Kein Aus-, eher das Ein-„Steigerhaus“

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Jumana Mattukat und Matthias Jackel. Foto: Rainer Aschenbrenner

Gotha (red/ra, 4. September). Nein, Eremiten sind Jumana Mattukat und Matthias Jackel nicht. Ganz im Gegenteil: Das Paar erweckte im vorigen Jahr das „Steigerhaus“ aus dem Winterschlaf, damit es eine Gastwirtschaft der anderen Art werde.

Im Grunde setzen sie die Tradition dieses Ortes fort – aber eben originell und alternativ: Einst wurden Wanderer versorgt, deren Hunger und Durst gestillt. Heute kann mensch hier auf andere Art Energie tanken; geht es weniger ums leibliche, sondern eher ums seelische Wohl.

Damit sich das einstellt, braucht es Zeit. Die bieten u. a. ihre sechstägigen „Gemeinschaftswochen“. Das sind keine klassischen Seminare, „keine Blaupausen à la 5, 7 oder 12 Wege zu mehr Glück, Frieden oder Erfolg“, wie Matthias deren Angebot beschreibt. In des Waldes Abgeschiedenheit werde vor allem nicht doziert oder belehrt. Vielmehr sei es ein Angebot für maximal 12 Personen, Gemeinschaft auf Zeit im klassischen, im besten Sinne des Wortes zu leben und Inspiration für eigene Veränderung zu erfahren.

Das geht nun einmal nur im Austausch. Und dafür eignet sich solch Einsiedelei wie das „Steigerhaus“ bestens. Nicht nur, weil Waldluft gesund ist und dessen Mehr an Sauerstoff die grauen Zellen anregt. Hier ist Zivilisation noch ursprünglich und hemdsärmelig.

„Wir haben keine Agenda für eine solche Woche. Wir kochen, wir essen, wir arbeiten gemeinsam dann drei, vier Stunden. Hier ist halt immer etwas zu tun.“ Aber egal, welche Arbeit auch immer zu verrichten sei – ein jeder, eine jede könne nach Gusto entscheiden, was wie intensiv und wie lange getan werde, sagt Jumana. Diese Entscheidungsfreiheit ermögliche, sich seiner selbst zu besinnen. Das treffe auch auf die beiden Gastgeber zu.

Es sei schließlich kein Systemausstieg, den das Paar anstrebte und jetzt lebt. Vielmehr verhelfe dieser Ort in der Natur zu mehr Selbsterkenntnis und Verständnis dafür, was der allgegenwärtige psychische wie physische Alltags- und Arbeitsstress aus uns mache: „Der Mensch kommt zwar aus der Natur. Aber wir Menschen schufen eine Lebenskultur, die uns von der Natur und uns selbst entfremdete.“ Als Matthias dies verstand, beendete er seine klassische Management-Karriere.

Ähnlich liegt der Fall bei Jumana: Sie arbeitete in der First-Class-Hotellerie und war als TV-Moderatorin erfolgreich. Der Zufall und die Internetplattform „Newslichter“ (www.newslichter.de) brachte beide zueinander, die seit 2019 ein Paar sind.

Ihre Vision einer neuen, gemeinsamen beruflichen Orientierung führte halt die eine von Bremen, den anderen von Frankfurt am Main in den Wald – irgendwo zwischen Gräfenhain, Tambach-Dietharz und Georgenthal.

Sie leben hier „vollkommen unvollkommen“, wobei ihre Philosophie gewaltfreies Denken, verbundenes Handeln und freies Lieben verbinde, wie sie auf ihrer Homepage schreiben.

Und so, wie sie keine Kulturflüchtlinge seien, öffnen sie auch ihre „Gastwirtschaft“ für jene, die ihren Weg aus dem „Schneller, höher, weiter“-Hamsterrad suchen und dies gern in Gemeinschaft und der Waldesruh‘ finden wollen. Nächste Gelegenheit dazu ist vom 16. bis 20. September.

Homepage: www.steigerhaus.jetzt

2 KOMMENTARE

  1. Wessis mit Geld, die sich Mitarbeit bezahlen lassen. Geht’s noch sowas als Alternativ zu verkaufen? Haben hier nichts zu suchen mit ihrem verklausulierten Esoterik Kram. Meine Meinung als gebürtiger Thüringer.

    • Sehr geehrter Herr „Hans Merker“; Sie geben an, gebürtiger Thüringer zu sein und sind derart gastunfreundlich?
      Selten habe ich so etwas bisher erlebt.
      Trotzdem sei Ihnen Ihre „Wessi“-Phobie verziehen: Wer wie Sie mental und intelektuell im vorigen Jahrtausend verblieben ist, der ist halt nur zu bedauern.

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