Während am Ende wohl nur noch Herzinfarktpatienten gesessen haben dürften stand ein Großteil der 1920 Zuschauer, zitterte, schrie oder klatschte rhythmisch in die Hände. Was erst wenige Tage zuvor, im Verlauf der Auftaktbegegnung in Gießen noch misslang, war am Abend des 08.April von Erfolg gekrönt. Physisch auf dem Zahnfleisch gehend und um Dorenzo Hudson durch Disqualifikation beraubt, schickte Billy Rush mit zwei nervenstark verwandelten Freiwürfen nach der Schlusssirene den Schlagabtausch in die Overtime, in dessen Verlauf die Saalestädter eine Aufholjagd krönten, welche nach der ersten Halbzeit nur noch wenige Anhänger der Mannschaft zugetraut hatten. Insbesondere Lars Wendt und Kristian Kuhn drückten diesen fünf Extraminuten ihren Stempel auf, sorgten für die glückliche, letztendlich aber verdiente Wende eines bereits verloren geglaubten Spiels.
In einer Kopie des ersten Viertelfinalspiels in der Gießener Osthalle lagen die Thüringern schnell in Rückstand, starteten 0:6 (1.), 1:8 (3.) und 5:15 (7.), um mit einem ernüchternden 9:22 in die erste Viertelpause zu gehen. Während auch der zweite Spielabschnitt zunächst im Zeichen der Gäste stand, das Team um Denis Wucherer den Gießener Vorsprung bis zur Halbzeitsirene auf 41:25 ausbauen konnte, wendete sich das Blatt nach einer entsprechenden Kabinenansprache inkl. eines zerschmetterten Taktikbretts in Jenas Umkleide.
Spätestens mit Dorenzo Hudsons Fadeaway-Jumper zum 53:54, parallel zur Viertelsirene war die Partie fast wieder auf Null gestellt. Nachdem der am gestrigen Abend seine variable Bandbreite abrufende Lars Wendt mit einem Korb zum 55:54 die vermeintlich finalen zehn Minuten eröffnet hatte entwickelte sich ein echter Hitchcock, bei dem die Fans zwischen hinsehen oder wegschauen zu entscheiden hatten. Erneut waren es in der Folge jedoch die Gäste, die sich über 60:69 (35., Bennett) bis auf 62:71 (36., Hesson) absetzen konnten, bevor Science City den Krimi in den letzten Minuten der regulären Spielzeit doch noch mit einem 10:1-Lauf in die Verlängerung schickte. Dorenzo Hudson, zwischenzeitlich in der 37.Minute vom Spiel ausgeschlossen,musste sich vorzeitig in die Kabine verabschieden, litt mit seinem Team akustisch mit.
In der Overtime erwischten die Lahnstädter den besseren Start, setzten sich zunächst durch einen Agne-Dreier auf 74:78 (42.) ab, bevor Jena zur letzten Attacke blies. Kristian Kuhns Freiwürfe sowie Billy Rushs eingesprungener Dunk zur Jenaer 80:78-Führung gaben dem Harmsen-Team den letzten Kick, bevor Lars Wendt seine bärenstarke Leistung mit einem Vier-Punkte-Spiel zum 86:81 (43.) krönen konnte.
Statement Björn Harmsen: „Natürlich bin ich überglücklich, dass wir dieses Spiel heute gewonnen haben. Ich habe es auch schon gerade den Jungs gesagt, dass ich sehr stolz darauf bin, wie sie die Partie am Ende noch umgebogen haben, mit sehr viel Energie, Einsatz und Leidenschaft, wie sie als Mannschaft zusammen gekämpft haben. Wir sind wieder recht passiv in die Partie gestartet weil wie versucht haben passiver zu verteidigen. Ich glaube man hat ganz deutlich gesehen, dass das nicht unsere Art und Weise ist unser Spiel zu spielen.
Science City Jena gastiert bereits am Freitagabend um 20.00 Uhr zum dritten Viertelfinale in der der Osthalle in Gießen.























