Die Oscar-Redaktion befragte den Bildungspolitiker und Gothaer Landtagsabgeordneten Matthias Hey aus aktuellem Anlass.
Matthias Hey, der Landtag diskutiert aufgeregt über die Zukunft von Kindergärten – warum?
Weil in den letzten Jahren noch weniger Kinder geboren wurden als befürchtet, vor allem kleine Kindergärten so nicht mehr zu halten sind und eine Schließungswelle droht.
Lässt sich das in Zahlen ausdrücken?
Ja, und die sind dramatisch: Im Vergleich zu 2019 gehen rund dreizehntausend Kinder weniger in unsere Thüringer Einrichtungen, Tendenz weiter fallend.
Und das heißt konkret?
Die Kosten für den Betrieb und das Personal bleiben gleich oder steigen, aber die Kinder werden weniger – viele Träger, von Kirche bis Kommune, können sich Kindergärten ab einem bestimmten Punkt nicht mehr leisten und schließen. Das war auch schon hier im Landkreis so und droht flächendeckend in ganz Thüringen.
Aber mal ganz ehrlich: Neue Kinder lassen sich nicht herzaubern, also lassen sich Schließungen doch gar nicht verhindern!
Es ist traurig, aber genauso argumentieren auch Politiker im Landtag. Aber auch ganz ehrlich: wenn ich alles nur schulterzuckend hinnehme und „Tja, das ist eben so!“ sage, gehöre ich eher auf die Couch, aber nicht in den Landtag.
Und was schlagen Sie vor?
Das Land finanziert die Kindergärten mit Geld pro Kind. Schon im Herbst hat meine Fraktion den Vorschlag gemacht, Kindergärten unter 51 Kindern einen Zuschlag zu zahlen, um die Belastung der Träger wegen sinkender Einnahmen bei steigenden Kosten zumindest zum Teil abfedern zu können. Unser Nachbar Bayern macht das seit etlichen Jahren und erhält damit sogar ganz kleine Kindergärten mit nur rund zehn Kindern. In allen ostdeutschen Ländern werden derzeit Rettungspakete für Kindergärten diskutiert, aus sehr wichtigen Gründen!
Und zwar?
Wir reden pausenlos darüber, Kinder und Familien zu unterstützen. Wer als Bürgermeister mit Bauland oder leerstehenden Wohnraum für den Zuzug junger Leute wirbt, gleichzeitig aber einen Kindergarten schließen muss, hat ein Problem. Oft ist der letzte Einkaufsmarkt schon seit Jahren dicht, die nächste Schule, der nächste Arzt in der Stadt, und jetzt kommt noch ein leerstehendes Kindergartengebäude dazu. Und vor allem: In unseren Kindergästen arbeitet großartiges, gut ausgebildetes Personal – es geht also auch um Arbeitsplätze.
Alle Kindergärten retten – geht das überhaupt?
Vielleicht nicht jeden einzelnen, aber wir müssen doch zumindest um jeden Kindergarten kämpfen und den Trägern dabei helfen wollen! Und da, wo wirklich geschlossen werden muss, soll Geld bereitgestellt werden, um die Gebäude der Kindergärten umbauen und anderweitig nutzen zu können.
Im Juni soll über das neue Kindergartengesetz abgestimmt werden.Beides, also mehr Geld für kleine Einrichtungen und Geld für die Umnutzung stehen da doch aber drin, also ist doch alles gut, oder?
Das wäre schön, aber jetzt kommt’s: Beide zusätzlichen Zuweisungen soll es jeweils nur für ein Jahr geben.
Wieso das denn?
Das fragen uns auch alle Experten, die den Entwurf kennen. „Kein Geld“, höre ich immer, aber mal ehrlich: In einem Land, in dem Kindergärten erfunden und zu einem weltweiten Exportschlager wurden, darf das doch nicht ernsthaft der Grund sein!
Na dann noch viel Erfolg beim Verhandeln!
Fragen: Maik Schulz
Anmerkung der Redaktion: Aktuell berät der Landtag weiter zur Novellierung des Thüringer Kindergartengesetzes, das dort im Juni während der nächsten Landtagssitzung verabschiedet werden soll.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 5 (2026)






















