Doppelehrung für Henriette Dushe

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Der mit 6000 EUR dotierte Jakob Michael Reinhold Lenz-Preis der Stadt Jena ist gesern Abend an Henriette Dushe verliehen worden. Und damit nicht genug – für ihr Stück „In einem dichten Birkenwald. Nebel“ bekam sie den mit 1000 EUR dotierten Publikumspreis gleich dazu.

Hier ist ein Ausschnitt aus der Jury-Begründung: „In Henriette Dushes „Bühnenelegie“ loten drei Frauenfiguren und drei Männer-Stimmen Erinnerungsstrukturen aus: Es geht um an- fallartige Amnesien, um realsozialistische Diktaturrückstände, um schnöde Gegenwartsphänomene und um die Frage, wie alles mit- einander zusammenhängt – kurz: um alles.

Und diese Zusammenhänge kommen eben nicht als plakative Erklärungsschnellschüsse daher, sondern schlängeln sich wohltuend deutungsoffen, polyphon und gleichzeitig hoch präzise durch den Text. Mit traum- wandlerischer Sicherheit changiert Henriette Dushes dramatische Sprache zwischen Konkretion und Abstraktion, zwischen indivi- duellem und kollektivem Gedächtnis, zwischen singulärem und gemeinschaftlichem Sprechakt.

Und genau so, wie die jüngere Vergangenheit hier immer wieder buchstäblich einsickert in die Jetztzzeit, bleibt auch die Gegenwart selbst angemessen schwer greifbar: Statt gemütlicher Deutungssicherheit verspricht „In ei- nem dichten Birkenwald, Nebel“ Vielstimmigkeit, Interpretations- autonomie und Komplexität.“

H&H Makler