Im Barocken Universum Gotha werden Barrieren abgebaut

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Am gestrigen Mittwoch, 22. März, hat die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha ihre neuen museumspädagogischen Angebote im Bereich „Barrierefreiheit“ vorgestellt: Objekte zum Anfassen, Audioguides und zertifizierte Broschüren in leichter Sprache sind nur ein Teil der neuen Möglichkeiten, die Barrieren abbauen und einen anderen Zugang zu Kunst und Kultur schaffen sollen.

Seit dieser Woche sind auch Informationen zur Barrierefreiheit in den verschiedenen Museen des Barocken Universums Gotha auf den Internetseiten der Thüringer Tourismus GmbH (TTG) abrufbar.

„Leichte Sprache“ auf Schloss Friedenstein

„Ganz bestimmt gibt es keine Sprache, die so ungeordnet und unsystematisch, so schlüpfrig und unfassbar ist; man treibt völlig hilflos in ihr umher…“, so beschrieb Mark Twain 1880 die „schreckliche deutsche Sprache“. Marc Twain bemängelte weiter: „Der Erfinder dieser Sprache scheint sich ein Vergnügen daraus gemacht zu haben, sie in jeder Form, die er sich nur ausdenken konnte, zu komplizieren“.

Deutsch kann eine Hürde sein, vor der manche Menschen tagtäglich stehen – sei es aufgrund von Lernschwierigkeiten, sei es, weil sie nicht gut lesen oder sprechen können oder weil sie schon älter sind. Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, kulturelle Inhalte und Zusammenhänge verständlich zu vermitteln.

Das heißt, neben Fahrstühlen und Rampen muss die Barrierefreiheit auch in der Kommunikation gewährleistet sein. Die Lösung dafür ist die „Leichte Sprache“. Dabei ist leichte Sprache keine Kindersprache und das Schreiben oder Sprechen in „Leichter Sprache“ ist nicht ganz einfach. Es gibt genaue Regeln, die zum Beispiel eine große Schrift, genügend Zeilenabstand, einfachen, kurzen Satzbau, kein Konjunktiv und vieles andere beinhalten. Nachzulesen sind all diese Regeln im Ratgeber „Leichte Sprache“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Der Impuls, derartige Angebote zu erarbeiten, erfolgte durch zwei Studentinnen der Universität Erfurt, Frau Anne Hohensee und Frau Anne-Kathrin Schott, die im Sommer 2015 im Rahmen ihrer Masterarbeit einen Führer in „Leichter Sprache“ durch die Ausstellung „Tiere im Turm“ vorstellten. Die Prüfung des Textes und das Prüfsiegel erfolgte durch das „Büro für Leichte Sprache“ des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland (CJD) in Erfurt. Die Museumspädagogin Frau Petra Hill, die bereits langjährig Veranstaltungen für Menschen mit Behinderungen durchführt, erarbeitete daraufhin je einen Führer durch das Schlossmuseum und das Herzogliche Museum in Leichter Sprache. Auch hier erfolgte die Prüfung durch das „Büro für Leichte Sprache“ des CJD in Erfurt.

Alle drei Führer liegen nun an den Kassen der Stiftung Schloss Friedenstein vor und können bei Bedarf für den Rundgang ausgeliehen werden. Wer möchte, kann auf den Audioguide zurückgreifen. Auch hier sind die Texte in Leichter Sprache aufgespielt. Das Ziel war es, mit dem Angebot der Ausstellungsführer in Leichter Sprache eine weitere Barriere in den Museen der Stiftung Schloss Friedenstein abzubauen.

„Fühlen, was andere sehen“ – Objekte zum Anfassen

Exponate optisch wahrzunehmen, stellt für die Mehrheit der Museumsbesucher kein Problem dar. Mit Interesse betrachten sie Ausstellungstücke und lesen die dazu gehörigen erläuternden Texte. Ein Museumsbesuch sollte aber für Blinde und sehbehinderte Menschen ebenso lohnenswert sein wie für Besucher ohne Einschränkung des Sehvermögens. Für Museen, die vornehmlich visuell geprägt sind, stellt diese Entwicklung eine Herausforderung dar.

Besuchergruppen mit Blinden und Sehbehinderten äußerten deshalb wiederholt den Wunsch nach Objekten zum Anfassen. Bereits vor einigen Jahren entstand aus diesem Grund im Bereich des Museums der Natur ein Fundus an Präparaten, die betastet werden können. Was hier relativ einfach umgesetzt werden konnte, stellte sich bei den Objekten aus der Kunst entsprechend schwierig dar. Gerade wegen ihres materiellen und ideellen Wertes sind die Ausstellungsstücke in sicherem Abstand und hinter dichten Vitrinen unter Verschluss – und damit unzugänglich für alle die, die sie nicht sehen können. Das Mittel der Wahl sind in diesem Fall dreidimensionale Kopien der Ausstellungsobjekte.

Einen kompetenten Partner zur Anfertigung der Objekte fand die Stiftung Schloss Friedenstein in dem Kunsthandwerker Olaf Frenzel aus Ichtershausen. In seiner Werkstatt entstanden ein Sturzbecher aus einer Kokosnuss, ein Nautiluspokal, der Dinglinger-Elefant und ein Hornpokal. Auf Vergoldung, Perlen und Edelsteine wurde bewusst verzichtet, da diese für den Zweck des Betastens nicht relevant sind. Für den Ausstellungsbereich der Kunstkammer stehen nun vier Objekte zur taktilen Wahrnehmung für Blinde und Sehbehinderte bereit. Zusätzlich zum Einsatz kommen auch ein Straußenei mit Bruchstück, eine Meeresschnecke, eine Koralle und diverse Mineralien.

Informationen zur Barrierefreiheit auf „Thüringen entdecken“

Seit dieser Woche sind auch Informationen zur Barrierefreiheit in den verschiedenen Museen des Barocken Universums Gotha auf den Internetseiten der Thüringer Tourismus GmbH (TTG) abrufbar.

Ein Team der TTG hat die Museen sorgfältig im Rahmen des Systems „Reisen für Alle“ erhoben, geprüft und nun publiziert. Die Daten sind in verschiedenen Kategorien abrufbar: Es gibt Informationen für Menschen mit Sehbehinderung und blinde Menschen, für Gäste mit Rollstuhl oder Gehbehinderung sowie Gäste mit Hörbehinderung oder kognitiven Beeinträchtigungen. Eine weitere Rubrik lautet „Bequem unterwegs für alle Generationen“. Es wurden Detailinformationen mit vielen Fotos zu verschiedensten Bereichen gesammelt: von der Breite der Treppen über die Neigung von Rampen, die Lesbarkeit der Schriften und die taktile Erfassbarkeit von Bedienelementen bis hin zu angebotenen Führungen.

Die Hauptseite ist unter folgendem Link zu finden, über die man zu ausführlichen PDFs mit Informationen zu den unterschiedlichen Museen in verschiedenen Kategorien gelangt:

https://www.thueringen-entdecken.de/urlaub-hotel-reisen/gotha-102339.html

Ein Beispiel für ein PDF findet sich unter:

https://www.thueringen-entdecken.de/bfdbpdfs/service_provider/herzogliches-museum-gotha-140860/Sehen_Herzogliches_Museum.pdf

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