Ina Benad ist seit dem 1. Juni 2011 Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Gotha. David Ortmann sprach mit ihr über neue Herausforderungen, die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt und den Wirtschaftsstandort Thüringen.
Hand aufs Herz. Sie haben dieses Amt übernommen, ohne Ihren Vorgängern etwas anzukreiden. Was läuft noch nicht so richtig?
Meiner Vorgängerin danke ich für die gute Arbeit. Wie Sie wissen, war ich in den vergangenen Jahren bereits als Geschäftsführerin operativ in Gotha tätig und habe so die gute Entwicklung vom Arbeitsamt hin zur Agentur für Arbeit mit beeinflussen können. In der Region haben wir uns als wichtiger Dienstleister am Arbeitsmarkt etabliert. Auch an den Kundenreaktionen merken wir, dass viele Kunden sich für die gute Beratung und Betreuung bedanken. Uns freut natürlich besonders, dass wir, nachdem die Wirtschafts- und Finanzkrise überstanden ist, in der Region entsprechende Arbeitsplätze anbieten können.
Was ist denn die größte Herausforderung?
Dass derzeit überwiegend Fachkräfte gesucht werden. Das wird tendenziell auch so bleiben. Dies bietet den Arbeitslosen die Chance, sich beruflich weiter zu entwickeln und nicht in einer Helfertätigkeit zu verharren.
Wird das allen gelingen?
Wir haben eine ganze Menge Kunden, die keine entsprechenden Abschlüsse haben. Und für manche ist es schwierig, solche zu erwerben. Das liegt nicht immer bloß am Wollen, sondern eben manchmal auch an den individuellen Voraussetzungen. Wir unterstützen die berufliche Qualifizierung der Kunden intensiv, um ihnen so einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
Matthias Machnig, der Wirtschaftsminister des Freistaates Thüringen, hat kürzlich erklärt, dass sich Unternehmen künftig dort ansiedeln, wo sie genügend Fachkräfte finden. Ist das bei dem derzeitigen Mangel an Fachkräften ein Nachteil für den Wirtschaftsstandort Thüringen?
So kann man das nicht sagen. Es ist eine Auswirkung der gesellschaftlichen Entwicklung, dass wir jetzt den Rückgang der Schulabgänger haben. Wenn wir in die Zukunft blicken, können wir allerdings sagen, dass die Zahl der Schulabgänger im Landkreis Gotha relativ konstant bleiben wird. Natürlich benötigen die Unternehmen gut ausgebildete Fachkräfte. Wir unterstützen die Jugendlichen bei der Wahl ihres künftigen Berufs und zeigen ihnen, in welchen Branchen die Chancen gut sind.
Wird in Thüringen der Fachkräftemangel behoben, wenn das Lohnniveau nicht steigt?
Wir haben nach wie vor ein relativ niedriges Lohnniveau. Vom Freistaat wurde bereits eine neue Image-Kampagne für Thüringen gestartet. Ich denke, dass wir in der Mitte Deutschlands gute wirtschaftliche Voraussetzungen bieten. Dies zeigen auch die gute Entwicklung der Unternehmen und die hohe Nachfrage nach Fachkräften. Diese müssen entsprechend bezahlt werden, um sie in der Region zu halten. Zunehmend stellen sich die Firmen diesem Thema und zahlen besser als in der Vergangenheit. Der Wettbewerb um die Köpfe läuft und wird zum Teil über das Lohnniveau geführt.
Wirkt sich diese Entwicklung auch auf die Vermittlung der Langzeitarbeitslosen aus?
Je mehr sozialversicherungspflichtige Stellen angeboten werden, desto besser kann man auch Personen in den Arbeitsmarkt integrieren, die in der Vergangenheit nicht vermittelbar waren. Dazu gehören auch Langzeitarbeitslose. Bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit haben wir schon gute Ergebnisse erzielt, denn die Zahl der unter 25-Jährigen Arbeitslosen ist extrem niedrig.
In diesem Jahr ist die Zahl der freien Stellen auf dem Ausbildungsmarkt erstmals größer als die Zahl der Schulabgänger …
Wir haben für unsere Jugendlichen in diesem Jahr eine sehr erfreuliche Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Insbesondere hier im Landkreis Gotha stehen erstmals mehr betriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung als Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen. Das bedeutet für die Unternehmen, dass es schwieriger wird einen Auszubildenden zu finden. Hier gilt es frühzeitig mit uns als Agentur zusammenzuarbeiten. Wir sind der kompetente Ansprechpartner für die Unternehmen und die Jugendlichen.
Beitrag OSCAR-AM-FREITAG, Ausgabe 12






















