Die wundersame Vermählung von Häkeln und Kunst

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Thomas Offhaus vor seiner Ausstellung. Foto: Bernd Seydel

Thomas Offhaus eröffnete die 7. Präsentation von Kunst im Schaukasten beim art der stadt e.V. in Gotha.

Die drei Schaukästen im Eingangsbereich zum „Fundament“, der Spielstätte des art der stadt e.V. in Gotha, sind neu befüllt. Der Gothaer Künstler Thomas Offhaus zeigt darin seine Installation „verwicklungen – after six weeks of use“. Zu sehen ist sie noch bis Ende November. Der Zugang ist jederzeit frei, da im öffentlichen Bereich gelegen. Von Thomas Offhaus konnte man in den letzten Jahren und Jahrzehnten sehr vielseitige Kunst sehen: Malerei, Grafik, Zeichnungen, Plastiken, Installationen, dazu Musik in verschiedenen Konstellationen. Als begnadeter und geduldiger Pädagoge führte er junge und ältere Menschen an die Kunst und tief in sie hinein. Aber das, was er jetzt im Kunstkasten neben dem Kulturhaus zeigt, trägt eine ganz neue Handschrift.

Das Häkeln lernte er eher nebenbei. Bei der Eröffnung am 2. Oktober sprach er ganz offen von seinen Depressionen und der professionellen Hilfe, die er sich suchte. Im Zuge der Therapie begegnete ihm die sogenannte Nadelarbeit neu. Doch statt Topflappen und Mützen häkelte Thomas Offhaus wundersame Gebilde. Sein künstlerischer Blick entdeckte sofort das Besondere des Häkeln: „Bei jeder Masche kann ich neu entscheiden, wie es weitergeht.“ Statt immer brav der Reihe nach fingen die Gebilde an zu wuchern. Schnell entfernte er sich vom klassischen Faden. Spezielle Mülls.cke schnitt er in feine Streifen, verhäkelte sie und ließ sie unter Wärmeeinwirkung schmelzen. Das Ergebnis ist überraschend. Spielerisch verbindet er Konvention und Ausbruch, Kitsch und Gestaltung, Bekanntes und Erfundenes.

Im Kunstkasten wird daraus eine dreidimensionale Landschaft. Doch das reicht Thomas Offhaus nicht. Vielfältige Verwebungen mit der eigenen Biografie sind hineingearbeitet. Er zitiert Künstler, die ihm am Herzen liegen, er nutzt malerische Hintergründe, eigene Drucke, formale Bezüge zwischen den drei Segmenten des Kastens.

Wenn man sich nur ein wenig Zeit dafür nimmt, kann man in einen faszinierenden kleinen Kunstkosmos eintauchen. So unbedarft dieses Werk auf den ersten Blick daherkommt, so präzise ist es komponiert. Ein wunderbares Werk – und 24 Stunden am Tag zu besichtigen.

Dr. Bernd Seydel

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