Seit dem 1. Januar 2022 arbeitet Peter Leisner als hauptamtlicher Beigeordneter für Finanzen und Bildung im Gothaer Rathaus. Dabei verantwortet er auch die Gothaer Sportstätten. Grund genug für Oscar Redaktionsleiter Maik Schulz ein Gespräch über genau jenes Thema zu führen – und den Traum von einer Dreifelder-Halle mit größerer Zuschauerkapazität…
Herr Leisner, der Thüringer Landessportbund bekam vor einigen Wochen einen Zusatz-Scheck über zehn Millionen Euro für die Sanierung von Sportstätten. Aber mal ganz ehrlich: Das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein! Deshalb die Frage: Wieviel wendet denn die Stadt Gotha insgesamt für ihre Sportstätten auf?
Und um wieviele Sportstätten handelt es sich…? Aber Spaß beiseite: Wir wenden einen vielfachen Millionenbetrag für unsere Sportstätten auf. Sowohl für den Betrieb als auch für die Investitionen. Wir haben eine sehr bunte und vielschichtige Sportlandschaft. Dazu zählt ja auch das Stadtbad, welches ebenso eine Sportstätte ist und uns in der Betreibung ja mehrere Millionen Euro kostet. Aber darf ich mal auf etwas ganz Anderes hinweisen..?
Nur zu!
Allein die Unterhaltung der Sportstätten kostet uns wirklich viel, viel Geld. Jedes Jahr. Eine Menge Geld! Das kommt nicht von ungefähr. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Unsere Sportplatzwarte betreuen eine Fläche von gut 14 Hektar, darunter 38.000 Kubikmeter Intensivsportrasen. Die saisonale Flächenleistung der Sportrasenpflege beträgt über anderthalb Millionen Quadratmeter, also mehr als 152 Hektar. Dabei fallen allein Kosten für Dünger im Wert von 10.000 Euro sowie für Markierfarbe im Wert von 3.800 Euro an.
Was ich damit sagen will: Im Vergleich zu anderen Städten investieren wir im Bereich des Sports immer sehr viel Geld. Und natürlich unterstützen wir dann natürlich auch noch Vereine im laufenden Betrieb von Betriebskosten bis hin zur allgemeinen Sportförderung. Alles das summiert sich am Ende des Jahres auf einen höheren Millionenbetrag.
Und bei all` diesen Sportstätten handelt es sich ausschließlich um Plätze oder auch um Turnhallen?
Sowohl als auch. Es gibt einen Sportstättenleitplan der Stadt Gotha. Dort sind alle Sportstätten aufgezeichnet, auch die privaten. Denn es gibt ja auch noch andere Sportstätten, beispielsweise für die Tennissportler. Auch die sind bei uns im Sportstättenleitplan drin. Denn wer nicht im Sportstättenleitplan verzeichnet ist, bekommt beispielsweise vom Landessportbund Thüringen keine Förderung.
Wie sieht es denn im Augenblick aus? Wie würden Sie den Zustand der stadteigenen Sportstätten bezeichnen?
Unsere Sportstätten sind in einem passablen Zustand. Das darf man einfach mal so sagen. Wir haben immer auch im Bereich der Sportstätten investiert, weil Sportstätten ja auch beispielsweise für die Schulen gebraucht werden. Aber natürlich ist die Sportplatzpflege ein Punkt mit vielen sogenannten „kleinen“ Kosten. Denn wir haben eigentlich das Glück, dass alle sechs Fußballvereine der Stadt über einen eigenen Platz verfügen. Dazu kommt noch das Thema „Volkspark-Stadion“, das als zentrale Sportstätte natürlich dazugehört. Das ist ein großes Glück, zwingt uns aber auch in die Situation, dass wir investieren müssen. Ob wir wollen oder nicht…
Haben Sie weitere Beispiele dafür?
Gern. So kostete uns im Jahr 2025 die Reparatur des Sieblebener Kunstrasens 2.300 Euro in diesem Jahr, das dann erforderliche Nachsanden 4800 Euro. Die neuen Ballfangnetze im Törpe-Sportpark kosteten uns 8.700 Euro, die Planungsleistungen für den Umbau des Westsportplatzes in der Gebrüder-Ruppel-Straße weitere 60.000 Euro, der Ballfangzaun auf dem Sportplatz in Sundhausen mehr als 7.800 Euro. Um nur drei von vielen Beispielen zu nennen.
Und die größte Investition der nächsten Jahre führt sie erneut in die Gebrüder-Ruppel-Straße. Besser gesagt, jetzt unterhalb der Tennisplätze zum Westsportplatz. Was soll dort passieren?
Den ersten Schritt für einen Umbau zum Kunstrasenplatz haben wir bereits gemacht. Doch zuvor müssen wir noch den Kunstrasenplatz des Volksparkstadions sanieren. Der wurde damals mit der Sanierung des Stadions um die Jahrtausendwende gemacht – und ist inzwischen vollkommen hinüber. Wir haben jetzt gemeinsam mit dem Landkreis entschieden, ihn zu sanieren. Das ist eine Baumaßnahme in Höhe von 940.000 €, die dort aufgerufen werden. Wir werden hier ohne Fördermittel bauen, um einfach dort auch eine Beschleunigung hinzubekommen. Das heißt: Nächstes Jahr rollen dort die Bagger!
Das ist doch noch nicht alles?
Natürlich sehen wir, dass wir bei all unseren Sportstätten auch einen hohen Investitionsbedarf haben. Das ist einfach so. Unsere Sportstätten kommen natürlich auch in die Jahre; sie werden belebt, bespielt und entsprechend in Anspruch genommen! Und wir stellen natürlich auch fest, dass wir eigentlich generell ein „Mehr“ an Sporthallen bräuchten. Und diese Hallen auch in einem größeren Format. Das ist eine ganz besondere Herausforderung!
Warum?
Ist doch logisch: Wir leben in Zeiten, in denen das Geld knapper wird. Deshalb müssen wir uns Gedanken machen: Wie können wir die Investitionsquote aufrechterhalten? Und für die besagten Sportstätten wurde laut Plan entschieden: Wir wollen einfach einen neuen Weg gehen! Um größeres Investitionspotenzial für einen großen Hallen-Neubau zu schaffen.
Ja, was Gotha fehlt, ist eine große Dreifelderhalle. Eine Halle mit größerer Zuschauerkapazität brauchen die Volleyballer, die Basketballer und alle anderen Vereine ebenso. Hand aufs Herz: Ist dieser Traum ausgeträumt?
Nein, eigentlich erhält er nun eine ganz neue Dynamik. Es ging ja im vergangenen Winter schon mal durch die Presse, dass wir uns auch im Sportstättenleitplan für den Neubau einer Dreifelder-Multifunktionshalle entschieden hatten. Wir wollen das! Denn wir haben den Bedarf dafür. Wenn ich nur an die großen Vereine denke! Sie, Herr Schulz, erwähnten es ja eben schon: Und auch die Leichtathleten brauchen diese Halle…
Die Entscheidung steht also? Allein das Geld fehlt, oder?
Wir wollen eine Halle, die für den Schulsport und höherklassige Sportveranstaltungen gleichermaßen geeignet ist. Und da entwickeln wir gerade gemeinsam mit verschiedenen Partnern eine Projektskizze. Die Frage steht: Was brauchen wir? Größenordnung, Zuschauerkapazität, entsprechende Erweiterung, Park- und Verkehrskonzept, die stadtplanerische Einbindung – das alles muss beachtet werden. Wo und wie und was? Das ist natürlich ein Prozess, der nicht schon morgen beendet sein kann. Das alles bedarf eines Abstimmungsverhaltens. Aber auch die Frage: Wer bezahlt was? Denn wir reden hier von einem richtig großem Projekt. Ich würde mal sagen, unter 15 Millionen Euro wird das in der Größenordnung nichts.
Wird also schwierig, oder?
Ich bin voller Hoffnung. Wir sind im Gespräch mit verschiedenen Partnern. Denn noch einmal ohne Wenn und Aber: Wir wollen das! Der Weg dahin wird schwierig, wird steinig. Aber wenn wir uns alle dazu bekennen, wird es zu schaffen sein.
Sie sprachen von einer Projektphase. Also prüfen Sie doch gerade die Möglichkeiten dieses Neubaus unabhängig davon, ob er finanziell auch zu stemmen ist?
Ich sprach von einer internen Projektskizze. Wir sind im Dialog. Mit allen möglichen Beteiligten – und ich konnte feststellen, dass wir gemeinsam ein Riesen-Potenzial haben.
Aber Sie wissen schon, dass die herkömmliche Finanzierung so kaum funktionieren dürfte? Denn das Land fördert doch im Augenblick nur den Schulsport. Also wenn Sie das Thema Dreifelderhalle so klar ansprechen, muss ich Sie fragen: Was macht Sie da so optimistisch.
Hier muss ich Ihnen leider widersprechen, Herr Schulz! Das Land hat auch die Möglichkeit der allgemeinen Finanzierung. Wir werden schauen, was diese Möglichkeiten hergeben. Wir werden natürlich auch mit dem Land in die Diskussion darüber gehen. Es wäre ja absolut fatal, ganz im Blindflug zu sagen: Alles, was um uns herum passiert, das interessiert uns nicht. Natürlich müssen wir das in unsere Überlegung mit einfließen lassen. Und vor allem müssen wir konzeptionell überzeugen. Und vor allem müssen wir konzeptionell überzeugen. Wie gelingt das? Doch nur, wenn wir mit den aktiven Sportlern, mit den Behörden und Verbänden ein gemeinsames und starkes Konzept vorlegen. Wer könnte sich denn dagegen aussprechen?
Und dieses Konzept liegt schon auf Ihrem Tisch?
Ja, das liegt bereits auf meinem Tisch! Es ist doch klar: Projekte muss man angehen! Ich muss nur gucken, dass wir uns auf diesem langen, steinigen Weg nicht vergaloppieren. Es muss jetzt Schritt für Schritt gehen. Wir alle sind in meiner Wahrnehmung in dieser Sache schon viel weiter, als wir jemals zuvor waren. Und seien Sie sicher: Wir werden darüber weiter im Gespräch bleiben!
Darauf können Sie wetten. Danke für das Gespräch!
Dieser Artikel erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 12 (2025)
Das ganze Interview finden Sie auch auf dem YouTube-Kanal von Oscar am Freitag-TV. Schauen Sie mal rein.


















