Der Wald an der Belastungsgrenze

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Lauchagrund bei Bad Tabarz im Thüringer Wald. Foto: Johannes Krey | JKFotografie & TV

NABU Thüringen zum aktuellen Waldzustandsbericht: Fehlendes Handeln der Politik trotz zunehmender Schäden / Künstliche Anpflanzungen vermeiden

Laut Waldzustandsbericht 2023 geht es den Wäldern in Deutschland auch weiterhin schlecht. Der überwiegende Teil unserer Bäume ist krank. Nach Ansicht des NABU Thüringen ist, neben der Klimakrise, die intensive Forstwirtschaft ein Haupttreiber des Waldsterbens.

Der aktuelle Waldzustandsbericht zeigt deutlich, der deutsche Wald steht an der Belastungsgrenze, auch in Thüringen. Trotz dieses verheerenden Zustandes der Wälder und Forste, tun einige Lobbyverbände so, als könne alles so bleiben, wie es ist. „Ein weiter so darf es aber nicht geben und jedem muss klar sein, dass der Wald naturverträglich bewirtschaftet werden muss, damit es ihn morgen noch gibt,“ sagt Silvester Tamás vom NABU Thüringen. Ein Schlüssel sieht der NABU in der Reform des aktuellen Bundeswaldgesetzes. Es muss zu einem Gesetz werden, das die Wälder schützt und widerstandsfähig macht.

Für den Freistaat fordert der NABU Thüringen einen effizienten Einsatz der 176 Millionen Euro Steuergelder, die für den Waldumbau zur Verfügung stehen. Kritisch sehen die Naturschützer künstliche Pflanzaktionen, wie sie vielerorts beworben werden. „Die künstlichen Aufforstungen werden bei der sich abzeichnenden Klimaentwicklung in Zukunft allenfalls in ausreichend natürlich beschatteten und bewässerten Gebieten eine Überlebenschance haben. Baumpflanzaktionen können aber bei ehrlichem Wissenstransfer durch die Veranstalter durchaus als begleitende Umweltbildungsmaßnahme positiv gesehen werden“, sagt Silvester Tamás. „Jetzt muss man vor allem auf natürliche Wiederbewaldung setzen und eine schonende Bewirtschaftung des Waldes und der Waldböden fördern. So haben wir die besten Chancen, einen klimastabilen Wald zu erhalten, der auch für künftige Generationen noch nutzbar ist.

Der forstwirtschaftliche Druck auf geschützte Laub- und Laubmischwaldgebiete, insbesondere auf die nach europäischen Richtlinien geschützten FFH- und auch Naturschutzgebiete, nimmt dagegen in den letzten Jahren weiter zu. „Wenn wir unsere politische Verantwortung für den Klima- und Naturschutz ernst nehmen, dann muss das zuständige Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft jetzt handeln und die gesetzlichen Vorgaben zum Schutz der Waldschutzgebiete endlich umsetzen. Wald ist eben nicht nur Holz, sondern oft auch das letzte Rückzugsgebiet für geschützte und bedrohte Arten“, so Silvester Tamás. Konkret fordert der NABU bundesweit zeitgemäße gesetzliche Vorgaben für ein Kahlschlagverbot, ein Entwässerungsverbot, mehr Schutz für die Waldböden, sowie einen zügigen Waldumbau, weg von naturfernen Nadelforsten hin zu stabileren und widerstandsfähigeren Laubmischwäldern. Für den Schutz der Artenvielfalt, den natürlichen Klimaschutz und den Wasserrückhalt muss das neue Waldgesetz verbindliche ökologische Mindeststandards unter anderem für Biotopbäume und Totholz vorgeben.

Hintergrund
Gesunde Wälder sorgen für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt, saubere Luft, Erosionsschutz sowie Biodiversität- und Klimaschutz und sind als Wirtschafts- und Erholungsraum unverzichtbar. Das aktuelle Bundeswaldgesetz adressiert jedoch weder die Biodiversitäts- noch die Klimakrise und schafft bisher keinen verlässlichen Rahmen, um den zukünftigen für uns existenziellen Herausforderungen wirksam zu begegnen. Aktuell versuchen einige Lobbyverbände aus Industrie und Forstwirtschaft, die dringend nötige Novelle des Bundeswaldgesetzes zu verzögern. Dieses Vorgehen ist laut NABU unverantwortlich und eine Missachtung der Not unserer Wälder. Die Gesetzesnovelle eröffnet die große Chance, das Fundament für einen neuen Gesellschaftsvertrag zu legen, der dem Erhalt des Waldes als unsere natürliche Lebensgrundlage dient und langfristig auch neue Einkommensquellen sowie einen attraktiven Erholungsraum sichert.

H&H Makler

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