Uni Jena: Neuer Professor für Sportpsychologie ist da!

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Prof. Dr. Rouwen Canal-Bruland, Institut für Sportwissenschaft, Arbeitsbereich Sportpsychologie an der Friedrich-Schiller-Universität, aufgenommen in Jena am 16.11.2016. Foto: Anne Günther/FSU
Prof. Dr. Rouwen Canal-Bruland, Institut für Sportwissenschaft, Arbeitsbereich Sportpsychologie an der Friedrich-Schiller-Universität, aufgenommen in Jena am 16.11.2016. Foto: Anne Günther/FSU
Prof. Dr. Rouwen Canal-Bruland, Institut für Sportwissenschaft, Arbeitsbereich Sportpsychologie an der Friedrich-Schiller-Universität, aufgenommen in Jena am 16.11.2016. Foto: Anne Günther/FSU

Rouwen Cañal-Bruland ist neuer Professor für Sportpsychologie der Universität Jena

Die Chance des Torwarts beim Elfmeter

Jena (sh/FSU) Wie hält man eigentlich einen Elfmeter? Diese Frage stellen sich Torhüter und wahrscheinlich auch Fußballfans weltweit regelmäßig. Antworten darauf könnten aus der Wissenschaft kommen – etwa von Prof. Dr. Rouwen Cañal-Bruland von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der 38-Jährige hat in diesem Wintersemester die Professur für Sportpsychologie übernommen. Seine Forschung beschäftigt sich vor allem mit der Verbindung von motorischen und kognitiven Lernprozessen und Leistungen.

„Ein Torwart kann unterschiedliche Informationen nutzen, um zu entscheiden, wohin er am besten springen sollte: Zum Beispiel kann er durch Erfahrungswerte wissen, welche Richtung der Schütze bevorzugt – wie etwa Jens Lehmann durch den berühmten Zettel im Viertelfinale der Weltmeisterschaft 2006“, erklärt Cañal-Bruland. „Zum anderen lässt sich der Elfmeter aber auch aus der Körperhaltung, der Anlaufbewegung und ähnlichen physischen Anzeichen des Schützen lesen.“ Der Jenaer Professor beschäftigt sich vor allem mit Letzterem – und das nicht nur im Fußball. „Ich gehe der Frage nach, welche Informationen für die Steuerung unseres Bewegungsverhaltens relevant sind und wie wir diese aufnehmen und verarbeiten“, informiert er.

Kenntnisse über Bewegungsabläufe lassen „Schwalben“ besser erkennen

Beim Tennis etwa können Experten anhand von Bewegungsmerkmalen während des Aufschlags genau erkennen, in welche Richtung der Ball geschlagen wird. Um sich diese Fähigkeit anzutrainieren, hilft es, den Bewegungsablauf genau zu beobachten – beispielsweise durch Videoanalysen.

„Sich eine solche Sequenz mehrfach anzuschauen, reicht aber alleine nicht aus. Man muss lernen, die Körperteile zu identifizieren, die für eine erfolgreiche Vorhersage ausschlaggebend sind“, erklärt der neue Sportpsychologe der Uni Jena. „Das ist eine kognitive Leistung.“ Während solcher Studien markierten die Wissenschaftler die entscheidenden Bereiche oder blendeten die irrelevanten am Bildschirm einfach aus. Beispielsweise kann die Blickrichtung des Aufschlagenden irreführen, so dass man dem Kopf keine Aufmerksamkeit schenken sollte. Doch nicht nur Sportler profitieren von dieser Fähigkeit, motorische Prozesse zu erkennen und somit Vorhersagen über Bewegungen eines Gegenspielers treffen zu können. Auch Schiedsrichter können ihre Entscheidungsleistung verbessern, wenn sie mit den üblichen Bewegungsabläufen besser vertraut sind. Schwalben lassen sich besser erkennen, wenn man eine natürliche von einer unnatürlichen Fallbewegung unterscheiden kann.

Rouwen Cañal-Bruland untersucht dabei außerdem, ob sich diese Fähigkeiten nicht nur durch konzentriertes Beobachten herausbilden und nahezu automatisieren lassen, sondern ob sie auch durch eigene Bewegungserfahrungen begünstigt werden. „Ein Fußballer etwa, der lange Zeit als Stürmer gespielt hat und dann auf die Verteidigerposition gerückt wird, hat möglicherweise Vorteile, die Reaktion seines Gegenspielers vorauszusagen“, erklärt er. Studien in dem Bereich ließen diese Vermutung zu, weitere Forschung ist aber notwendig.
Und diesen will sich der gebürtige Münsteraner, der übrigens selbst lange Zeit leistungsorientiert Fußball gespielt hat, nun widmen.

Nach seinem Sportstudium in Münster hat er acht Jahre lang an der Freien Universität Amsterdam gearbeitet. In Jena will er die Forschung auf diesem sehr weitverzweigten Feld nun intensivieren und eine Forschungsgruppe mit dazugehörigem Labor aufbauen. Wichtig ist ihm dabei, eng vernetzt mit anderen Disziplinen zu arbeiten, denn sportpsychologische Erkenntnisse finden bei weitem nicht nur im Leistungssport Anwendung. „Ich bin in Jena sehr gut aufgenommen worden und habe zum Beispiel gleich Kontakte zur Trainingswissenschaft, Sportmedizin und Psychologie aufgebaut, um mögliche gemeinsame Projekte und das Potenzial von Synergieeffekten auszuloten“, sagt der neue Sportpsychologieprofessor.

Doch nicht nur an der Uni auch in der Stadt ist Rouwen Cañal-Bruland gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter gut angekommen. Sportlich hat er sich bereits auf seine neue, hügeligere Umgebung eingestellt: „Kurz nach dem Umzug habe ich erst einmal ein neues Fahrrad gekauft – mit Gangschaltung.“

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