Am 24. September 2026 ist der Thüringer Buchautor und Journalist Mirko Krüger in Georgenthal zu Gast – mit einer Lesung über den „Kunstraub von Gotha“ (19 Uhr/Bürgerhaus). Grund für Nachfragen.
von Maik Schulz
Herr Krüger, Sie sind mit „Der Kunstraub von Gotha“ auf Lese-Tour. Was fasziniert die Leute nach mehr als 40 Jahren an diesem Diebstahl?
Bis zur Heimkehr der Gemälde im Jahr 2019 gab es nicht eine heiße Spur, dafür aber teils abenteuerliche Gerüchte. Manche meinten, die Stasi hätte die Bilder klammheimlich gegen Devisen verkauft. Der Schätzpreis lag seinerzeit bei fünf Millionen Westmark. Angeblich seien die Gemälde mit einem Fleischtransport in die Bundesrepublik geschmuggelt worden. Nach dem Mauerfall gediehen die Spekulationen erst recht. Damals wurde das Gebaren der geheimen Wirtschaftsorganisation „Kommerzielle Koordinierung“ und dessen Leiter Alexander Schalck-Golodkowski bekannt. Nichts schien mehr undenkbar. Letztlich stellte sich 2019 heraus, dass ein Kleinkrimineller den spektakulärsten Kunstdiebstahl der DDR begangen hat. In diesem Spannungsfeld gibt es unglaublich viel zu erzählen. Ich erlebe bei meinen Vorträgen eine nahezu unstillbare Neugier der Gäste.
Ohne groß zu spoilern: Sie haben bei Ihrer Recherche über die Ermittlungen eine unglaubliche Serie an Pleiten, Pech und Pannen der Ermittler aufgedeckt. Welche davon überraschte Sie am meisten?
Das ist ganz klar das grandiose Versagen der Stasi im Oktober 1981. Im Gefängnis Untermaßfeld vernahm sie routinemäßig einen Inhaftierten. Herbert R. erzählte von einem seiner Bekannten, einem Rudi B. aus Schmalkalden. Er sei im Besitz eines Rubens-Gemäldes. Das Bild zeige angeblich einen alten Juden. Rudi B. soll versucht haben, das Gemälde während der Leipziger Messe einem westdeutschen Geschäftsmann zu verkaufen. Ein Lokführer im Besitz eines Rubens? Dieser Gedanke erschien den Stasi-Mitarbeitern als derart absurd, dass sie diese Information nicht überprüften. Tatsächlich hätte sie der Tipp zum Kunstdieb von Gotha geführt. Lediglich bei der Angabe des Künstlers lag der Informant falsch. Das Gemälde stammte nicht von Rubens, sondern aus der Werkstatt Rembrandts.
Die Beute tauchte 2019 auf. Welche Rolle spielte aus Ihrer Sicht der Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch bei der Wiederbeschaffung der Bilder?
Kreuch ist ein Fuchs. Als ihm ein Anwalt die Bilder zum Rückkauf anbot, realisierte er schnell, dass sich ihm die Chance seines Lebens bot. Andere hätten dies schnell an die große Glocke gehängt. Gothas OB hielt lieber den Mund und zog im Hintergrund die Strippen. Der Erfolg gab und gibt ihm recht.
Dieser Beitrag erschien im „Oscar am Freitag“-Magazin, Ausgabe 8 (2026)






















