Annette Frier im Gespräch

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Dieser Monat hält für Schau-spielerin Annette Frier zwei wichtige Termine bereit. Am Donnerstag, dem 20. August, wurde die beliebte Comedy-Fernsehserie „Merz gegen Merz“ um 20:15 Uhr im ZDF mit dem neuen Kapitel „Entscheidungen“ fortgesetzt. Zwei Tage später darf die 52-jährige den „Preis für Schauspielkunst“ des 22. Festivals des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein ent-gegennehmen. Ein Gespräch über Sterbehilfe, die wahre Liebe und Ehrungen für die eigene Arbeit.

von André Wesche

Wie häufig werden Sie auf „Merz gegen Merz“ angesprochen?

Immer häufiger. Die neue Startseite des ZDF in der Mediathek hat sich also schon mal gelohnt. Dass es manchmal so einfach ist, denkt man gar nicht. Ich habe das Gefühl, dass die Leute es jetzt überhaupt erst finden. Selten war ein Programm so lange ein Geheimtipp wie die Merzens.

Zum Thema Handys sagt Carmen-Maja Antoni als Renate: „Was wir früher im Kopf hatten, haben wir heute in der Hand.“ Würden Sie
das unterschreiben?

(lacht) Ja, hundert Prozent. Das ist natürlich ein Anschlag auf unsere Systeme, weil wir immer dachten, dass wir so schlau seien. Was? Jetzt sind wir noch nicht mal mehr schlau?! Ach, du Schande! Die KI lacht sich über uns kaputt. Lustig ist es ja irgendwie auch, das muss man schon sagen.

Welche Meinung vertreten Sie im Hinblick auf Sterbehilfe, die im Film thematisiert wird?

Ja, das ist ein schwieriges Thema. Erstens habe ich keine feste Meinung. Da ist gar nichts in Stein gemeißelt, weil ich mich mit dem Thema, was mich selbst angeht, noch nicht beschäftige. Stopp, stimmt ja nicht. Ich bin natürlich immer mit meinem Tod beschäftigt. Wir alle sind vom Beginn des Lebens an auch mit dem Endpunkt konfrontiert. 

Mittlerweile werden Stimmen aus der homosexuellen Community laut, die kritisieren, dass in der deutschen Film- und Serienlandschaft kaum mehr eine Produktion ohne LGBTQ-Thematik auskommt. Nun mischt auch „Merz gegen Merz“ mit. Haben Sie manchmal das Gefühl, dass man etwas überkompensiert, was man lange Zeit sträflich vernachlässigt hat?

Für mich sind das die besten Neuigkeiten. Dass aus der schwulen Community ein Zeichen kommt von: Danke, ich würde jetzt gern mal wieder zwei handelsübliche Heten sehen. Zu mir sagte zum Beispiel neulich eine Frau: „Boah, schon wieder Wechseljahre? Echt jetzt?“ Ich nehme das als ein großes „Daumen hoch!“ Denn der Fokus einer Social Media Bubble ist nicht unbedingt repräsentativ für alle. Das sind sehr unterschiedliche Wahrnehmungen. Ich habe Freundinnen, die total fix mit Wechseljahren und neuen medizinischen Podcasts sind. Ja, na klar. Aber mit der Realität und Sichtbarkeit vieler Frauen in unserem Land hat das nix zu tun.

Um eine These des Filmes aufzugreifen: Glauben Sie, dass einem die wahre Liebe – wenn überhaupt – nur einmal im Leben begegnet?

Kommt tatsächlich vor. In der Absolutheit der Aussage halte ich das für ein Gerücht. Das ist eine sehr romantische Anbindung an den Gedanken, deswegen geht es auch so oft schief. Ich finde es erstmal interessant, zu schauen, was „wahre Liebe“ denn überhaupt bedeutet. Die Arbeit muss man sich leider vorher machen. Die beste Referenz für wahre Liebe hat man, wenn man in den Spiegel schaut und dabei sagen kann: Finde ich gut. Damit kann ich leben. Wenn man sich selbst nicht liebt, halte ich es für sehr schwierig, jemand anderen überhaupt lieben zu können. (Quelle: Jesus Christus) Schwer genug, das mit der Selbstliebe! Sobald mehr Leute ins Spiel kommen, wird es automatisch komplizierter. Nichtsdestotrotz wünsche ich sie uns allen, die wahre Liebe, ist doch klar!

Am 22. August wurden Sie in Ludwigshafen beim  Festival des deutschen Films mit dem „Preis für Schauspielkunst“ geehrt. Was bedeuten Ihnen Preise?

Tja, gute Frage. Es gibt sehr gute Witze zu Preisen. Ich freue mich sehr über diesen Preis, denn ich bin gar nicht so preisverwöhnt. Die Merzens sind das beste Beispiel. Das ganze Format wird überhaupt nicht beachtet, obwohl ich es außerordentlich gut finde. Daher freue ich mich auch über alle Maßen über diese Würdigung. 

Das Festival verweist auch auf den Film „Mimi und ich“. Sie verkörpern die Mutter der Journalistin Iris Sayram, eine Putzkraft und Prostituierte. Was bedeutet Ihnen diese Arbeit?

Ja, sauviel. Dieses Projekt ist für mich persönlich ein richtiger Sechser im Lotto. Eine ganz tolle Figur. Ich habe den Film schon gesehen und sehe darin auch meine Entwicklung als Schauspielerin. Das hört sich hochtrabender an, als ich es meine. Es ist einfach ein Wurf und ich darf darin eine wunderbare Rolle spielen. Ich bin sehr glücklich über diese Arbeit.

Begrüßen Sie es, dass auf der Berlinale nur noch Preise für die beste Haupt- und Nebenrolle vergeben werden und nicht – wie beim Oscar – Männer und Frauen getrennt prämiiert werden?

Ich glaube, dass sich der eine oder die eine oder andere Kollegin geärgert haben wird, dass es jetzt noch härter wird, auf der Berlinale einen Preis zu gewinnen. Ich verstehe das, sehe dieses Wording aber auch als Experiment. Wenn nicht auf der Berlinale, wo sonst? Wir dürfen gespannt sein, ob sich diese Regelung dauerhaft durchsetzt. Ich verstehe auch die Diskussion. Wie gesagt: typisch Berlinale. (lacht) Das ist gut, das ist okay.

Dieser Beitrag erschien im „Oscar am Freitag“-Magazin, Ausgabe 8 (2026)

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