Männer! Frauen! Kinder! – Leserinnen und Leser! Fast sind wir durch! Das Jubiläumsjahr 2025 – längst ist’s auf der Zielgeraden. Würdig begangen in Ortschaften wie Butzbach, Walsdorf und Muschenheim, welche in diesem Jahre samt und sonders auf 1250 Jährchen nachweisbarer Existenz zurückblicken konnten.
Aber auch in unserem regionalen Nahbereich wurde gefetet und gefeiert: So war im an der Kreisgrenze gelegenen Wiegleben ebenfalls ein 1250. Ehrenjahr zu registrieren. Nun gut, aus Sicht der Verwaltung ist das seit 1993 ein Fall für Langensalza. Aber noch im Jahre 1421 war doch wohl einzig und allein das Amt Gotha für Wiegleben zuständig! Und das nahe Nachbardorf Hochheim gehört ja immer noch zu uns!
Da sich jedoch auch schon lange vor 1421 in den allerletzten Dezembertagen die allermeisten Mitmenschen besinnen, um Rückschau zu halten, wollte auch ich jenes Jubeljahr im Kreise guter Gedanken Revue passieren lassen. Um es mit und in einem kurzen Satze zu sagen: Es gelang mir nicht.
Am liebsten wäre ich nach Bösleben, Vellmar, Urphar und Bad Salzungen gerollt, um dort zu hören, wie deren 1250-Jahrfeiern verlaufen sein mochten. Oder doch wenigstens flugs um die Ecke, denn der bereits erwähnte Geburtstagsort Wiegleben ist ja nun wirklich nicht weit entfernt. Doch auch hier ist zu sagen: Es wollte mir nicht gelingen.
Stattdessen leuchtete beharrlich das eingangs bemühte Bild eines Läufers, einer Läuferin auf den letzten Metern vorm Zieleinlauf. Für einige von uns mochte es ein Hundertmetersprint gewesen sein. Anderen kam das 2025 Jahr unserer Zeitrechnung vielleicht eher wie ein Marathonlauf vor?
Sei es, wie es sei: Wir alle kamen voran. Das war, das ist und bleibt der Lauf der Welt.
Am Ende (wenn auch nicht konkret am Jahresende?) wird ja doch sprichwörtlich alles gut. „Und wenn es noch nicht gut ist, ist es eben noch nicht das Ende…” Dieser ebenso heitere wie zukunftsverheißende Aphorismus wird bekanntlich wahlweise (und das nicht nur freitags!) Oscar Wilde oder John Lennon zugeschrieben.
Obwohl dies weder hinten noch vorne stimmt. Denn Urheber der Sentenz ist sinngemäß der brasilianische Schriftsteller Fernando Sabino. So lesen wir im 1988 erschienenen Text „O Tabuleiro das Damas” Folgendes: „Mein Sohn, am Ende geht alles gut aus. Wenn nicht, dann nur, weil es noch nicht zu Ende ist…” Nun, wenn ich mich am Ende weiß, zieh ich textlich einen Kreis! Und lande glücklich und punktgenau wieder bei den Wieglebenern (oder Wieglebern?), welche sich im vergangenen Jahre ihres besonderen Jubiläums er- freuen durften.
Indes: Ein schlechtes Gewissen hab‘ ich schon! Zwar kommt dieses Bedauern reichlich spät, aber ich bin wirklich zerknirscht bei dem Gedanken, den schönen Festumzug zur 1250-Jahrfeier verpasst zu haben. Wie zu vernehmen war, nahmen aus den umliegenden Orten zahlreiche Vereine und Organisationen teil. Wegen besonders enger Verbundenheit mit der Hochheimer Nachbargemeinde sollen stellvertretend für alle Beteiligte die Hochheimer Multicarfreunde und die Damen der Line-Dance-Gruppe genannt sein.
Da alles Jammern und Wehklagen nutzlos bleiben wird, hoffe ich aber nun auf ein baldiges Ortsjubiläum in einer der vielen benachbarten Gemeinden. Wer und wo könnte es sein? Ballstädt, Bufleben, Brüheim? Friedrichswerth, Goldbach, Haina? Wangenheim, Remstädt, Warza? Westhausen, Hausen, Pfullendorf? Oder gar in Sonneborn samt Eberstädt?
Die Bürgerschaft der Gemeinden Nessetal und Sonneborn bekam natürlich sofort mit, dass es hier geographisch oder topographisch drunter und drüber ging – aber mir wäre schon geholfen, wenn niemand vergessen wurde und vielleicht wirklich in einem der genannten Orte demnächst ein runder Geburtstag zu feiern wäre.
Hurra – da ist er ja endlich: Der ersehnte optimistische Ausblick ins Jahr 2026!! Etwas holprig, aber mit Glück und gutem Willen doch noch die Kurve gekriegt: Jene Biegung, die zum Zieleinlaufe führt, hinter dem bekanntlich der nächste Start schon wartet. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel! Und was herb zu Anfang ist, wird lieblich am Ende. Dies lässt sich guten Gewissens sagen (auch das sprichwörtlich) „von der Tugend und vom Rheinwein”. Autor unbekannt. Doch ein Brasilianer aus Belo Horizonte war’s diesmal nicht. Ja, richtig gelesen! Halbfinale 2014! Sieben-eins! Apropos 7:1 und einem taktvollen Schweigen dazu! Weil es als tugendhaft gilt, im richtigen Moment auch mal oder gar dauerhaft die Klappe zu halten, ist es nun an mir, dem zu willfahren.
Zumindest bis zum nächsten Jahre melde ich mich also mit Schweigegelübde ab. Jedoch nicht, ohne Ihnen und uns allen wenigstens eine (passenderweise die letzte) Strophe aus Erich Kästners „Der 13. Monat” ins Gedächtnis zu rufen:
„Es tickt die Zeit. Das Jahr dreht sich im Kreise. Und werden kann nur, was schon immer war. Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise. Und dem Dezember folgt der Januar.”
Auf Wiederseh’n im neuen Jahr! Beim Wiederlesen im Januar!
Heidi Eckenkieker
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 12 (2025)



















