Thüringer Gastgewerbe: Drei von vier Unternehmern in Existenzangst

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Bildschirmfoto: Internetauftritt des DEHOGA Thüringen

Gotha (red/DEHOGA/am, 6. Oktober). „Wieder ist eine Bund-Länder-Runde vergangen und es mangelt an konkreten Ergebnissen“, so Mark A. Kühnelt, Präsident des DEHOGA Thüringen e. V.

Wie die Ergebnisse der DEHOGA-Umfrage für den Freistaat Thüringen belegen, erlebe die Branche eine bespiellose Kostenexplosion bei Energie, Lebensmitteln und Personal.

Die befragten Unternehmer im Thüringer Gastgewerbe setzten 2022 im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 im Durchschnitt 6 % weniger um.

Im Vergleich des Monates September 2022 zu September 2021 gaben 34,1 % der Befragten an, dass der Umsatz gesunken sei. Dagegen berichteten nur 27,8 % von gestiegenen Umsätzen.

„Insofern sind wir von der Vor-Corona-Normalität noch sehr weit entfernt, insbesondere auch mit Blick auf die derzeitige Inflationsrate und alle anderen gravierenden Herausforderungen“, so Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Thüringen.

Bei der aktuellen geschäftlichen Nachfrage berichteten fast 65 % der Unternehmer im Thüringer Gastgewerbe, dass sie befriedigend, schlecht bzw. sehr schlecht wäre.

Auch die Vorausschau in die kommenden Monate ist derzeit nicht gerade von Hoffnung geprägt. So werde der Buchungsstand im Oktober bei 6,3 % der befragten Unternehmer als sehr gut und bei 28 % als gut eingeschätzt. Dies sinkt im November auf 1,7 % (sehr gut) bzw. 20,2 % (gut). Dem gegenüber stehen die Unternehmen mit schlechter Prognose – (Oktober: 25,9 %; November 31,9 %) bzw. sehr schlechter (Oktober: 5,5 %; November: 21,0 %).

73,9 % der gastgewerblichen Unternehmer stellen bereits Konsumzurückhaltung bei ihren Gästen fest. Im Gegensatz dazu berichtet gerade einmal nur jeder Siebente (15,2 %), dass dies nicht feststellbar ist.

Mark A. Kühnelt, Präsident DEHOGA Thüringen e. V. Foto: DEHOGA Thüringen

„Genau an dieser Stelle sehen wir die Politik gefordert konkret Maßnahmen und damit Hoffnung zu geben und nicht die gleichen Fehler wie in der Corona-Pandemie zu wiederholen. Wir brauchen endlich Lösungen, damit auch in schwierigen Zeiten unsere Unternehmen eine Perspektive haben und unsere Gäste auch unsere Leistungen nachfragen.“, so Kühnelt.

Befragt nach dem Anteil der Energiekosten am Umsatz, ist deutlich zu erkennen, dass diese rasant gestiegen sind und weiter steigen.

Betrugen die Energiekosten der befragten Unternehmer im Thüringer Gastgewerbe im Jahr 2019 noch 9 % vom Umsatz, so sind diese aktuell mit 18 % im Durchschnitt verdoppelt. Befragt nach der Prognose für 2023 gaben die gastgewerblichen Unternehmer an, dass sie im Durchschnitt mit durchschnittlich 28 % rechnen. Dabei reicht die Spannbreite von 10 % bis 90 %.

„Nach mehr als 31 Monaten mit teilweisen massiven Einschränkungen durch die Corona- Pandemie im Gastgewerbe und den derzeit gravierenden Kostenexplosionen muss Politik endlich liefern und eine klare Perspektive geben, wie es weitergehen soll. Es ist nicht hinnehmbar, dass seitens der Energieversorger Preisangebote für auslaufende Verträge mit einer Preiserhöhung von 500 % bis 1.100 Prozent erfolgen, oder aber keine Verträge mehr angeboten werden.“ Zeigt sich Dirk Ellinger verständnislos.

Befragt nach Existenzängsten gaben drei Viertel (74,5 %) der gastgewerblichen Unternehmer im Freistaat an, aufgrund der hohen Energiekosten um die Existenz ihrer Betriebe zu fürchten.

Zweidrittel der befragten Unternehmer gaben an, dass sie die derzeitigen Preiserhöhungen über ihre Preise nicht vollständig weitergeben können.

„Dies ist gerade angesichts der geringen Eigenkapitalquote und der Umsatzrentabilität von unter 10 % betriebswirtschaftlich und tatsächlich nicht lange durchhaltbar und begründet eben die große Existenzangst in unserer Branche“, so Kühnelt abschließend.

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