Oscars Danksagung: Wie Marcel Wedow den Hoteldirektor Seibicke verabschiedet

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Olaf Seibicke und Marcel Wedow (Foto: Marcel Wedow)

Olaf Seibicke, der Direktor vom Gothaer Hotel „Der Lindenhof“, wird das Hotel zum Ende Januar 2026 verlassen – nach fast 26 Jahren. Für Marcel Wedow, Kulturamtsleiter aus Bad Tabarz und Gründer der „Fussballzeitreise”-Ausstellung, ist das Grund genug für eine Danksagung, die er auf Bitte der Oscar-Redaktion verfasste.

Kennengelernt habe ich Olaf bei einer Veranstaltung unserer Talkrunde der „Fussballzeitreise” im KUKUNA in Bad Tabarz. Er war damals sehr angetan von unserem Projekt und lud uns prompt zu seinem Veranstaltungsabend mit Lothar Matthäus ein. An diesem Abend organisierte er eine Spendenaktion für unseren Verein. Es kamen unglaubliche 800 Euro zusammen.

Der Kontakt zu Olaf wurde intensiver, als sich die KUKUNA als Veranstaltungshaus mit prominenten Gästen immer mehr einen Namen machte. Olaf und ich, wir tauschten uns aus. Es gab sogar eine gemeinsame Veranstaltung mit der Schauspielerin Jutta Speidel und dem ZDF-Börsenexperten Frank Bethmann.

Was mich an Olaf beeindruckte, war seine bodenständige Art, seine Ehrlichkeit und man konnte sich auf sein Wort hundertprozentig verlassen. Olaf ist ein Macher – und ich mag Macher! Umso mehr, weil man es in der Veranstaltungsbranche sehr oft mit „Schwätzern“ und „Großmäulern“ zu tun hat. Sorry, wenn ich das so knallhart schreibe.

Am besten ist es, man verlässt sich auf ein eigenes, gut ausgewähltes Netzwerk. Das hat Olaf zweifelsfrei. Ich glaube sogar, dass sein Netzwerk mit dem eines Managers wie Uli Hoeneß vom FC Bayern München vergleichbar ist. Selbst den kennt er persönlich und trifft sich ab und an mit ihm zum Frühstück am Tegernsee.

Was unsere Freundschaft angeht: In der Corona-Zeit gründete ich mit ein paar Freunden eine Kochgruppe. Na- ja, was soll ich sagen, ich war das schwächste Glied in dieser Kochkette. Olaf konnte sich das nicht mehr mit ansehen. Er teilte mich zur Spätschicht in die Küche vom Lindenhof ein. Das Küchenpersonal dachte, dass ich bei ihnen anfangen möchte und es wurde nicht verraten, dass ich im Kuramt in Bad Tabarz arbeite. Jedenfalls durfte ich Gemüse putzen und in gleichgroße Würfel schneiden. Auch Möhren durfte ich blanchieren. Der Chefkoch beäugte mich immer sehr kritisch und bemerkte eigentlich recht schnell, dass mir jegliches Talent in der Küche fehlte. Olaf erlöste mich dann am späten Abend und alle waren erleichtert, dass ich nicht im Lindenhof als Küchenhilfe anfing.

Was mich bei meinem Spätdiensteinsatz im Lindenhof beeindruckte? Olaf kam abends in die Küche und begrüßte die ältere Frau an der Spüle zuerst, bevor er allen anderen Mitarbeitern die Hand gab.

Die Veranstaltung mit Günter Netzer und Thomas Thieme war vor wenigen Tagen seine letzte große Veranstaltung im Gothaer Lindenhof. Ich durfte noch einmal dabei sein und brachte zwei DDR-Fußball-Legenden mit. Peter Ducke und Jürgen Heun waren überwältigt von dem, wie Olaf Veranstaltungen organisiert und durchführt. Er ist nicht nur ein erstklassiger Gastgeber, er ist auch ein toller Moderator. Deshalb werde ich mit Olaf eine gemeinsame Veranstaltung im KUKUNA in Bad Tabarz 2026 planen, wo er unseren, noch ist es geheim, Stargast auf der Bühne interviewt.

Am letzten Veranstaltungsabend hielt sich Olaf Seibicke wie immer diskret zurück. Die Stars stehen bei Olaf immer im Mittelpunkt. Der Dank an sein Personal, welches er bei den Veranstaltungen immer auf die Bühne holt, sagt viel über den Menschen Olaf Seibicke aus.

Was schade ist: Gotha, besser gesagt Thüringen, verliert einen Hotelchef und Veranstalter der Extraklasse!

Beim Abend mit Thomas Thieme und Günther Netzer erwähnte Olaf Seibicke mich und sagte: „Mein Freund Marcel…“ Das war für mich ein bewegender Moment, der mich sehr stolz machte. Jemand einen Freund zu nennen, bedeutet in unserer heutigen Gesellschaft viel. Freundschaft heißt: Vertrauen, Ehrlichkeit und Respekt.

Der Verein „Fussballzeitreise” hat entschieden, dass Olaf Seibicke Ehrenmitglied wird. Nach Weltmeister Horst Eckel, Europameister Hansi Müller, der Erfurter Rot-Weiß-Legende Jürgen Heun, dem DDR-Nationalspieler Manfred Kaiser vom SC Wismut Karl-Marx-Stadt, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel und meinem Vater Karl-Heinz Wedow ist er nun das siebente Ehrenmitglied in unserer zwölfjährigen Vereinsgeschichte.

Vielleicht legt die Stadt Gotha mit einer Ehrung nach. Würde mich für Olaf sehr, sehr freuen. Er hat es verdient!

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 11 (2025)

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