Nun denn! Das letzte Quartal beginnt. Die verbleibenden drei Monate dieses, unseres Vor-Jubiläumsjahres kriegen wir bei MSB und Oscars Freitagspostille auch noch herum! Und dann? – Je nun – dann heißt es: Dreißig Jahre Medienarbeit im Druckhaus Gotha-Ost! Unser klitzekleiner Verlag vollendet drei Jahrzehnte voller Texte und Bilder, Überschriften und Unterzeilen – geschrieben, gesprochen, gedruckt und gesendet.
Natürlich bin ich stolz wie Bolle, dass trotz allem Hin und Her respektive Auf und Ab der Laden immer noch läuft. Haben wir alle uns das verdient? Wir sind noch da! Die Alten und die Jungen!
Sowas gibt‘s doch hier in unserer kleinen medialen Welt rund um den Großen Inselsberg nicht allzuoft!
Und damit ich jetzt nicht völlig überschnappe, flugs zurücke ins tagtäglich fordernde Nachrichtengeschäft mit all‘ jenen brandneuen Stories, die mir schon zum letztjährigen Herbstbeginne das Herze im Lebkuch-, äh: Leibe hüpfen ließen. Natürlich geht es erneut um die seit Auguste endlich wieder erhältlichen Pfefferkuchen, Dominosteine, Stollen und Spekulatissimusse!
Oh, gerechter Herr im Himmel – wie lange mussten wir alle fasten und darben! Ob nun im Druckhause Gotha-Ost, am weltpikanten Hauptbahnhofsvorplatze oder gar im Saunaclub „Zum schwitzwassernden Schweißtreiber“! Entbehrungsreiche Monate waren es, in denen uns alles abverlangt wurde an Askese, Geduld und Optimismus! Doch der Glaube ans gute Ende hielt uns aufrecht. Ließ uns hoffen in den heißen Sommernächten tief im Thüringer Walde, als Fuchs und Hase einander zwar (aus tausend Poren dampfend) das sprichwörtliche „Gute Nacht!“ sagten, jedoch wegen der Gluthitze keinen erholsamen Schlaf finden konnten.
Gewiss – es gab damals auch Zweifler, vom Glauben Abgefallene, Renegaten, Irregeleitete und andere Schwächlinge, welche die Wiederkehr von Lebkuchenherzen und Zimtsternen bestritten und gar in Momenten dunkelster Umnachtung rundheraus ableugneten! Und doch kam „es“ uns wie schon im Vorgarte-, äh: Vorjahre genauso wie seit 1990 alle Jahre wieder: Während draußen noch der von Mensch-, äh: Mutanten verursachte Klimawandel sämtliche Wärmerekorde brach, wurde in den Kühlregalen der üblich verdächtigen Einzelhandelsketten bereits aufgetafelt: „Brauchen wir nicht Schokolade? Honig, Nüsse und Sukkade? Und ein bisschen Zimt? – Das stimmt!“
Was aber auch wahr war und bleibt, ist indes der hochfliegende, völkerverbindende Gedanke des Christfestmarktes und der betrieblichen Weihnachtsfeier! Unser MSB-Boss lud mich als ältesten Zausel des Unternehmens im vergangenen Dezember zu einer solchen Versammlung ein. Anschließend besinnliches Wandeln über Gothas Weihnachtsmarkt. Wir trafen uns am Buttermarkte in einem wohlbeleumundeten Hause, in dem es vor Kaffeekannen nur so wimmelte. Ich, der ich zwar die Uffizien kenne und auch im Prado, Herzoglichen Museum und Louvre sowie in den Dresdener Galerien ein- und ausging, kannte die Kannen-Kantine noch nicht. Es wurde, wie bei den allermeisten Adventsfirmenfeten ungemein (oh, du!) fröhlich und informell. Der nun von unserer entsprechend geschulten Leserschaft erwartete schlüpfrige Ausgang des Treffens soll nicht verschwiegen werden. Denn kaum gingen neun Monate ins noch nicht völlig verschneite Land, konnte ich bestätigen: „Und ein bisschen Zimt?“ Ja, es stimmt: Wahrhaftig, hier geht’s um Blutsverwandtschaft, um Familienzuwachs! Denn wie sich während des erbaulich-inteamen Zusammmenseins bei Butter-, Rosinen-, Marzipan- und Quarkstollen herausstellte, ist unser junger Kreativ-Direktor bereits seit seiner Geburt mit mir verwandt. Sein Opa war mein Onkel, meine Mutter ist seine Großtante! Somit bin ich der Großcousin des jungen Dachses, da ja hinwiederum seine liebe Maman meine Cousine war.
Advent, Advent – wie gut, wenn die Familie man erkennt! Oh, du fröhliche? Oh, du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Heini Eckenkieker
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 8 (2026)




















