Thüringens Biber feiern „Tag des Artenschutzes“

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Ein Biber. Foto: Siegfried Klaus

Jena/Gotha (red/NABU, 2. März). Der Internationale Tag des Artenschutzes am 3. März, findet in diesem Jahr unter dem Motto „Partnerships for Wildlife Conservation“ – „Partnerschaften für den Artenschutz“ statt.

Anlässlich dieses Aktionstages weist der NABU Thüringen auf die Wichtigkeit von aktiven und partnerschaftlichen Naturschutzprojekten hin. Als Beispiel nennt der Verband das Projekt „Bibermanagement in Thüringen“ welches der NABU seit 2012 und bis Ende März 2023 dank einer Förderung der Europäischen Union (EFRE-Programm) sowie der Unterstützung des Thüringer Umweltministeriums durchführt. Mit Hilfe dieses Projektes konnte sich der Biber in Thüringen relativ störungs- und konfliktarm ausbreiten und es trägt zu mehr Klima- und Artenschutz in den Thüringer Gewässerauen bei.

Marcus Orlamünder koordiniert für den NABU Thüringen das Projekt und zieht ein Resümee über zehn Jahre erfolgreiche Projektarbeit: „Der Biber konnte sich dank unseres kontinuierlichen Engagements in Thüringen relativ störungsarm ausbreiten. Wir konnten in Zusammenarbeit mit Behörden, Verbänden, Landnutzern, Bürgerinnen und Bürgern sowie sonstigen Institutionen tausende von Menschen entweder direkt in Beratungsgesprächen oder über die Medien für das Thema Biber sensibilisieren und begeistern. Dies zeigt auch Erfolg, denn mittlerweile sorgen über 600 fleißige Biber an unseren Gewässern für mehr Klima- und Artenschutz. Sehr geschickt baut der Nager wie ein Ökosystemingenieur Dämme und zieht Gräben. Es entstehen Anstauungen, Teiche und Feuchtgebiete. Gerade in Zeiten starker Trockenheit bedeutet dies einen Zugewinn für das Ökosystem. Wasser verweilt länger in der Landschaft, Böden bleiben feuchter und Pflanzen werden besser mit Wasser versorgt. Eine kostenlose Renaturierungsleistung in unseren Auen, die sich als Kohlenstoffsenken positiv auf das Klima auswirken.“

Das Projekt hat vor allem die Menschen für den Biber begeistert, fachlich beraten und für seine Belange sensibilisiert. Denn nur wenn es gelingt, die Akzeptanz für den großen Nager in der Bevölkerung zu steigern, kann er seine wertvollen Leistungen für den Arten- und Klimaschutz ohne große Störungen vollbringen. „Diese Aufgabe war nicht immer leicht, denn mit seinen Lebensweisen stößt der Biber oft auf Unverständnis, vor allem bei Landnutzer*innen und Akteuren, die sehr nah an unseren Gewässern wirtschaften oder dort Infrastruktur betreiben. Ein vertrauensvolles Beratungsgespräch kann hier allerdings schon helfen, Verständnis aufzubauen und manchen Vorbehalt beseitigen. Wenn man dann noch Tipps für die konkrete Problemlage geben kann, wie zum Beispiel zu Schutzmaßnahmen vor Verbiss an Bäumen, oder gleich einen Schutzanstrich an einem angenagten Baum aufträgt, ist der erste Ärger schnell verraucht. Es kam aber auch vor, dass wir Biberdämme mit Drainagen versehen mussten, damit Flächen nicht weiter überflutet werden. Dies geschah immer in enger Abstimmung mit den Unteren Naturschutzbehörden in den Landkreisen, Akteuren vor Ort und zum Beispiel mit Gewässerunterhaltungsverbänden und Kommunen“, erzählt Marcus Orlamünder. In den letzten zehn Jahren hat der NABU Thüringen hunderte solcher Beratungs- und Informationsgespräche durchgeführt sowie auf Vorträgen, Exkursionen und an Infoständen beraten.

Der NABU ist als fachlicher Ansprechpartner zum Biber und sachlicher Vermittler in Thüringen oft gefragt, denn praktisches Bibermanagement bedeutet auch schnelles Handeln. Bei Bibervorkommen und an Konfliktbereichen muss man sich zeitnah einen Überblick verschaffen und unbürokratisch helfen. Diese Anstrengungen und Arbeiten werden seit 2017 zusätzlich durch ehrenamtliche Biberberater*innen, die zum Teil eng an die NABU-Strukturen in Thüringen angebunden sind, unterstützt. „Einer unserer Schwerpunkte liegt deshalb in der kontinuierlichen Aus- und Weiterbildung von Biberberater*innen. Um die Aktiven auf dem Laufenden zu halten und in Kontakt zu bleiben, ist es wichtig sich zu vernetzen und vom Bibermanagement aus ständig ansprechbar für Problemlagen und Herausforderungen vor Ort zu sein. Bis heute haben wir über 100 Biberberater*innen in Thüringen ausgebildet“, so Orlamünder.

Der NABU Thüringen sieht es kritisch, wie das Thüringer Umweltministerium die Aufgaben des Bibermanagements ab März neu organisieren möchte. Das Bibermanagement auf eine fast reine behördliche Ebene zu stellen sei praxisfern und würde die erreichten Ziele möglicherweise gefährden. Die durch das Projekt von einem ehrenamtlichen Verband wie dem NABU über zehn Jahren aufgebaute Bürger*innennähe, die ehrenamtliche Vernetzungsarbeit, die Anbindung der Biberberater*innen und Akteure vor Ort sowie ein schnelles Handeln würden erschwert und geschwächt werden. „Uns liegt die konfliktarme Ausbreitung des Bibers weiterhin sehr am Herzen. Aus diesem Grund, versuchen wir Mittel und Wege zu finden, wie wir weiter zum Biber fachlich beraten und die Zusammenarbeit mit Biberberaterinnen, Biberberatern sowie anderen Akteuren in Thüringen fortsetzen können“, sagt Martin Schmidt, der Landesvorsitzende des NABU Thüringen.

Das vom Freistaat Thüringen geförderte Vorhaben „Bibermanagement in Thüringen“ wird durch Mittel der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert. Das Projekt wird vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz unterstützt und endet Ende März 2023.

Fliesenstudio Arnold

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