Spätes Veilchen für die Gäste – Science City feiert spektakuläres Comeback

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Einen gleichermaßen spektakulären wie spät verdienten 103:92-Sieg gegen die BG Göttingen feierten Jenas Erstliga-Riesen am Samstagabend vor 2128 Zuschauern in der Jenaer Sparkassen-Arena. Das Team von Trainer Björn Harmsen bezwang die Niedersachsen nach einem unglaublichen Schlussviertel, drehte dabei einen 65:73-Rückstand durch ein atemberaubendes Offensiv-Feuerwerks in den letzten zehn Minuten.

Straffe 38 Punkte schenkten die Saalestädter der Mannschaft von Trainer Johan Roijakkers nach der letzten Viertelpause ein, kippten eine Partie, in der die fast konstant hochprozentig treffenden Gäste oftmals auch mit Fortuna im Bunde zu sein schienen. Während man dem Jenaer Kader seine verletzungsbedingt deutlich eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten der letzten Tage vor allen im der ersten Hälfte anmerkte, gaben sich die Thüringer zu keiner Phase auf, blieben jederzeit in Schlagdistanz und belohnten sich schlussendlich mit einem enorm wichtigen Sieg, der den Weg zum Klassenerhalt endgültig geebnet haben sollte. Von Topscorer Martynas Mazeika mit 25 Punkten angeführt, brillierten in der entscheidenden Phase vor allem Jenas Routiniers, die ihre ganz eigene Ü30-Party veranstalteten und so eine drohende Heimniederlage abwenden konnten.

Dabei verlief der Beginn des munteren Schlagabtauschs aus Sicht der Saalestädter zunächst eher suboptimal. Zu stark waren die Göttinger aus dem Startblock gekommen, fanden früh ihren Rhythmus, um die unter der Woche verletzungsbedingt nur mit Standgas fahrenden Gastgeber auf Distanz zu halten. Vor allem die Dreier-Fraktion der Südniedersachsen war in der Anfangsphase kaum zu stoppen, drückt mehrfach erfolgreich von der 6,75m-Linie ab und der Partie ihren Stempel auf. Science City, nach Dominik Lockharts Distanzwurf zum 10:22 (6.) um Antwort bemüht, schaffte es immerhin in statistischer Sichtweite zu bleiben und verkürzte nach einem Dreier des stark startenden Julius Wolf auf 22:25 (9.), bevor es mit dem Score von 22:27 in die erste Viertelpause ging.

Dafür startete Science City Jena deutlich erfolgversprechender in den zweiten Abschnitt. Nach sechs Zählern die Begegnung kurzzeitig kippend, hatte das Harmsen-Team in Folge eines Wurfes von Kapitän Derrick Allen zum 28:27 die Nase kurz vorn, um anschließend wieder den eher defensiveren Part übernehmen zu müssen. Dennoch bewegten sich beide Kontrahenten auf Augenhöhe, ließen kaum Luft an die bis zur Halbzeit eng umkämpften Zwischenstände. Während Martynas Mazeika gut eine Minute vor der Halbzeitpause auf 43:44 verkürzte, Michael Stockton vor den Augen seines Vaters, NBA-Legende John Stockton, 29 Sekunden vor der Sirene auf 43:47 konterte, war der Vorhang des letzten Aktes noch nicht gefallen. So verwertete Derrick Allen ein Anspiel von Immanuel McElroy mit neun Sekunden Restspielzeit zum 45:47-Anschluss, um im Gegenzug einen Korbleger von Brion Rush zu kassieren, der den Spalding mit dem Buzzer im Jenaer Korb unterbrachte – 45:49.

Während sich beide Teams im Verlauf der ersten Hälfte einen hart umkämpften, jedoch durchweg fairen Schlagabtausch geliefert hatten, schien die Partie zu Beginn der zweiten Halbzeit früh in die falsche Richtung abdriften zu wollen. Zwei schnelle Dreier durch Michael Stockton und Jordan Loveridge zum zwischenzeitlichen 45:55 (21.) ließen die Führung des Roijakker-Teams erneut auf einen zweistelligen Wert anwachsen, welchen die Göttinger für die nächsten Minuten konservieren konnten. Science City stemmte sich allerdings mit voller Wucht und Konsequenz gegen die vorzeitig drohende Niederlage und biss sich mit zunehmender Spielzeit des dritten Viertels in die Begegnung zurück. Skyler Bowlin, der sich trotz angeschlagener Schulter aufopferungsvoll in den Dienst der Mannschaft stellte, erzielte 17 Sekunden vor der letzten Viertelpause den so wichtigen Korb zum 65:73, bevor die Achterbahnfahrt der Emotionen in ihre finale Kurve ging.

Ganz offensichtlich wurden in diesem Moment auf der Jenaer Bank gut geladene Batterien verteilt, die den Akku der Ostthüringer nachhaltig auf Touren brachten. Wie frisch aufgezogen startete Science City in die Crunchtime, profitierte dabei von den nun endlich hochprozentig fallenden Distanzwürfen, welche den Vorsprung der Niedersachsen nachhaltig zum Schmelzen brachten. In der 33. Minute war es soweit, nachdem Kyle Weaver mit zwei Freiwürfen zunächst den 76:76-Ausglich erzielt hatte bevor Martynas Mazeika nur wenige Sekunden ebenfalls von der Linie nachlegte und seine Mannschaft mit 78:76 in Führung brachte. Mit der zweiten Luft förmlich über das Parkett der Arena schwebend, schien Jenas Bundesliga-Riesen nun fast alles zu gelingen. Egal wer den Ball in seine Hände bekam und unerheblich von welchem Punkt des Parketts derjenige Akteur auch abdrückte, es klingelte konstant im Korb der Göttinger die, ihren vermeintlich sicheren Sieg vor Augen, zunehmend entmutigter wirkten. Eines der zahlreichen Ausrufezeichen in der Schlussphase der Partie setzte Derrick Allen mit einem satten Block an Darius Carter in der 37. Minute, den man abseits der Statistik auch als deutliches Statement zu werten hatte. Natürlich wollte auch der mittlerweile frische 38 Lenze zählende Immanuel McElroy nicht zurückstehen, netzte 104 Sekunden vor Ultimo einen Dreier zum 93:84, bevor sein nur ein Jahr jüngerer Spielkamerad Julius Jenkins – ebenfalls aus der Distanz – die Arena zum Beben brachte.

Die Niedersachsen versuchten sich zu wehren, fanden allerdings kaum noch ein Mittel, um die Senioren-Riege der Saalestädter zu bändigen. Den dreistelligen Zwischenstand zum 100:90 abrundend, wird der Gehaltsscheck von Kyle Weaver wohl demnächst die Anschaffung eines Kastens Bier verkraften müssen. Für einen Moment großer Nostalgie sorgten unterdessen Julius Jenkins und Immanuel McElroy 22 Sekunden vor dem Ende, als Jenas frisch vertragsverlängerter Scharfschütze wie in besten Zeiten seine 23 per Alley oop bediente, welcher das Spielgerät sanft zum 103:92-Endstand durch die Reuse des Gegners gleiten ließ. Den über das halbe Spielfeld und vielleicht etwas zu hoch angesetzten Assist hätte wohl auch ein Mac in seiner Prime nicht stopfen können.

Johan Roijakkers (BG Göttingen): „Meinen Glückwunsch zum verdienten Sieg an Björn und seine Mannschaft. Jenas erfahrene Spieler sind im letzten Viertel heißgelaufen und waren von uns dann am Ende kaum zu stoppen. Speziell die Routiniers waren sehr schwer zu verteidigen und haben uns für jeden Fehler teuer bezahlen lassen. Deswegen haben sie und ihre Mannschaft sich den Sieg verdient. Auch wenn die Intensität vorhanden war, müssen wir uns cleverer anstellen und noch besser verteidigen“.

Björn Harmsen (Science City Jena): „Für uns ist der Sieg aus unterschiedlichen Gründen unheimlich viel Wert. Was viele Leute vielleicht nicht wissen ist, dass wir gegen eine sehr sehr gute Mannschaft gewonnen haben, die man nicht nur aufgrund des Tabellenstandes einordnen darf. Die BG ist sehr gut besetzt, ist offensiv sehr stark und gefährlich. Göttingen ist eine sehr gut gecoachte Mannschaft und wir haben ja im Hinspiel gesehen, wie so ein Duell ausgehen kann. Wir hatten eine schwere Woche hinter uns, in der viele unserer Spieler gar nicht oder nur bedingt trainieren konnten. Insofern ist dieser Erfolg sehr hoch zu bewerten. Ich möchte Skyler Bowlin heute aus meiner Mannschaft herausheben, der sich trotz seiner angeschlagenen Schulter in den Dienst des Teams gestellt hat und einen sehr wichtigen Teil zu diesem Erfolg beigetragen hat“.

SCJ: Mazeika 25 Punkte, Jenkins 20, Allen 18, Wolf 13, Weaver 11, Bowlin 7, McElroy 5, Reyes-Napoles 3, Ugrai 1, Clay, Mackeldanz – Heber

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