Immer mehr Thüringer leiden an Schlafstörungen

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Sibylle Borchardt von der DAK-Gesundheit, Prof. Dr. Matthias Schwab, Leiter des interdisziplinären Schlaflabors am UKJ, und Dr. Gudrun Möchel vom Sozialpsychiatrischen Dienst Jena informieren über Schlafstörungen. Foto: UKJ/Schleenvoigt

Jena (UKJ). 87 Prozent der Erwerbstätigen in Thüringen berichten von Schlafstörungen. Seit 2010 ist der Anteil der von Ein- und Durchschlafproblemen betroffenen 35- bis 65-jährigen Arbeitnehmer um 109 Prozent angestiegen. Schwere Schlafstörungen haben sich seit 2010 ebenfalls mehr als verdoppelt (plus 113 Prozent). Jeder zehnte Arbeitnehmer (10,2 Prozent) in Ostdeutschland leidet unter schweren Schlafstörungen (Insomnien) mit Ein- und Durchschlafstörungen, schlechter Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung. Dies ist das Fazit des aktuellen Gesundheitsreports der DAK-Gesundheit, der heute (28.9.) am Universitätsklinikum Jena (UKJ) vorgestellt wurde. Die Kasse hat das Thema der nächtlichen Erholung in den Mittelpunkt ihrer diesjährigen Analyse gestellt hat.

Für das Schwerpunkthema wertete das IGES Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Thüringen aus. Es wurden zudem bundesweit mehr als 5000 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt und zahlreiche Experten eingebunden. Die Ergebnisse wurden mit einer DAK-Untersuchung aus dem Jahr 2010 verglichen. „Wir informieren nicht nur regelmäßig über den Krankenstand in Jena, sondern schauen darüber hinaus auf wichtige Einflussfaktoren für Erkrankungen“, sagt Sibylle Borchardt von der DAK-Gesundheit. „Diese Analysen helfen uns, noch gezielter beim betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) ansetzen zu können und Arbeitgebern konkret Hilfe anzubieten.“

Prof. Dr. Matthias Schwab, Leiter des interdisziplinären Schlaflabors am Universitätsklinikum Jena (UKJ), betreut jedes Jahr rund 800 Betroffene im Schlaflabor. Hierher kommen vor allem Patienten, die schnarchen. „Geht das Schnarchen mit Atemaussetzern einher, gelangt zu wenig Sauerstoff ins Blut und der Körper erholt sich nicht richtig. Tagsüber sind die Betroffenen müde und langfristig kann es beispielsweise zu Herzerkrankungen kommen“, erläutert Prof. Schwab. Schlafstörungen können jedoch unter anderem auch mit Demenz, nächtlichem Asthma, Depressionen, Angst, nächtlichem Zähneknirschen oder Muskelerkrankungen wie ALS in Verbindung stehen. Der Neurologe empfiehlt, Schlafstörungen über mehrere Wochen zu beobachten und in einem Schlaftagebuch festzuhalten – mit den Zeiten des Einschlafens, Aufwachens und den Phasen des Wachliegens. „In unserer Schlafsprechstunde am UKJ ist ein solches Schlaftagebuch dann sehr hilfreich für die Diagnostik“, so Prof. Schwab.

Die DAK-Analyse für Thüringen zeigt jedoch, dass die große Mehrheit der Betroffenen nicht zum Arzt geht. Lediglich 3,3 Prozent der Erwerbstätigen waren im vergangenen Jahr wegen Schlafstörungen in Behandlung. Im Bundesdurchschnitt sind es 4,8 Prozent. Selbst Erwerbstätige mit der schweren Schlafstörung Insomnie gehen meist nicht zum Arzt: 70 Prozent von ihnen lassen sich nicht behandeln. Dabei existieren medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapien, um die Schlafprobleme in den Griff zu bekommen. Schnarchen und schlafbezogene Atemstörungen ließen sich beispielsweise durch kieferorthopädische oder auch HNO-ärztliche Behandlung therapieren, so Prof. Schwab. Manchen Patienten helfe auch eine sogenannte Überdruckbeatmung. „Generell ist es empfehlenswert auf Schlafrituale und eine gesunde Schlafumgebung zu achten.“

Denn viele Arbeitnehmer beeinflussen ihren Schlaf laut Studie der DAK-Gesundheit selbst negativ. Demnach schauen 82 Prozent der Erwerbstätigen vor dem Einschlafen Filme und Serien, 73 Prozent erledigen abends private Angelegenheiten an Laptop oder Smartphone. Jeder zwölfte Thüringer kümmert sich noch um dienstliche Dinge wie E-Mails oder die Planung des nächsten Arbeitstages. „Viele Menschen haben nachts das Smartphone an der Steckdose, können aber ihre eigenen Akkus nicht mehr aufladen“, so Borchardt. „Die Beschwerden müssen ernst genommen werden, da chronisch schlechter Schlaf der Gesundheit ernsthaft schaden kann.“

Auch die Arbeitsbedingungen zählen zu den Ursachen für Schlafprobleme. Wer zum Beispiel häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, steigert sein Risiko, schwere Schlafstörungen zu entwickeln. Auch starker Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachtschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend gelten in diesem Zusammenhang als wichtige Risikofaktoren.

Als Reaktion auf die aktuelle Studie und die zunehmenden Schlafstörungen bietet die DAK-Gesundheit ihren Versicherten ab sofort eine spezielle Schlaf-Beratung an: Die neue Hotline ist rund um die Uhr erreichbar. Unter der Rufnummer 040 325 325 805 geben Mediziner individuelle Hinweise und Tipps rund um die Themen Schlafen und Schlafstörungen. Im Internet bietet die DAK-Gesundheit auch ein umfangreiches Schlaf-Special an: Auf  gibt es viel Wissenswertes rund um das Thema gesunder Schlaf sowie ein Schlaftagebuch.

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