Seit nunmehr 25 Jahren organisiert der Verein „Bündnis gegen Rechts – Gotha ist bunt e. V.” am 9. November einen Lichterlauf zur Erinnerung an die jüdischen Opfer der Pogromnacht von 1938.
Passend dazu waren es dieses Jahr exakt 25 Teilnehmer – etwas wenig, doch das zunehmende Interesse vor allem junger Menschen gibt den Veranstaltern Hoffnung. Beginnend vom Jüdischen Friedhof in der Eisenacher Straße führte der Weg durch die Innenstadt, vorbei an einigen Stolpersteinen, die vom Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig zum Gedenken an die Opfer des Naziterrors in der ganzen Stadt verlegt wurden. Die ersten Steine wurden übrigens im Jahr 2006 in der Marktstraße verlegt, seit September dieses Jahres sind es in Gotha exakt 100. Dabei soll es jedoch nicht bleiben, es werden bereits Spenden für die nächsten Steine gesammelt, die nicht nur die Namen jüdischer Opfer tragen, sondern auch politisch Verfolgter sowie von Sinti und Roma.
Ziel des Lichterlaufs war die Gedenkstätte der alten Synagoge im Zentrum des Altstadtforums, wo Albrecht Loth vom Bündnis ein paar mahnende Worte zum Abschluss fand. Sorge macht ihm der neue Antisemitismus, der von einer Gleichsetzung der des Judentums mit der israelischen Regierung von Benjamin Netanjahu gekennzeichnet ist. Anschließend sprach Stadthistoriker Matthias Wenzel über das Schicksal einiger Gothaer Juden, und erwähnte besonders die Familie Ruppel, deren Firma nach der Machtübernahme arisiert wurde. Nicht alle jüdischen Mitbürger wurden ermordet, einige konnten sich ins Exil retten.
Ein paar Fakten zur Gedenkstätte der Synagoge wurden ebenfalls genannt: Diese war 1904 geweiht und 1938 von den Nazis erst angezündet und anschließend abgerissen worden. Die Gedenktafel sollte ursprünglich an einem der alten DDR-Neubaublocks angebracht werden, doch der Bauingenieur Hans Klein war davon wenig angetan und entwarf einen passenden Rahmen, der heute noch samt der Tafel Teil der neuen Gedenkstätte zwischen den Gebäuden des Altstadtforums ist. Dort steht außerdem ein Modell der Synagoge, welches jedoch witterungsbedingt zunehmend verfällt. Es soll schon bald durch ein neues 3D-Druck-Modell ersetzt werden, an welchem Studenten der Uni Erfurt arbeiten.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 11 (2025)





















