Klimawandel in Jena spürbar

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Springbrunnen im Gebiet Jena-Paradies, aufgenommen am 28.06.2011. Foto: Zoe Greta Fischer/FSU

Wirtschaftsgeographin Dr. Susann Schäfer von der Universität Jena präsentiert Ergebnisse der Studie „Klimaoasen im urbanen Stadtraum Jenas“

Jena (tbx/FSU) Steigende Temperaturen, extreme Dürre und kein Ende in Sicht. Für viele Bürgerinnen und Bürger war der Ausnahmesommer 2018 ein Indiz dafür, dass die globale Erderwärmung in Deutschland spürbar geworden ist. Auch die Einwohner Jenas empfinden die Sommerzeit als heißer im Vergleich zu früher. Eine Mehrzahl gibt zudem an, dass die hohen Temperaturen ihr Wohlbefinden negativ beeinflussen. Das hat eine von Dr. Susann Schäfer geleitete Studie herausgefunden. Per Zufallsprinzip wählte die Wirtschaftsgeographin der Universität Jena im Juni dieses Jahres zahlreiche Jenaer Haushalte in den besonders von Hitzeentwicklung betroffenen Stadtteilen Jena-Zentrum, -West und –Nord für ihre Befragung aus. Die Ergebnisse stellte sie auf einer Pressekonferenz gemeinsam mit Vertretern der Stadt Jena vor, die die Studie in Auftrag gab.

Ausbau von Klimaoasen wird befürwortet

„Eine Strategie, mit der man der Hitze entgegenwirken kann, ist der Ausbau von Klimaoasen“, erklärt Schäfer. Damit sind städtische Park- und Grünflächen gemeint, welche die Temperatur regulieren und darüber hinaus noch weitere Vorteile besitzen: Sie verbessern die Luftqualität, schützen gegen Lärm und dienen als soziale Treffpunkte sowie Orte der Erholung. Ihre Bedeutung spiegelt sich in den Antworten der Befragten wider: Die gaben an, dass sie die Grünanlagen in Jena tendenziell mehrmals pro Woche besuchen und einen Ausbau mehrheitlich befürworten. Von einem Ausbau würden insbesondere Bürgerinnen und Bürger aus Jena-Nord profitieren, die nach eigenen Angaben eher lange Wege zur nächsten Grünfläche zurücklegen müssen.

Weil die Befragten die Klimaoasen für verschiedene Zwecke nutzen, bevorzugen sie Vielfalt in der Gestaltung. Besonders häufig wünschen sie sich Sitz- und Spielgelegenheiten sowie Schatten spendende Bäume. Die Studie konnte zudem die Lieblingsorte der Jenaer im Sommer ermitteln: Klarer Sieger ist dabei der Paradiespark, gefolgt vom Camsdorfer/Wenigenjenaer Ufer und dem Lommerweg an der Leutra.

Befragung stößt auf großes Interesse

Susann Schäfers Studie geht auf eine Idee ihrer Studentin Sophie Köhler zurück, die nach einem Praktikum in der Stadtverwaltung ihre Bachelor-Arbeit zum Thema Park- und Grünanlagen in Jena geschrieben hat. Durch das Interesse der Stadt wurde die Befragung, die der Abschlussarbeit zugrunde liegt, ausgeweitet. Vier weitere Studierende des Faches Geographie unterstützten Schäfer und Köhler bei den Befragungen, für die insgesamt 250 Fragebögen verteilt wurden. Die Resonanz in der Bevölkerung war enorm: „So viel Rückmeldung habe ich bei einer Studie noch nie erhalten. Ich wurde sogar von Bürgern angerufen, die teilnehmen wollten, obwohl sie gar nicht ausgewählt worden sind“, erzählt Schäfer. Daran zeige sich einerseits die Relevanz des Themas, andererseits der Wunsch der Jenaer Bürger, an der Gestaltung ihrer Stadt teilzuhaben.

Susann Schäfer hofft nun, dass die Stadt Jena die Interessen der Bevölkerung, die in der Studie zum Ausdruck kommen, bei künftigen Planungen berücksichtigt. Sie ist zuversichtlich, dass dies gelingen kann, weil sich die Stadtverwaltung der Herausforderung des Klimawandels bewusst sei. Man treffe sich dort regelmäßig zu dem Thema und sei offen für Meinungen von außen. „Auch auf Landesebene gibt es immer mehr Initiativen, die die Anpassung an den Klimawandel fördern“, lobt Schäfer das wachsende Bewusstsein in der Politik. Die Schwierigkeit liege oftmals darin, einen sinnvollen Kompromiss mit anderen Anforderungen in der Verkehrs- oder Wohnungspolitik zu finden.

Original-Publikation: Schäfer, Susann: Klimaoasen im urbanen Stadtraum Jena. Bürgerbefragung zu urbanen Grün- und Parkanlagen, Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena 2018

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