein Freitextfeld auszufüllen, den genauen Standort des Schlaglochs in einer digitalen Karte zu markieren und Bilder der entsprechenden Stelle einzusenden.
Auf Nachfrage von „Oscar am Freitag“ gab die Pressestelle an, dass „eingehende Meldungen innerhalb von maximal 48 Stunden an Werktagen bestätigt und an die jeweils zuständige Sachbearbeitung weitergeleitet werden.“ Innerhalb von 14 Tagen würde eine fachliche Prüfung des Anliegens vorgenommen. Die Beseitigung eines Schlaglochs hinge dann von verschiedenen Faktoren ab.
Hier wirkt wieder einmal die viel zitierte „Bedeutung der Straße“. In einem Spektrum von Hauptverkehrsstraßen mit 25.000 Fahrzeugen und mehr pro Tag bis hin zu Sackgassen sowie Anliegerstraßen mit bis zu vier Fahrzeugen wird diese Bedeutung ermittelt. Hinzu kommen das Alter der Straße und das gesamte Schadensausmaß.
Wenn alle diese Werte bekannt sind, rückt die Wirtschaftlichkeit in den Fokus. Am Ende spielen auch die im Haushalt vorhandenen Mittel der Stadt eine Rolle, so die Pressestelle. Im Jahr 2026 stehen für investive Maßnahmen 800.000 Euro zur Verfügung – Fuß- und Radwege eingeschlossen. Dem Unterpunkt „allgemeine Straßensanierung“ sind 500.000 Euro zugewiesen, gab die Pressestelle bekannt. Für die Unterhaltung der Verkehrsinfrastruktur sind 650.000 Euro verplant. Hier gibt es jedoch eine Ausnahme, wie der Antwort des Gothaer Informationsamtes zu entnehmen ist: „Zusätzlich werden Komplexmaßnahmen, Maßnahmen der Stadtsanierung und grundhafter Ausbau gesondert betrachtet und sind in den o.g. Zahlen nicht enthalten.“ Der Haushalt der Stadt Gotha für das Jahr 2026 umfasst für laufende Verwaltungsausgaben rund 104 Millionen Euro. Investitionen sind in Höhe von fast 35 Millionen Euro möglich.
Das Beheben der Schlaglöcher wird je nach Schwere des Schadens durch den Bauhof oder durch eine vertraglich gebundene Baufirma vorgenommen. Die Reihenfolge ist in einem Maßnahmeplan festgeschrieben. Um die schadhafte Stelle mit Asphalt ausbessern zu können, werde (so die Antwort der Pressestelle) bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde eine verkehrsrechtliche Anordnung beantragt. Wird diese erteilt, kann die Ausbesserung beginnen.
Sollte in der Zwischenzeit beim Durchfahren eines Schlaglochs ein Schaden entstehen, kann sich der Geschädigte formlos an das Rechtsamt der Stadt wenden. Im Jahr 2026 gingen bislang 26 Schadensfälle und drei Schadensersatzforderungen ein, teilte die Stadt Gotha mit. Alle diese Anträge gingen zur Prüfung an den „Kommunalen Schadensausgleich“, den Haftpflichtversicherer der Stadt Gotha. Erhält ein Autofahrer Recht, so kommt der Kommunale Schadensausgleich für die Kosten auf. Dieser Haftpflichtdeckungsschutz kostet die Stadt Gotha im Jahr 2026 36.640 Euro. Das Informationsamt stellte klar, dass dieser Wert „von der Einwohnerzahl abhängt.“
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 7 (2026)




















