Im September ist Schauspielerin Lea Drinda („In die Sonne schauen“) in zwei sehr unterschiedlichen Produktionen zu erleben. Sie verkörpert die Journalistin Bea in der in einem dystopischen Berlin angesiedelten Vampir-Serie „City of Blood“, die ab 16. September auf Disney+ gestreamt werden kann. Am 17. September startet die schwarze Komödie „Kalter Hund“ im Kino, in der die 25-jährige eine Hauptrolle neben Corinna Harfouch spielt. Ein Gespräch.
von André Wesche
Frau Drinda, sind Sie mit der „Twilight Saga“ aufgewachsen?
Ich erinnere mich daran, dass ganz viele Mädchen um mich herum auf Busfahrten darüber sprachen, als ich noch zur Schule ging. In meinem Haushalt waren wir aber eher auf Sonntagsmärchen und alte DDR-Filme limitiert. Deswegen ist „Twilight“ eher an mir vorbeigegangen, auch wenn ich es mitbekommen habe.
Wovon geht Ihrer Meinung nach die Faszination und die Sexyness aus, die man Vampiren zuschreibt?
Die meisten Fabelwesen sind optisch doch anders als der Mensch selbst. Beim Vampir ist es aber so, dass er in erster Linie aussieht wie wir. Die Fähigkeiten, die er hat, finden hinter der Fassade statt. Das ist wahrscheinlich ein faszinierender Punkt: Dass man das Menschliche noch entdecken kann, aber trotzdem übermenschliche Kräfte mit im Spiel sind.
Mochten Sie den unromantischen, eher düsteren Ansatz von „City of Blood“?
Mir persönlich hat das sehr gefallen. Das entspricht eher meinem Geschmack, als dass man diese Fabelwesen als sexy und romantisch darstellt. In der politischen Welt der Serie und der dystopischen Lage Berlins wäre es nicht besonders logisch gewesen, wenn die Vampire nur schön und sexy gewesen wären. Es hat sich sehr gut ineinandergefügt, die Brutalität dieser Wesen darzustellen.
Sie haben bereits bei „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ mir Regisseur Philipp Kadelbach zusammengearbeitet. Haben Sie trotzdem noch ein Casting bestritten?
Ja, ich war im Casting. Es gab da aber bereits ein großes beiderseitiges Vertrauen. Philipp wusste ja schon, wie er mit mir arbeiten und wie er mich inszenieren kann. Es gab bereits eine Beziehung. Es hilft natürlich wahnsinnig, wenn man sich nicht erst kennenlernen muss und deshalb den Fokus auf noch konkretere, präzisere Arbeit legen kann, anstatt sich Stück für Stück anzunähern. Trotzdem bin ich durch den Casting-Prozess gegangen – und das zurecht. Immerhin ist das nicht nur von mir abhängig, sondern auch vom Zusammenspiel mit Soma Pysall, meiner Schwester innerhalb der Serie. Wir mussten als Duo funktionieren. Soweit ich mich recht entsinne, war Soma vor mir besetzt. Dementsprechend war das sehr stark davon abhängig, ob ich mit ihr funktioniere. Das habe ich aber, glücklicherweise.
In der Serie, die in einer nicht allzu fernen Zukunft spielt, ist der Klimawandel vorangeschritten. Ist das ein Thema, das Sie auch persönlich umtreibt?
Ja, klar. Allein wenn man sich anschaut, was dieses Jahr alles passiert. Die Temperaturen in Europa steigen und neulich gab es die schreckliche Sintflut in Nepal. Es ist nicht so, als wäre Klimawandel irgendein abstraktes Thema. Er ist sehr nah an unserer Realität und beschäftigt wahnsinnig viele von uns. Inwiefern kann sich das auf eine Gesellschaft auswirken? Es ist natürlich eine Dystopie, die wir erzählen. Eine mögliche Prognose, wenn auch Fiktion: Dass es zu einem immensen Ungleichgewicht innerhalb einer Gesellschaft kommen könnte, mit einer Zweiklassengesellschaft, in der die Reichen sich ein klimatisiertes Leben leisten können und die Armen eben nicht. Wie das einen auseinandertreibt, finde ich hochaktuell.
Sie spielen eine Journalistin. Was für Erfahrungen haben Sie bisher mit der Presse gesammelt?
(lacht) Bea ist Journalistin, ja. Das lässt sich auch daran spüren, dass sie immer auf der Suche nach dem Kernpunkt, nach der Wahrheit ist. Sie hört nicht auf, bis sie verstanden hat, was vor sich geht. Bis sie mit ihrer Schwester entdeckt, dass es Vampire in dieser Gesellschaft gibt, die die Macht über die Menschen haben. Die Menschen sind sich gar nicht darüber bewusst. Gleichzeitig ist dieser Aspekt, dass sie Journalistin ist, beim Spielen sehr schnell weggerutscht. Ich musste mich manchmal daran erinnern, dass sie auch einen Job hat. Sie ist nicht nur wild mit ihrer Schwester unterwegs und auf der Suche nach der Wahrheit in dieser absurden, dystopischen Welt. Ich kann das total gut nachvollziehen. Ich bin auch jemand, der sehr neugierig ist und den Wunsch hat, zu verstehen, was um mich herum passiert. Da haben wir sicher etwas gemeinsam.
Sind Sie Blutspenderin?
Nein, ich darf tatsächlich kein Blut spenden. Es gibt ein Mindestgewicht von 50 Kilo. Diese Grenze schaffe ich nicht. (lacht) Deswegen darf ich nicht spenden, leider.
Ein völlig andersgeartetes Projekt ist der Kinofilm „Kalter Hund“, der am 17. September startet. Was für eine Erfahrung war dieser Dreh?
Ja, das war verrückt. Wir haben chronologisch gedreht. Das gibt es in unserer Filmwelt eigentlich nie, normalerweise ist das motivabhängig. Man dreht erst das Ende und dann den Anfang einer Serie oder eines Filmes. Hier war es so, dass wir Szene für Szene durchgespielt haben, als wäre es real. Dazu kam, dass es improvisiert war. Es gab eine Outline und bestimmte Punkte, die man innerhalb einer Szene erreichen musste, damit die Geschichte funktioniert. Aber alles andere war improvisiert. Dann waren es auch einfach grandiose Leute. Endlich mit Corinna Harfouch spielen zu können, war wie ein Ritterschlag. Ich habe mich auch gut mit der Regisseurin Pauline Roenneberg verstanden. Ich bin mit ihr immer noch im engsten Austausch und freue mich wahnsinnig über diesen menschlichen Gewinn, den ich während dieses Projektes machen durfte.
Schauen Sie Schauspielerinnen wie Jördis Triebel aus „City of Blood“ oder Corinna Harfouch bei der Arbeit zu, um zu lernen?
Ja, na klar. Ich bin eine ungelernte Schauspielerin und nie auf eine Schauspielschule gegangen. Das bedeutet, dass mein Lernprozess an jedem Tag, wo ich arbeite und mit jeder Person, der ich begegne und die ihren eigenen Ansatz, Charakter und Mechanismen hat, neu stattfindet. Jedes Mal, wenn ich jemanden dabei beobachten darf, lerne ich dazu. Das ist ein riesiges Geschenk. Ich arbeite jetzt seit einer Weile und habe so viele tolle Leute beobachten und so viel lernen dürfen. Es ist auch sehr zufriedenstellend für mich persönlich, zu merken, dass ich mich weiterentwickle. Von Projekt zu Projekt gewinnt man an Kenntnis und an Fähigkeit.
Hatten Sie schon beim Dreh von „In die Sonne schauen“ das Gefühl, an etwas Besonderem mitzuwirken?
Tatsächlich bereits weit vor dem Dreh. Ich habe das Drehbuch gelesen und war hin und weg. Das war wirklich der Wahnsinn. Ich habe es zu einer Zeit gelesen, in der ich bereits mitten in einem anderen Dreh war und eigentlich gar nicht die Kapazität hatte, mich mental auf etwas Neues einzulassen. Dann kam aber dieses Drehbuch. Ich habe es aufgeschlagen und es nicht mehr bei Seite gelegt, bis ich es durchhatte. Ich habe sofort eine Verbindung zur Regisseurin Mascha Schilinski und auch zur zweiten Autorin Louise Peter gespürt. Sie konnten diese Gefühle mit so einer Präzision und Hingabe in Bildern beschreiben. Deswegen war mir schon vor dem Dreh klar, dass das etwas ganz Eigenes und Besonderes wird.
Sie haben auch spanische Wurzeln. Strecken Sie die Fühler auch nach spanischsprachigen Projekten aus?
Ehrlich gesagt nicht. Ich bin aktuell einfach froh, in Deutschland zu arbeiten. Ich habe das Glück, viele schöne Projekte machen zu dürfen. Ich bin auch so gut beschäftigt, dass ich gar nicht viel suchen muss. Aber ich liebäugele natürlich schon seit längerem mit der Idee, das mal auszuprobieren. Wobei es auch eine Angst zu überwinden gibt. Ich habe zwar mal auf Englisch gespielt, aber auf Spanisch noch nicht. Ich weiß gar nicht, wie das sein würde.
In der Beatles-Serie „Hamburg Days“ haben Sie die Rolle Ihrer Kollegin Luna Jordan übernommen, die im Mai verstorben ist.
Ich habe sofort Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ich finde es immer noch schockierend. Es war auch kein Leichtes, sich dieser Aufgabe anzunehmen. Sie hat mich jeden Tag gedanklich und im Herzen begleitet. Das Team war aber so herzlich und es gab ein so warmes Miteinander, dass es dann doch eine positive Erfahrung wurde. Solche Sachen passieren, das ist ein Teil unseres Lebens. Das kann man natürlich verdrängen, aber ich weiß nicht, ob das gesund wäre. Dann bei herzlichen Menschen aufgenommen zu werden und zu spüren, dass es einen auch näher zueinander bringt, war toll.
Sie wirken sehr jung. Bekommen Sie noch Angebote für Teenagerrollen?
(lacht) Ja, die lehne ich mittlerweile aber meistens ab. Auch wenn das Gesicht vielleicht noch jung wirkt, habe ich mittlerweile ein paar Jahre mehr erlebt. Ich kann mich gar nicht mehr in dieser Form in eine 16-jährige versetzen. Ich freue mich sehr, dass ich auch mal Rollen erwachsener Frauen angeboten bekomme und nicht nur Mädchen. Deswegen war „City of Blood“ auch so toll für mich, da Bea ebenfalls genau diesen Prozess durchmacht. Sie wird erwachsen und trifft gegen Ende wahnsinnig reife Entscheidungen. Es war herausfordernd, das endlich spielen zu dürfen, weil ich so etwas noch nie zuvor getan hatte. Gleichzeitig war es sehr symbiotisch, weil meine eigene Erfahrung in der Rolle widergespiegelt wurde. Wir durften diesen Schritt, für uns ein- und geradezustehen und die Sachen so hinzunehmen, wie sie manchmal eben sind, gemeinsam gehen.
Wird die Serie „Where’s Wanda?“ weitergeführt, in der Sie die Titelrolle verkörpern?
Wir haben die zweite Staffel schon gedreht. Sie kommt noch dieses Jahr heraus.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 9 (2026)























