Jeder braucht mal Hilfe! – PONTIS in Gotha ist zur Stelle

0
282
Beispielbild: Mensch am Fenster (Quelle: Diakonie für den Landkreis Gotha)
Fliesenstudio Arnold

Als die kooperative Fachstelle Wohnungsnot PONTIS unter der Trägerschaft des Diakoniewerk Gotha im Januar 2025 ihre Arbeit aufnahm, war das Ziel klar: Menschen unterstützen, bevor sie ihre Wohnung verlieren, und denjenigen neue Perspektiven eröffnen, die bereits von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Inzwischen zeigt sich, wie wichtig diese Arbeit für den Landkreis Gotha geworden ist. Vor allem, welche persönlichen Geschichten hinter den Beratungszahlen stehen. Dies geht aus einer Meldung der Diakonie für den Landkreis Gotha hervor.

PONTIS ist eine Fachstelle unter dem Dach des Diakoniewerk Gotha in Kooperation mit dem Landratsamt Gotha und der Stadtverwaltung Gotha. Sie berät Menschen, die von Wohnungsverlust bedroht, wohnungslos oder obdachlos sind, und arbeitet dabei eng mit Vermietern, Behörden und sozialen Trägern zusammen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Prävention: Je früher Probleme erkannt werden, desto größer sind die Chancen, Wohnraum zu erhalten und Wohnungslosigkeit zu vermeiden.

Doch hinter jedem Beratungsgespräch stehen Menschen mit ganz individuellen Schicksalen.

Nach einem Jahr der Verzweiflung endlich ein neues Zuhause

Zu den bewegendsten Fällen der vergangenen Monate gehört die Geschichte eines älteren Ehepaares aus dem Landkreis Gotha.

Die beiden lebten viele Jahre in ihrer Wohnung, bis ihnen der private Vermieter kündigte. Gleichzeitig stellte er ihnen eine andere Wohnung im selben Haus in Aussicht. Im Vertrauen auf diese Zusage unterschrieben sie die Kündigung. Doch die versprochene Wohnung erhielt das Ehepaar nie.

Plötzlich standen sie vor dem Verlust ihres Zuhauses. Die Wohnung wurde geräumt. Alle Versuche der Fachstelle, den Vermieter zum Umdenken zu bewegen, scheiterten.

Die Situation war besonders schwierig: Der Ehemann ist Rentner und stark übergewichtig, seine Partnerin stark gehbehindert und dement. Für beide kam nur barrierearmer beziehungsweise barrierefreier Wohnraum infrage. Ein Angebot, das auf dem Wohnungsmarkt ohnehin knapp ist. Hinzu kamen strukturelle Probleme: Der Vermieter weigerte sich, die Mietschuldenfreiheitsbescheinigung auszustellen. Die Beantragung von Pflegestufen und Transferleistungen geriet mehrfach ins Stocken: Zu viel Bürokratie für das überforderte Ehepaar. Es war eine Mischung zum Verzweifeln.

Über ein Jahr lang suchte das Ehepaar gemeinsam mit der Fachstelle erfolglos nach einer passenden Wohnung. Die Sorgen wurden immer größer. Mit jedem Monat schwand die Hoffnung, eine Lösung zu finden.

Erst durch die enge Zusammenarbeit mit weiteren sozialen Diensten, Behörden und Wohnungsgebern konnte schließlich eine passende Wohnung vermittelt werden. Heute haben die beiden wieder ein sicheres Zuhause und können dort ihren Alltag mit Unterstützung bewältigen.

Für die Mitarbeitenden der Fachstelle ist diese Geschichte ein Beispiel dafür, wie wichtig Kooperationen und ein funktionierendes Netzwerk sind. Denn manchmal entscheidet genau dieses Zusammenspiel darüber, ob Menschen in ihrer schwersten Lebensphase wieder Halt finden.

Ein langer Leidensweg mit Happy End

Vor drei Jahren wandte sich ein Mann an die Diakonie und bat um Hilfe. Zu diesem Zeitpunkt hatte er nahezu alles verloren: Seinen Arbeitsplatz, seine Wohnung und schließlich auch den Glauben daran, dass sich seine Situation jemals wieder verbessern könnte. Er lebte obdachlos auf der Straße und kämpfte mit einer schweren Alkoholabhängigkeit. Wichtige Dokumente besaß er nicht mehr. Polizei- und Rettungswageneinsätze gehörten zu seinem Alltag. Die Aussichten schienen hoffnungslos. Dennoch entschied sich eine Sozialarbeiterin der Fachstelle, den Weg gemeinsam mit ihm zu gehen. Fast täglich stand sie ihm zur Seite. Zunächst mussten die dringendsten Probleme gelöst werden: Neue Ausweisdokumente wurden beantragt, Behördentermine organisiert und Kontakte zu Hilfsangeboten hergestellt.

Der Weg zurück in ein geordnetes Leben verlief jedoch alles andere als geradlinig. Immer wieder gab es Rückschläge. Termine wurden verpasst, Wohnungsbewerbungen abgelehnt und Hoffnungen enttäuscht. Oft schien es, als würden Monate harter Arbeit innerhalb eines Tages zunichtegemacht. Doch weder der Betroffene noch die Fachstelle gaben auf. Nach zahlreichen Gesprächen entschied sich der Mann schließlich für einen kalten Entzug. Tag für Tag kämpfte er sich zurück. Mit jedem nüchternen Tag gewann er ein Stück Selbstvertrauen zurück und begann erstmals seit langer Zeit wieder an eine Zukunft zu glauben.

Dann kam der entscheidende Wendepunkt: Nach unzähligen Wohnungsbewerbungen erhielt er – mit Unterstützung des Wohnraummanagements von PONTIS – die Zusage für eine eigene kleine Wohnung.

Auch heute gibt es für ihn weiterhin Herausforderungen. Doch aus Hoffnungslosigkeit ist Zuversicht geworden. Aus einem Leben auf der Straße wurde wieder ein Leben mit Perspektive.

Jeder Mensch verdient eine Chance

Die beiden Geschichten zeigen, wie unterschiedlich die Wege in Wohnungsnot sein können. Sie zeigen aber auch, dass Veränderung möglich ist. „Wohnungslosigkeit hat viele Gesichter. Hinter jedem Fall stehen Menschen mit ihrer ganz eigenen Geschichte“, betont das Team der Fachstelle. Oft seien Geduld, Beharrlichkeit und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten entscheidend, um Lösungen zu finden. Seit ihrer Gründung begleitet die Fachstelle PONTIS Menschen im gesamten Landkreis Gotha durch schwierige Lebenssituationen. Die Mitarbeitenden beraten vor Ort, unterstützen bei drohendem Wohnungsverlust, vermitteln Wohnraum und koordinieren Hilfen mit Behörden und sozialen Einrichtungen. Die Erfahrungen der Fachstelle machen deutlich: Eine Wohnung ist weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Sie bedeutet Sicherheit, Würde und die Chance auf einen Neuanfang.

Kontakt: PONTIS – Kooperative Fachstelle Wohnungsnot im Landkreis Gotha, Mittelhäuser Weg 42, 99867 Gotha Telefon: (0152) 21717 799, E-Mail: pontis@diakonie-gotha.de

Fliesenstudio Arnold

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT