93:82-Heimsieg im Playoff-Viertelfinale gegen die Gießen 46ers

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Jena 93, Gießen 82 – Wenn man sich dabei ertappt, auch in der Videonachbetrachtung des zweiten Viertelfinalduells nach wichtigen Körben die Fäuste zu ballen muss es ein außergewöhnliches Spiel gewesen sein. Science City Jena sendete am gestrigen Abend ein deutliches Lebenszeichen, rang nach fünf minütiger Verlängerung den Kontrahenten aus Hessen nieder, belohnt sich und seine Fans mit einem zweiten Heimspiel am Sonntagnachmittag um 17.00 Uhr in der Sparkassen-Arena.

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Während am Ende wohl nur noch Herzinfarktpatienten gesessen haben dürften stand ein Großteil der 1920 Zuschauer, zitterte, schrie oder klatschte rhythmisch in die Hände. Was erst wenige Tage zuvor, im Verlauf der Auftaktbegegnung in Gießen noch misslang, war am Abend des 08.April von Erfolg gekrönt. Physisch auf dem Zahnfleisch gehend und um Dorenzo Hudson durch Disqualifikation beraubt, schickte Billy Rush mit zwei nervenstark verwandelten Freiwürfen nach der Schlusssirene den Schlagabtausch in die Overtime, in dessen Verlauf die Saalestädter eine Aufholjagd krönten, welche nach der ersten Halbzeit nur noch wenige Anhänger der Mannschaft zugetraut hatten. Insbesondere Lars Wendt und Kristian Kuhn drückten diesen fünf Extraminuten ihren Stempel auf, sorgten für die glückliche, letztendlich aber verdiente Wende eines bereits verloren geglaubten Spiels.

In einer Kopie des ersten Viertelfinalspiels in der Gießener Osthalle lagen die Thüringern schnell in Rückstand, starteten 0:6 (1.), 1:8 (3.) und 5:15 (7.), um mit einem ernüchternden 9:22 in die erste Viertelpause zu gehen. Während auch der zweite Spielabschnitt zunächst im Zeichen der Gäste stand, das Team um Denis Wucherer den Gießener Vorsprung bis zur Halbzeitsirene auf 41:25 ausbauen konnte, wendete sich das Blatt nach einer entsprechenden Kabinenansprache inkl. eines zerschmetterten Taktikbretts in Jenas Umkleide.

Was nun folgte erinnerte an die Phase der Saison, die nach zuletzt vier Niederlagen in Folge langsam zu verblassen drohte. Durch Kristian Kuhn und Lars Wendt auf 30:41 (22.) in Schlagdistanz gebracht, zog Wucherer die Notbremse, nahm nach bereits 65 Sekunden eine taktische Auszeit. Vergeblich, denn Jenas Korbjäger hatten, angetrieben durch die lautstarke Kulisse Blut geleckt, verkürzten Punkt um Punkt den vormals hohen Rückstand. Im Distanzwurf-Dreierpack durch Wendt (24., 36:43), Hudson (24., 39:43) und Rush (25., 42:43) verkürzend, sorgte Julius Wolf mit zwei Freiwürfen zum vielumjubelten 50:50-Ausgleich in der 28.Minute. Zwar konterten die 46ers durch Anthony Di Leo, der mit der rechten Zehenspitze auf der 6,75m-Linie stand kurzzeitig auf 50:52.

Spätestens mit Dorenzo Hudsons Fadeaway-Jumper zum 53:54, parallel zur Viertelsirene war die Partie fast wieder auf Null gestellt. Nachdem der am gestrigen Abend seine variable Bandbreite abrufende Lars Wendt mit einem Korb zum 55:54 die vermeintlich finalen zehn Minuten eröffnet hatte entwickelte sich ein echter Hitchcock, bei dem die Fans zwischen hinsehen oder wegschauen zu entscheiden hatten. Erneut waren es in der Folge jedoch die Gäste, die sich über 60:69 (35., Bennett) bis auf 62:71 (36., Hesson) absetzen konnten, bevor Science City den Krimi in den letzten Minuten der regulären Spielzeit doch noch mit einem 10:1-Lauf in die Verlängerung schickte. Dorenzo Hudson, zwischenzeitlich in der 37.Minute vom Spiel ausgeschlossen,musste sich vorzeitig in die Kabine verabschieden, litt mit seinem Team akustisch mit.

In der Overtime erwischten die Lahnstädter den besseren Start, setzten sich zunächst durch einen Agne-Dreier auf 74:78 (42.) ab, bevor Jena zur letzten Attacke blies. Kristian Kuhns Freiwürfe sowie Billy Rushs eingesprungener Dunk zur Jenaer 80:78-Führung gaben dem Harmsen-Team den letzten Kick, bevor Lars Wendt seine bärenstarke Leistung mit einem Vier-Punkte-Spiel zum 86:81 (43.) krönen konnte.

Statement Björn Harmsen: „Natürlich bin ich überglücklich, dass wir dieses Spiel heute gewonnen haben. Ich habe es auch schon gerade den Jungs gesagt, dass ich sehr stolz darauf bin, wie sie die Partie am Ende noch umgebogen haben, mit sehr viel Energie, Einsatz und Leidenschaft, wie sie als Mannschaft zusammen gekämpft haben. Wir sind wieder recht passiv in die Partie gestartet weil wie versucht haben passiver zu verteidigen. Ich glaube man hat ganz deutlich gesehen, dass das nicht unsere Art und Weise ist unser Spiel zu spielen.

Wir müssen aggressiv agieren, um die Spannung und den Druck oben zu halten. Genau das war der Ansatzpunkt nach der Halbzeit. Mit Beginn der zweiten Hälfte haben wir wieder umgestellt und die Stops bekommen die nötigen waren ins Spiel zu kommen. Im Endeffekt war es ein ähnlicher Spielverlauf wie am Samstag in der Osthalle. Hier spielt der Vierte gegen den Fünften, mehr Spannung kann man da nicht haben. Am Ende waren es Nuancen die den Ausschlag gegeben haben. Ich denke, die beiden Teams haben die Zuschauer sehr gut unterhalten und ausreichend Spannung geboten“.

Science City Jena gastiert bereits am Freitagabend um 20.00 Uhr zum dritten Viertelfinale in der der Osthalle in Gießen.