Georgenthaler Apothekerin wehrt sich gegen Internet-Hetze

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Apothekerin Uta Mühle

Nicht lange ist es her, da konnte jeder auf TikTok ein Video finden, in dem die Georgenthaler Apothekerin Uta Mühle beleidigt wurde. Ende September wurde es zwar von der Plattform entfernt, doch für Frau Mühle ist das Thema damit noch nicht abgeschlossen.

Eine Kundin machte die Apothekerin auf das Video aufmerksam – Uta Mühle war entsetzt: „Ich stand erstmal da und dachte: Was mache ich jetzt?“, erinnerte sie sich. Das Video zeigt einen Mann, der sich über den Preis einer Hautsalbe aufregt. Das Besondere: Es handelt sich um ein apothekenpflichtiges Medikament, das es nur als Reimport gibt. Das Produkt wurde in Deutschland hergestellt, ins EU-Ausland verkauft und auf Bestellung der Apotheke wieder nach Deutschland gebracht. Auf der Verpackung waren sowohl der deutsche als auch der ausländische Preis zu sehen. Die starke Differenz von über 8,00 Euro ergibt sich nicht aus Willkür der Apothekerin, sondern beruht unter anderem auf Richtlinien der Arzneimittelpreisverordnung.

Dennoch ließ es sich der Mann – unter seinem Internetnamen – nicht nehmen, der Apothekerin aus Georgenthal eine eindeutige Botschaft zu hinterlassen. Verbale Ausfälle wie „dreckige Mistschweine“, „sind Juden“ und „sind Verbrecher“ hielten mindestens 32.000 Menschen trotzdem nicht davon ab, dieses Video zu sehen. Ungefähr 1.250 haben User gaben diesem ein „Like“. Auch die über 170 hasserfüllten Kommentare schockierten Uta Mühle und ihr Umfeld. „Wie kann es möglich sein, so durchs Netz getrieben zu werden? Warum hat nicht einer dieser Zuschauer das Video gemeldet? Wieso finde ich unter den Kommentarschreibern auch Kunden von mir?“, fragt sich Uta Mühle immer wieder.

Nachdem Personen aus ihrem Umfeld das Video meldeten, entfernte die Plattform es nach nicht einmal zwei Tagen. Zu diesem Zeitpunkt war es jedoch bereits über einen Monat online. „Ich finde es schade, wie dünnhäutig die Gesellschaft zu sein scheint“, so Frau Mühle, und „im System liegen viele Probleme – auch bei den Re-Importen.“ Seit Jahren bemüht sich die Betreiberin um Veränderungen – doch die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam.

Ihre vielen öffentlichen Auftritte nutzt die Apothekerin, um eines klarzustellen: „Es kann jeden treffen. Und es hätte auch einen meiner vielen Kolleginnen und Kollegen erwischen können. Hier ging es nicht nur um ein neues Preisschild“, ist sich Uta Mühle sicher. Seit der Corona-Pandemie spüre sie einen zunehmenden Werteverfall und eine dauerhafte Unzufriedenheit. In der „Schmetterling“-Apotheke im Gothaer Kaufland haben sie und ihre Angestellten fast täglich mit wütenden Kunden zu tun.

Trotz der Anfeindungen will sich Uta Mühle nicht einschüchtern lassen: „Angst ist im Leben ein schlechter Begleiter“, bekräftigte sie. Von einem persönlichen Gespräch mit dem Videoersteller wurde Uta Mühle juristisch trotzdem abgeraten.

Der Thüringer Apothekenverband hat als Reaktion auf die Beleidigungen und aus Sicht des Verbandsvorsitzenden Stefan Fink – Volksverhetzung Strafanzeige beim Erfurter Amtsgericht gestellt. Zudem startete der Apothekenverband eine Medienkampagne, um Uta Mühle als Geschädigte zu stärken, die Falschaussagen aus dem Video zu korrigieren und das Image der Apothekerin wieder zurechtzurücken. „Es ist bemerkenswert, wie viel Solidarität Frau Mühle in dieser Zeit erfährt. Es melden sich viele Menschen, die Frau Mühle unterstützen und ihr gut zu sprechen“, sagte Stefan Fink. Eine Antwort auf die Frage, ob und wie ein solcher Vorfall in Zukunft verhindert werden kann, hat Fink nicht. „Es würde schon genügen, wenn der Kunde in einer Apotheke den Sachverhalt klärt. Wir wissen alle, dass die Welt der Arzneimittelpreise komplex und verwirrend ist. Dass es in diesem Fall so ausartet, ist jedoch unverständlich.“

Florian Hofmann, Bürgermeister der Landgemeinde Georgenthal, stellt sich ebenfalls hinter die Apothekerin. „Wir stehen schon seit einiger Zeit in Kontakt und haben einen produktiven Austausch.“ Er könne jeden verstehen, der in der heutigen Zeit mal verärgert ist. Das dargebotene Verhalten und die teils antisemitischen Äußerungen überschreiten jedoch jedes Maß. „Uta Mühle ist eine sehr engagierte Frau. Sie macht schon seit vielen Jahren auf die Unzulänglichkeiten im deutschen Gesundheitssystem aufmerksam“, so Hofmann.

Ihr alltägliches Engagement zeigt sich bereits an ihren Standorten in Georgenthal und Gotha: Mit der „Schmetterling“-Apotheke ist sie Teil des Netzwerks „Babyfreundliche Apotheke e. V.“ und fungiert als Ansprechpartnerin für junge und werdende Eltern. Als Mutter und Chormitglied ist sie fest in der Region verwurzelt. Dennoch stellte sie klar: „Als letzte Konsequenz kann ich mir ein Weggehen aus Thüringen vorstellen.“

Doch so weit wolle sie es nicht kommen lassen. Ihr ist wichtig zu zeigen: „Das Thema wird in den Medien nur kurz ein Aufreger sein, mich wird es viel länger begleiten. Aber ich kann die Zeit nutzen, um die Gesellschaft wachzurütteln. Die schlechte Lage in Deutschland betrifft alle. Wir sitzen im selben Boot. Ich bin schockiert, dass solche Reaktionen und ein derartiges Verhalten scheinbar neue Normalität sind.“

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 10 (2025)

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