Innenminister Maier: „Thüringen bleibt sicher“

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Die "silberne Acht" ist öfter im Einsatz gewesen. Foto: Klaus with K

Erfurt/Gotha (red, 25. März). Georg Maier, Thüringer Minister für Inneres und Kommunales, hat heute die polizeilichen Kriminalstatistik für 2020 vorgestellt.

Thüringen verzeichne demnach eine Aufklärungsquote von 63,5 Prozent (2019: 61,1 Prozent). Das bedeute, dass bei mehr als 90.000 Straftaten mindestens ein Tatverdächtiger namhaft gemacht werden konnte. Damit sei Thüringen ein sicheres Land mit einer stabilen inneren Sicherheit. Die Wahrscheinlichkeit, in Thüringen Opfer einer Straftat zu werden, liege weiterhin unter dem langjährigen Bundesdurchschnitt.

„Das polizeiliche Handeln insgesamt war 2020 immens von der Corona-Pandemie geprägt. Doch gerade in diesen nicht einfachen Zeiten hat die Polizei ihre Aufgaben umfassend und sicher erfüllt“, sagte Georg Maier.

Die Kriminalitätsbelastung, also die Anzahl der begangenen Straftaten pro 100.000 Einwohner:innen (Häufigkeitszahl), habe 2020 6.653 betragen. Sie sei im Berichtsjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (2019: 6.033).

Ausgewählte Kriminalitätsfelder
Mit 27,5 Prozent – dies entspricht in diesem Jahr fast 39.000 Fällen – stelle die Diebstahlskriminalität den höchsten Anteil an der gesamten Kriminalitätsbelastung in Thüringen dar (2020: 27,0 %). Der Anstieg der Fallzahlen beim Diebstahl im Gesamten werde wesentlich durch höhere Fallzahlen beim Diebstahl unter erschwerenden Umständen bestimmt.

Im Bereich Wohnungseinbruchdiebstahl sei ein kontinuierlicher Rückgang zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr wären die Fallzahlen erneut auf weniger als 1000 (949 Fälle, 2019: 997, -4,8%) zurückgegangen. Fast die Hälfte der Straftaten dieser Art sei aufgeklärt worden (43,2 %). Dieser Erfolg begründe sich vor allem in der akribischen polizeilichen Ermittlungsarbeit.

2020 habe es einen Anstieg der Gewaltkriminalität auf 4.059 Fälle (2019: 3770) gegeben. Dies sei eine Veränderung von +7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Summe der Taten der Gewaltkriminalität werde von drei Teilgruppen bestimmt – der Straftatengruppe „Vergewaltigung/sexuelle Nötigung/sexuelle Übergriffe“, der „Raubdelikte“ und insbesondere der „gefährlichen und schweren Körperverletzung“. Diese schwerwiegenden Körperverletzungen würden mit etwa vier Fünftel den Hauptanteil der Gewaltkriminalität darstellen.

2.604 Fälle häuslicher Gewalt seien 2020 in Thüringen polizeibekannt geworden und würden in einer gesonderten Statistik erfasst. Die Kriminalstatistik weise in diesem Bereich 9 Straftaten gegen das Leben (allesamt weibliche Opfer), 79 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (in 78 Fällen weibliche Opfer), 4.014 Rohheitsdelikte (3.136 weibliche Opfer) und 483 Gewaltdelikte (340 weibliche Opfer) aus. „Diese Zahlen zeigen sehr deutlich, dass häusliche Gewalt männliche Gewalt ist. Wir sind dazu aufgerufen, unsere Anstrengungen zum Schutz von Frauen zu intensivieren“, hält Georg Maier fest.

Positiv sei die abweichende Entwicklung bei den hier enthaltenen schweren Sexualdelikten. Mit einer Gesamtzahl von 90 Delikten liege die aktuelle Zahl erheblich unter der Zahl von 2018 (230) und auch noch ein Viertel unter den registrierten Delikten von 2019 (120).

Im Bereich der Tötungsdelikte, einem Teilbereich der Gewaltkriminalität, könne Thüringen eine Aufklärungsquote von 100 % vorweisen. Um diesen begegnen zu können, sei zum 1. Juli 2020 die Bildung einer ständigen Mordkommission veranlasst worden. Zwischenzeitlich habe sich dieses neue Dezernat „Tötungsdelikte“ im Landeskriminalamt Thüringen etabliert.

Die Fallzahl beim sexuellen Missbrauch von Kindern (2020: 441) liege nach einem hohen Anstieg im Jahr 2019 (578 – gegenläufige Tendenz zu allen grundlegenden damaligen Entwicklungen) wieder auf dem Niveau des Jahres 2018 (446).

Besorgniserregend seien die Entwicklungen im Teilbereich der sexuellen Übergriffe und der sexuellen Nötigung, der sexuellen Belästigung sowie vor allem bei Straftaten im Zusammenhang mit Kinderpornografie. Hier liege die Fallzahl gegenüber 2019 (296) um ein Fünftel höher (356).

Gleichzeitig sei dieses Delikt aber auch ein Kontrolldelikt, wodurch sich in der Konsequenz die Fallzahl erhöht hat. Dadurch wird das Dunkelfeld kleiner, was positiv zu vermerken sei.

Auch bei der Rauschgiftkriminalität spiegelten sich die Entwicklungen der Gesamtkriminalität in Thüringen analog wider. Im Jahr 2020 sei die Fallzahl um 1.097 Fälle (+9,4%) auf 12.789 erfasste Fälle gestiegen.

Im Jahr 2019 (11.655) habe es in diesem stetig wachsenden Deliktfeld erstmals seit Beginn der PKS-Erfassung in Thüringen einen Rückgang gegeben.

Sowohl ibei allgemeinen Delikten als auch bei den qualifizierten Fällen des Handels und Schmuggels seien steigende Fallzahlen zu verzeichnen. Diese Entwicklungen betreffe alle in der Statistik erfassten Rauschmittel, vor allem jedoch die Cannabisprodukte und das gefährliche Crystal Meth, Methamphetamin in kristalliner Form. Auf Crystal Meth liege der Fokus der polizeilichen Kontroll- und Ermittlungstätigkeit.

Gestiegen sei auch die Zahl der so genannten Drogentoten. Während sie im Jahr 2019 noch bei 26 Personen lag, fielen im Jahr 2020 40 Menschen ihrer Drogenabhängigkeit zum Opfer.

Bei der Cyberkriminalität sei die Fallzahl in 2020 erheblich gestiegen. Gegenüber 2019 (2.424) lasse sich ein Anstieg um fast 20 Prozent auf nunmehr 2.904 Fälle verzeichnen. Die in einem einzelnen Fall sicherzustellenden, zu analysierenden und zu bewertenden Datenmengen stiegen exponentiell an und seien nur mit Expertise, modernsten technischen Innovationen bis hin zu künstlicher Intelligenz und Zusammenarbeitsstrategien mit spezialisierten Institutionen der Länder und des Bundes zu bewältigen.

Die gestiegenen Deliktzahlen manifestierten sich dabei in allen zu berücksichtigenden Teilbereichen des Cybercrime – insbesondere aber beim Computerbetrug. Hier wären mit einem Anstieg um mehr als 26 Prozent die höchsten Fallzahlen zu verzeichnen. Dieses Phänomen mache inzwischen ca. zwei Drittel der Fallzahlen aus. Bei den Fälschungen von beweiserheblichen Daten im elektronischen Bereich liege die Fallzahl (2020: 253) etwa auf dem Niveau des Jahres 2018 (251), die registrierten Straftaten im Bereich des Abfangens von Daten und der Datenhehlerei seien seit 2018 kontinuierlich angestiegen.

Für das Jahr 2020 habe es Anstiege in einigen Feldern der Gewaltkriminalität gegeben, die auch einen Anstieg der Opferanzahl bedingen. Es seien für das Jahr 2020 nunmehr  27.552 Opfer erfasst.

Im vergangenen Jahr sei die Zahl der bei einer Straftat ermittelten Tatverdächtigen auf 53.108 Personen gestiegen und damit um zirka neun Prozent gegenüber 2019 höher. Dies sei ein Spiegelbild des hohen Aufklärungswillens der Thüringer Polizeibeamt:innen.

Von diesen etwas mehr als 53.000 ermittelten Tatverdächtigen wiederum hatten 10.185 Personen keine deutsche Staatsbürgerschaft, seien also zu den nichtdeutschen Tatverdächtigen zu zählen, was einem Anteil von 19,2 Prozent entspricht.

„Es ist mir wichtig, den Blick auf das Leid der Opfer und Geschädigten zur richten. Wir reden zu viel über die Täterinnen und Täter und zu wenig über die Opfer bzw. Geschädigten sowie deren Leid, mit dem sie ihr Leben lang konfrontiert sind“ resümiert der Innenminister.

 

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