Lange vor der Erfindung der Barbie-Puppe erblickte Kewpie (kjupi) das Licht der Welt und eroberte im Sturmlauf die Herzen der Kinder auf der ganzen Welt.
Auch die Entstehungsgeschichte beider Puppen ist sehr ähnlich. Die Kewpies, die aus der Feder der Amerikanerin Rose O’Neill stammen, wurden zum ersten Mal im Jahre 1909 in der Weihnachtsausgabe der Zeitschrift „Ladies Home Journal“ veröffentlicht. Sie erreichten mit ihren Schelmengesichern, großen Kulleraugen, einem verschmitzten Lächeln und dem typischen kleinen Kullerbauch eine so große Beliebtheit, dass die Figuren auch von anderen Zeitschriften übernommen wurden. In der nächsten Phase erschienen sie als „Anziehpuppen“, zweiseitig zum Ausschneiden und zum Zusammenkleben. Auch die Bekleidungsstücke und Utensilien konnten ausgeschnitten werden.
Die Barbie, heute die weltweit bekannteste Mode- und Anziehpuppe, stammt ursprünglich aus der Feder des deutschen Karikaturisten Reinhard Beuthin. Barbie, die bei ihrer „Erfindung“ 1952 noch den Namen Lilli trug, war mehr für die männliche Leserschaft als für Kinder und Frauen gedacht. Sie applizierte bei den Lesern die Idealvorstellungen von einer verruchten, lasziven Frau und erschien nun täglich in der Bildzeitung. Drei Jahre später gaben Marketingstrategen Lilli eine Gestalt. – Barbie war geboren.
Auch Rose O’Neill wurde von ihren Anhängern und Freunden immer mehr bedrängt, Kewpies zum „Anfassen“ auf den Markt zu bringen. 1913 ließ Rose O’Neill die Kewpies patentieren. Das Import – Exporthaus für Puppen, Spielwaren und Porzellanartikel Borgfeld & Co. mit Sitz in New York sicherte sich die Rechte für die plastische Darstellung der kleinen Gesellen und ließ diese zuerst bei der in Ohrdruf, Haberlandstraße 12, ansässigen Porzellanfabrik Kestner & Co. anfertigen.
Rose O’Neill kam im Jahr 1912 persönlich, um die Fertigung der ersten Kewpies aus feinstem Biskuitporzellan zu beaufsichtigen. Kestner enttäuschte seine Auftraggeberin nicht, er trug nicht von ungefähr den vielsagenden Beinamen „König der Puppenmacher“. Das Firmenlogo und die Puppenmarke war eine Krone mit einem eingeflochtenen Band. Auf diesem Band steht der Schriftzug „Kronen Puppen Kestner“.
Später wurden die Puppen auch von der Ohrdrufer Firma Hertel, Schwab & Co. in der Suhler Straße 48 und bei Alt, Beck und Gottschalk in Nauendorf produziert. Die Puppen lösten in Amerika einen wahren Kewpie-Boom aus, der die gesamten zwanziger und dreißiger Jahre anhielt.
Auch in Japan erwarb man 1913, zunächst nur für ein Jahr, die Lizenz zur Herstellung der Puppe. Sowohl die deutschen als auch die japanischen Modelle waren auf den nationalen und internationalen Märken, insbesondere auf dem amerikanischen Markt, sehr erfolgreich. Die Puppen unterschieden sich nur in der Strichführung der Augenbrauen. In Fernost erfreuen sich die Puppen noch heute größter Beliebtheit bei Jung und Alt. In Japan und anderen Ländern wird alljährlich der 25. Juni, der Geburtstag von Rose O’Neill, als „Kewpie-Day“ gefeiert.
Die Ohrdrufer Puppen- und Bärenbörse am 27. und 28. Oktober ist das zweite „Doll“e Jubiläum, dass die Stadt in diesen Tagen begehen kann. Frau Leokadia Wolfers, die die Veranstaltung seit 10 Jahren im Auftrag der Stadt organisiert, hat bereits einen Rekord bei den Ausstellern für diese Jahr angekündigt. In diesem Jahr werden erstmals über 20 Aussteller erwartet. Damit ist die Kapazität des Bürgersaales bis an die Grenzen ausgereizt.
Puppen und Bären aus zwei Jahrhunderten werden ausgestellt und zum Verkauf angeboten. Im Rahmen der Veranstaltung werden auch Workshops rund um die Puppe stattfinden: Interessenten an diesen Kursen können sich schon heute telefonisch: 0178 533 5668 oder per e-mail: Leokadia.Wolfers@t-online.de anmelden. Natürlich können, wie in den vergangenen Jahren, auch historische Puppen und Bären erworben werden. Die Aussteller sind gern bereit, ihre Puppen zu begutachten und zu bewerten.
Bis zu Beginn der Veranstaltung am 27.10. werden auch die Bauarbeiten am 3. Bauabschnitt des Schlossparks weitestgehend abgeschlossen sein. So dass sich das Ohrdrufer Schloss schon äußerlich in einem vollkommen neuen Umfeld präsentiert.




















