Wenn einer eine Reise tut, kann er viel erzählen. So heißt es. Im Falle von Dr. Jan Lorbeer stimmt es. Der 41-Jährige verbrachte mehr als fünf Jahre im Ausland: In Togo, Kenia, Israel und Norwegen praktizierte der Zahnarzt in seinem Beruf. Vier Auslandsaufenthalte in vier Ländern, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
„Mich hat es schon immer ins Ausland gezogen“, bekennt der Jenenser. „Nach Abschluss meines Studiums war für mich der ideale Zeitpunkt gekommen, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen.“ Über einen privaten Verein von Zahnärzten stieß er schließlich auf Togo, ein westafrikanisches Land. Im dortigen Buschkrankenhaus gab es ein „Cabinet dentair”, das zwar nicht neu, aber recht gut ausgestattet war. Dennoch war die Arbeit sehr anstrengend: „Eigentlich völlig verrückt; das Klima – heiß und drückend, die Sprache, französisch, sprach ich nicht. Es waren harte drei Monate, aber im Nachhinein eine gute Zeit, da ich in Togo gelernt habe, mich zu behaupten und auch unter widrigen Umständen zu leben“, so Jan Lorbeer rückblickend.
Zurück in Deutschland, suchte der Zahnarzt nach der nächsten Aufgabe, denn reif für eine eigene Praxis fühlte sich der damals 30-Jährige noch nicht. Über ein Programm der Agentur für Arbeit kam er nach Norwegen. „Wenn schon, dann richtig. Ich entschied mich, in Skjervøy, einem Ort nördlich des Polarkreises, meine Zelte aufzuschlagen. Vier Tage lang dauerte allein die Reise mit dem PKW dorthin.“ Die Reise lohnte sich: Ganze fünf Jahre blieb der Zahnarzt in Norwegen, fühlte sich pudelwohl und integriert. Wichtig war natürlich, dass er die Sprache lernte und fließend sprach. Faszinierend waren auch die Natur-Erlebnisse: Dunkle Winter, in denen die Sonne nicht aufgeht und Sommer, in denen es nicht dunkel wird. „Das Leben in Nord-Norwegen ist durch die phantastische Natur geprägt.
Man lebt gleichzeitig im Hochgebirge und am Meer. Dadurch finden sich hervorragende Möglichkeiten für das Wandern und Fischen. Outdoor wird dort groß geschrieben.“ Die Zeit in Skandinavien nutzte Jan Lorbeer, um noch mal „weg“ zu gehen. Nach Israel. Drei Wochen arbeitete der Arzt in einer Jerusalemer Zahnklinik – unentgeltlich wohlgemerkt, wie bei den Aufenthalten in Afrika. In der Jerusalemer Klinik wurden Kinder aller Religionen und Glaubensrichtungen aus armen Familien behandelt. „Das war eine sehr schöne Zeit, die Verständigung klappte prima, es wurden zahlreiche Unternehmungen organisiert – und natürlich die beeindruckende, geschichtsträchtige Stadt, die bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.“
Ein Jahr später ging es nochmals nach Afrika: Der Jenaer verbrachte jeweils drei Wochen in Kenia, 2003 und 2004. „Das Ganze war besser organisiert als in Togo, es gab angelernte Helfer und Helferinnen, das war ein großes Plus, da man sich so auf die eigentliche Behandlung der Patienten konzentrieren konnte“, weiß Jan Lorbeer. In sogenannten „mobiles“ ging es aufs Land, um auch die Bevölkerung dort zu behandeln. „Das Behandeln mitten im Dorf stellt schon etwas Besonderes dar – ein Küchenstuhl unter einem Baum als Zahnarztpraxis. Die Mitarbeiter sind auch hier gut eingespielt und die Ausstattung mit der mobilen Behandlungseinheit war okay. Auch dort haben wir vorrangig Zähne gezogen“, erinnert sich Jan Lorbeer.
Zwei Jahre blieb er noch in Norwegen, dann ging es zurück nach Jena, wo er sich mit einer eigenen Zahnarztpraxis selbstständig machte. Doch zu dem nordischen Land hat er immer noch eine enge Bindung: Seine Mutter folgte ihm einige Jahre später nach Skjervøy, lernte einen Norweger kennen und lieben und lebt seitdem dort.
Beitrag OSCAR-AM-FREITAG, Ausgabe 12





















