Thüringens größter Apfelerzeuger zieht positive Zwischenbilanz

0
331
Michael Bley, Geschäftsführer Fahner Obst
Fliesenstudio Arnold

Herbstzeit ist Apfelzeit. Und woran denken die Menschen hier im Landkreis, wenn es um Äpfel geht? Natürlich an die Fahner Obst GmbH aus Gierstädt.

Das Unternehmen ist im Landkreis Gotha ist ein Traditionsbetrieb – und besteht aus mehreren Firmen: Auf einer Fläche von fast 1.000 Hektar erzeugen insgesamtg fünf Betriebe zwischen 20 und 25 Apfelsorten für die Absatzgesellschaft der Fahner Obst GmbH. Zu diesen Betrieben zählen die Großfahner Fruchtgarten e. G., die Döllstädter Obstgenossenschaft, die Fahner Gold e. G., die Obstgarten Orphalgrund e. G. und die Fahner Obstbau GmbH.

Eine schlechte Ernte wie 2024 nach den Ernteausfällen durch Nachtfrost im Frühjahr ist in diesem Jahr nicht zu erwarten: waren die Voraussetzungen in diesem Jahr wieder besser. „Wir befinden uns zwar nur im ersten Erntedrittel, aber unser Ziel, zehn oder elf Tonnen an Äpfeln zu pflücken, kann locker geschafft werden“, erklärte Michael Bley, Vorstand der Fahner Obst e. G. (Foto). Der Frost blieb weg, der Regen war da – das hatte positive Folgen: So erreichten die bisher begutachteten und geernteten Äpfel wieder eine angemessene Größe. „Die vergangenen Jahre waren trockener, und unsere Äpfel fielen dadurch durchschnittlich kleiner aus“, urteilte Bley.

Wirklich große Schäden erlitten nur die Apfelplantagen in Döllstädt und Tiefthal. Hier hatte Hagel im Frühjahr den Früchten geschadet. Diese Bedingungen sorgten dafür, dass ein Großteil der geernteten Äpfel als Lageräpfel eingestuft wurde. Im Gegensatz zum Industrieapfel, der an die Fahner Frucht GmbH geht und dort in der Vermostung zu Saft und anderen Produkten verarbeitet wird, ist der Lagerapfel für den Verkauf, vorgesehen, beispielsweise bei Rewe, Lidl oder Edeka. Da jede Sorte eine bestimmte Haltbarkeit hat, werde die Lagerung gestaffelt, um den Zeitraum vom Ende dieser Saison bis zum Beginn der nächsten zu überbrücken, erklärte Bley.

Noch bis Ende Oktober sind zwischen 200 und 220 Saisonarbeiter auf den Feldern unterwegs und sammeln die runden Köstlichkeiten für den Verkauf an den Einzelhandel, den Direktverkauf in Gierstädt oder die Mosterei.

Beliebt sei in diesem Jahr besonders die Sorte Kanzi, so Bley. Sie liegt bei den Abnehmern sehr im Trend und wird aufgrund ihres geschützten Markennamens als „Clubsorte“ bezeichnet.

Seit dem 4. September hat zudem die „Selbstpflücke“ in Gierstädt und Döllstädt geöffnet. Mit Wäschekorb, Eimer oder anderen Behältnissen bewaffnet, können sich Besucher hier ihre Äpfel selbst aussuchen. „Unsere ‚Selbstpflücke‘ ist ganz gut angelaufen. Es kann sich nur steigern“, sagte der Vorstand. Das liege vor allem daran, dass nicht nur die Fahner Obst mit einer reichen Apfelernte gesegnet ist. „Die Privat- und Kleingärten hängen alle voll. Potenzielle Kunden verbrauchen erst diese Früchte und kommen dann zu uns.“ So blickt er auch auf die Verkäufe bei der anstehenden Apfeltheke zum Erntefest in Gierstädt am 27. und 28. September.

Bleibt an dieser Stelle ein Blick auf den Weg des Industrieapfels. Diese Kategorie Apfel zeichnet sich durch großflächigere Schäden aus, etwa durch Sonnenbrand. Bei der Fahner Frucht machen die Äpfel zuerst in den beiden Silos Halt. Von dort aus gelangen sie in die Sortieranlage und werden weitergeleitet in eine Bucher-Presse. „Pro Stunde können wir damit zehn Tonnen an Äpfeln auspressen“, sagte Florian Steinbrück, Geschäftsführer der Fahner Frucht. Das ist auch notwendig, da sich nicht nur die Zulieferung an Industrieäpfeln erhöht hat. Eine enorme Zunahme ist auch beim Lohnmost zu verzeichnen. „Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 45 Tonnen von Privatleuten angeliefert. Jetzt kommen wir auf ungefähr 20 Tonnen pro Tag.“ Auch ad-hoc-Ernten waren in den vergangenen Monaten immer wieder notwendig. „Die Hagel- und Sonnenbrandschäden erforderten eine schnelle Ernte einiger Felder, damit die Äpfel noch nutzbar gemacht werden konnten“, so Steinbrück. Das lastete sein Team von rund 30 Angestellten stark aus.

Für die Saison 2025 erwartet der Geschäftsführer die Verarbeitung von rund 1.300 Tonnen Bioäpfeln und 2.000 Tonnen konventionellen Früchten. Dabei sei nur ein Ziel vorgesehen: das Füllen der Tanklager. „Wir haben hier ein Volumen von drei Millionen Litern.“

Bevor der Apfelsaft seinen Weg aus der Presse in den Tank findet, durchläuft er den Separator, in dem Trub und Saft getrennt werden. Zum Schluss wird die Flüssigkeit zur Sterilisation auf 90 Grad Celsius erhitzt. „Aus den Tanks können wir je nach Bestellung Saft abnehmen und zu dem gewünschten Produkt verarbeiten“, erklärte Steinbrück. Und davon bietet die Fahner Frucht nicht wenig an: Es gibt Direktsaft, Fruchtsaft, Nektar, Weine und Likör. Ein Kassenschlager sei – neben dem klassischen Direktsaft – zudem der Glühwein. Ab dieser Woche steht er bereits in den Regalen des Einzelhandels.

Übrigens: Die letzte Rekordernte gab es im Jahr 2018. Ob es in diesem Herbst ähnlich viel oder gar noch mehr zu ernten gibt, wird sich zeigen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT