Vor der Wahl: Gespräch mit Bad Tabarzer Bürgermeister David Ortmann

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David Ortmann (Foto: privat)

David Ortmann wurde vor knapp zwölf Jahren Bürgermeister von Tabarz. Die 4.000-Einwohner große Gemeinde zählte damals zu den höchstverschuldeten Orten in Thüringen, das Spaßbad TABBS war in Insolvenz, zahlreiche soziale Einrichtungen standen auf der Kippe, der Kurortstatus war in Gefahr. Am 6. September steht der Amtsinhaber wieder zur Wahl. Grund genug für ein kurzes Gespräch.

von Maik Schulz

Herr Ortmann, wir reden nicht drumherum: die Entwicklung der Gemeinde ist positiv. Sie haben keinen Gegenkandidaten. Es ist langweilig in Bad Tabarz geworden.

Wie meinen Sie das? Wir werden von unseren Gästen für unser kulturelles Angebot, die Infrastruktur und die Lebensqualität sehr gelobt.

Keine Frage: Ich meinte eher die politische Auseinandersetzung. Dabei war Kommunalpolitik in Bad Tabarz früher durchaus unterhaltsam. Ich habe ja selbst die eine oder andere Diskussion geleitet…

Es ist richtig. Eine Wahl ohne Gegenkandidaten hat einen Makel. Die Bürgerinnen und Bürger wünschen sich doch den Wettbewerb? Aber das kann ich nicht ändern. Schließlich war seit sechs Jahren klar, dass 2026 Bürgermeisterwahlen sind.

Ja, aber früher sind auch zwischen dem Bürgermeister und dem Gemeinderat die Fetzen geflogen!

Oh! Die fliegen auch heute noch. Kommen Sie doch mal zu einer unserer Gemeinderatssitzungen. Die sind nicht immer kuschlig. Auch nach zwölf Jahren nicht. Es gibt oft unterschiedliche Ansichten, die mitunter sehr deutlich vertreten werden. Aber es gibt auch einen Konsens: Das Wohl des Ortes steht über allem. Nicht der Einzelne. Es gibt einen Zusammenhalt für die positive Entwicklung des Ortes. Ich glaube, das wünschen sich die Leute auch von der Bundespolitik.

Gilt das auch, wenn es mal nicht so läuft? Sie sind ja noch nicht über den Berg. Beim Jugendclub zum Beispiel. Der sollte ja schon längst fertig sein.

Ja, das gilt auch dann. Ich wusste ja nicht, dass bei Ihnen immer alles läuft wie geplant? Dass sich immer alles so fügt, wie Sie es wollen? Es beginnt ja bereits im Kindesalter: Wenn Sie damals gebastelt haben, sah denn am Ende immer alles so aus, wie Sie es sich vorgestellt hatten? In der Schule: Bekamen Sie denn immer eine Eins, wenn Sie zuvor gelernt hatten?

Nein. Eher nicht. Und das wissen Sie als Alt-Redaktionsleiter unserer Zeitung ja selbst am besten…

Eben! Fragen Sie mal einen Unternehmer oder Entwickler. Ich kenne keinen, bei dem immer alles beim ersten Mal funktionierte. So ist es in der Politik auch. Manches dauert länger. Manches läuft anders als gedacht. Wichtig ist, dass wir ehrlich dafür arbeiten, damit wir unsere Ziele erreichen. Zum Jugendclub: Wir haben den TEGUT-Markt gekauft. Wir haben bereits den Bauantrag gestellt – und am 1. September kommen die Vertreter des Infrastrukturministeriums. Dann reden wir über die Fördermittel. Außerdem wird uns keiner absprechen, dass wir das Thema ernst nehmen. Bad Tabarz zählt zu den wenigen Gemeinden in Deutschland, die das Siegel „Kinderfreundliche Kommune” tragen.

Worauf sind Sie stolz?

Auf die Teamleistung zwischen Verwaltung, Gemeinderat und Bürgermeister, die dazu führte, dass wir in den vergangenen Jahren über vier Millionen Euro Schulden abtragen konnten und zur selben Zeit 26 Millionen investierten. Darauf, dass wir trotz klammer Kassen ein herausragendes Kulturangebot haben. Das unsere jährlichen Übernachtungszahlen seit 2013 von 172.000 auf über 230.000 angewachsen sind. Darauf, dass wir viele Tagesgäste haben. Bad Tabarz ist gut besucht. Das war vor 15 Jahren noch anders.

In welche Projekte ist denn das ganze Geld geflossen?

Ich nenne mal die ganz großen Projekte Kinderkrippe, Kindergarten, Beräumung Batteriefabrik, Sportler-heim, Bibliothek, in den Breitband-ausbau. In Bad Tabarz liegt vor jedem Haus ein Gigabit-Netzanschluss. In die energetische Sanierung des TABBS, in oft sehr aufwändige Straßenbaumaßnahmen, auf die zum Teil seit Jahrzehnten gewartet wurde. Nur in die Kirche und das Rathaus ist bisher fast nichts geflossen. Das sieht man auch. Trotzdem: Wir müssen uns nicht verstecken.

Geht es damit nun weiter?

Das haben wir uns für die nächsten Jahre schon vorgenommen. Wichtig ist aber auch die innerortliche Begrünung. Mehr verschattete Plätze, mehr Natur, weniger Beton. Und wir wollen mit unserem Generationen-Campus und neuen Wohnbauflächen vorankommen. Wichtig ist nur: Unsere in den Ort hineinreichenden Wiesen sind tabu. Bauland wird nur auf Brachflächen entwickelt werden.
Sie hatten in den vergangenen Wochen viele prominente Politiker zu Gast. Was wollten die?
Das ist richtig. Seit Ende Juni kamen drei Bundesminister, fünf Landes­minister, der Ministerpräsident und einige Abgeordnete. Bad Tabarz ist ein interessanter Ort. Manchmal informieren sich die Politiker über aktuelle Projekte. Manchmal stehen aber auch künftige Ideen im Fokus. Ich halte beides für wichtig.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 8 (2026)

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