Das größte Denkmal ist das Gedächtnis (Perikles)

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Prof. Dr. Bernd Braun, Leiter der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg (re.) und Marlies Mikolajczak, Vorsitzende des Fördervereins Gothaer Tivoli (li.) vor den Bildern Wilhelm Cunos, des einzigen Thüringer Reichskanzlers

Am 02. April 2019 wurde im Tivoli bereits die zweite Sonderausstellung, nach jener über die Gothaer Politikerinnen, eröffnet.

Im Zentrum dieser Ausstellung stehen die Biographien der zwölf Reichskanzler, die in den 14 Jahren, die die Weimarer Republik bestand, politische Verantwortung übernommen haben. Prof. Dr. Bernd Braun, Leiter der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, der die Ausstellung konzipiert und erstellt hat, möchte mit ihr das obgenannte Perikleszitat für diese 12 Reichskanzler wahr werden lassen, denn abgesehen von Namen wie Ebert und Hindenburg, den beiden Reichspräsidenten, sagen den meisten Deutschen die Namen der Reichskanzler wenig bis gar nichts.

Unsere politische Erinnerungskultur ist eine visuelle Erinnerung, aber gerade zur damaligen Zeit steckten Photographie und Film noch in den Kinderschuhen. Deswegen gibt es von den Reichskanzlern insgesamt, auch noch durch Nazizeit und Weltkrieg reduziert, wohl weniger Bilder als heute von der Kanzlerin bei einem einzigen Pressetermin geschossen werden. Das Ziel dieser Ausstellung ist es, den Verantwortungsträgern von damals ein Gesicht zu geben, und die Distanz zwischen ihnen und uns etwas zu verkleinern. Denn auch wenn uns diese Zeit so fern scheint, so lebt doch die Tochter des Reichskanzlers Luther, Eve Maria Stadler (98), noch und kann uns aus der damaligen Zeit berichten.

In seiner Eröffnungsrede warnte Prof. Dr. Braun davor, „die Bundeskanzler mit den Reichskanzlern zu vergleichen“, dies sei zwar reizvoll für den Historiker, aber nicht professionell. Die Amtszeiten der damaligen Kanzler waren so kurz, daß ein Kanzler wie Wilhelm Marx, der in zwei Amtszeiten 3 Jahre und sieben Monate angesammelt hatte, ironisch als der „ewige Kanzler“ betitelt wurde. Die ständigen Regierungswechsel vermitteln uns auch heute noch ein Bild der UNruhe und der Instabilität. Dahingegen sieht Prof. Dr. Braun aber auch unsere „Hyperstabilität“ als gefährlich an; „die Deutschen lieben den Regierungswechsel – nicht“, aber „zur Demokratie gehört der Wechsel“. Denn ohne diesen stumpfen die Kontrollorgane ab, die Bürger sehen ihren Einfluß schwinden und Lobbyismus und undemokratische Strukturen können sich festsetzen.

Die Ausstellung beginnt im Erdgeschoß mit den drei ersten Kanzlern – Scheidemann, Müller und Bauer – die von der SPD gestellt worden waren; vielleicht eine Mahnung an die heutigen Genossen „diese glorreiche Vergangenheit nicht jeden Tag aufs Neue aufs Spiel zu setzen“, wie es Prof. Dr. Braun formulierte.

Die Ausstellung gastiert bis Ende Juni in Gotha und ist Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Auf Anfrage ist eine Besichtigung auch außerhalb dieser Zeiten möglich.

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Tivoli.

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