Ecke im Juni: Laufend mit `nem Blick zurück nach vorn

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Na, das war doch ein dolles Jahr im Vorjahr! Wegen seines Stadtjubiläums stand nicht das sündige Gotham City, sondern selbstverständlich Gotha im Blickfeld der Weltöffentlichkeit! Dann zusätzlich der Thüringentag mit noch mehr Jubel und Trubel und Rubel als sonstewo… – Der Fachschulsportverein wurde 75, das Wacker-Volksparkstadion gar 100 Jahre alt. Und wenn wir einmal bei sportlicher Betätigung sind, darf der Gothaer Schloss­parklauf nicht fehlen: Auch er beging im Vorjahr einen runden Geburtstag, wurde er doch zum dreißigsten Male ausgetragen.

Nun, als unsereiner jung war, gehörten Sprüche wie „Trau keinem über 30!“ bisweilen noch zum intellektuellen, wenn auch nicht wirklich intelligenten Sprachschatze. Was den Schlossparklauf, den ich seinerzeit noch als „City-Lauf“ kennenlernte, angeht, so muss und darf und soll auch in diesem Mai gesagt sein: Auf ein Neues! Weiter geht‘s! Froh voran in eine lichte Zukunft! Bleibt‘s amoal alle schee‘ auf‘m Laufenden! Und so sah, traditionell am Muttertag veranstaltet, auch die 31. Laufrunde nicht nur ein großes Teilnehmerfeld, sondern gleichermaßen viel Publikum an der Laufstrecke . Dazu auch vülle Sonntagssommersonnenschein? Es war doch davon auszugehen, hm? Weil gerade kein anderer Wetterfrosch des Wegs gelaufen kam, musste ja hierzulande wohl doch wieder auch mal noch irgendwie der Citylauf-Mitbegründer Ralf Volbeding herhalten und sozusagen Antwort geben. Er orakelte, dabei wolkenverhangen-sentimentalen Blickes rückschauend, dass es in den vergangenen drei Jahrzehnten auffällig oft sonnig war und dass dies hierzulande ja doch wohl auch noch irgendwie mal sozusagen kein Zufall sein konnte? Wer erinnerte sich da nicht augenblicks der sprichwörtlichen „fier Veinde“ des Sozialismus (Frühling, Sommer, Herbst – na, Sie wissen schon) und pflichtete dem Propheten Volbeding vollumfänglich, bedingungsfrei und einmütig unter lang­anhaltendem Beifalle bei? Herrje – und genau das wird man ja sozusagen irgendwie doch wohl mal auch noch hierzulande sagen dürfen! – Überhaupt hatte es die Zahl 31 in diesem Lauf-Frühling „irgendwie“ in sich: Denn wie alt ist der aufstrebende Marathon-Star aus Kenia, der kürzlich in London sensationell die Zwei-Stunden-Marke unterbot: Richtig, der neue Weltrekordhalter Sabastian Sawe ist – oh Zufall! – süße 31 Lenze jung! Eine Stunde 59 Minuten und 31, nein: 30 Sekunden die Siegerzeit. Da staunte der Laie und der Fachmann wunderte sich. Doch damit nicht genug: Endlose 11 Sekunden „später“ trudelte im selben Rennen auch endlich der saumselige Äthiopier Yomif Kejelcha im Ziel ein, damit ebenfalls noch die seit 1896 unerschütterlich stehende Zwei-Stunden-Mauer überwindend. Solche „oll‘n Sägge“ wie Volbedings Ralf oder ich selbst kannten natürlich noch den äthiopischen Olympiasieger von Rom und Tokio Haile Selass-, äh: Abebe Bikila. Der verrückte Kerl lief bekanntlich zumindest in Rom noch barfuß, was dem DDR-Olympioniken Waldemar Cierpinski bei dessen Siegen in Montreal und Moskau schon nicht mehr gelingen wollte. Tempora mutantur! Ja, die Zeiten und ihre Läuf(t)e ändern sich – und in bzw. mit ihnen die Marathon- und Schlossparkläufer. Denn auch der jüngst in London als Dritter ins Ziel einlaufende Jacob Kiplimo aus Uganda trug ordentliches Schuhwerk. Fast wäre er ebenfalls unter den besagten zwei Stunden geblieben, kam gerade mal eine halbe Minute zu spät, der Unglücksrabe!

„Zu spät kommen“ – dieser Worthülse kam beim Schlossparklaufe am 10. Mai kaum eine bedeutende Rolle oder gar rollende Bedeutung zu. – Aber ankommen im Zieleinlaufe – das schaffte auch diesmal wieder alles, was sich barfuß oder gut beschuht auf den Weg gemacht hatte.Und das war ja doch wohl auch mal der ganzen Laufkundschaft zu wünschen.

Hierzulande. Auch sozusagen. Irgendwie.

Herzlichst, Ihr Heini Eckenkieker

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 5 (2026)

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