Thüringer Museen: Herkunft der Bestände wird geprüft

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Der Schweizer Ethnologe Adrian Linder im Staatsarchiv Gotha. Foto: Claudia Klein

Erfurt/Gotha (red, 18. Februar). Der Museumsverband Thüringen e. V. (MVT) untersucht zwischen Februar und Juni 2021 die außereuropäischen Bestände ausgewählter Thüringer Sammlungen. Das Projekt schließt damit an den „Erstcheck“ an, bei dem der MVT vier Thüringer Museen auf Hinweise auf NS-Raubkunst durchleuchtet.

Seit 1. Februar 2021 bestimmt Friederike Brinker im Auftrag des Museumsverbands Thüringen e. V. die außereuropäischen Objekte im Lindenau-Museum und im Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, im Stadtmuseum Saalfeld und im Schlossmuseum Sondershausen. Da es für diesen Sammlungsbereich in Thüringen nur wenige Fachwissenschaftler gibt, wurden diese Objekte bislang kaum erforscht. Dank einer großzügigen Förderung der Thüringer Staatskanzlei ändert sich das nun.

Friederike Brinker ermittelt, wieviel Wissen es zu den einzelnen Stücken bereits gibt, um darauf basierend deren Herkunft und Erwerb zu untersuchen. Das Projekt umfasst die Bestimmung und historische Einordnung der Sammlungsbestände, Forschung zu den Sammlerinnen und Sammlern sowie die Digitalisierung und konservatorische Begutachtung der Objekte. Der MVT möchte damit die Museen dabei unterstützen, Sammlungsbestände außereuropäischer Herkunft zu identifizieren und sich noch intensiver mit solchen Kulturgütern zu beschäftigen.

Friederike Brinker ist gebürtige Hamburgerin und studierte Ethnologie mit Schwerpunkten auf Kunstethnologie in West- und Zentralafrika sowie Südostasien. Sie verfügt über Erfahrungen in verschiedenen deutschen Museen, in denen sie sich intensiv mit Sammlungsmanagement und Herkunftsrecherche befasst hat, vor allem mit Blick auf Kolonialismus und Imperialismus.

Zur Vorbereitung des Projekts hatte der Museumsverband Thüringen e. V. eine erste Umfrage unter seinen Mitgliedsmuseen durchgeführt. Dabei wurden bereits 150 außereuropäische Objekte aus zum Teil ehemals privaten Sammlungen identifiziert. Sie stammen aus allen außereuropäischen Weltregionen und zeigen, wie facettenreich die Sammlungen der Thüringer Museen sind. Diese Vielfalt in nur vier der über 200 Thüringer Museen unterstreicht die Komplexität der Aufgabe, Provenienzen und deren historische Zusammenhänge zu rekonstruieren. Dieser Aufgabe geht Brinker nun nach. Ihre Ergebnisse präsentiert der Museumsverband Thüringen e. V. nach Projektabschluss.

Sarah-Mae Lieverse. Foto: privat

Bereits mit dem im Herbst 2020 begonnenem Projekt „Erstcheck“ hatte der Museumsverband Thüringen e. V. auf die dringend notwendige Erschließung der Thüringer Sammlungen in Bezug auf deren Provenienz reagiert. Dabei stand NS-Raubgut im Fokus der Provenienzforscherin Sarah-Mae Lieverse (Foto).

H&H Makler

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