Oscar Querbeet: Märchen und „Freier Fall“

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Fliesenstudio Arnold

Neun junge Menschen machen gemeinsam und auch manchmal allein Kunst. Sie sind Studierende an der Universität in Erfurt. Sie nennen sich: Ist-Kollektiv – ein Beitrag von Dr. Bernd Seydel.

((Frage von hinten: „Was haben die mit Gotha und dem art der stadt zu tun?“))
Das will ich gerne erklären. Fangen wir ungefähr von vorne an, also da, wo man zum Fundament, unserer Spielstätte, reingeht.

Der Gang ist links vom Kulturhaus, und das Kulturhaus ist genau gegenüber dem Neuen Rathaus, und das steht ungefähr 600 Meter nordöstlich vom Schloss Friedenstein – und wenn du das nichts kennst, dann bist du nicht in Gotha. Gotha liegt ungefähr in der Mitte zwischen Frankfurt …

(Hinweis von hinten: „Kannst du bitte zum Ist-Kollektiv zurückkommen.“)
Danke. Zurück zum Gang. Im Gang hängen drei dreigeteilte Schaukästen. Plakate darin informieren über unsere Kurse, die nächsten Veranstaltungen und auch die Gastspiele. Der erste Schaukasten aber ist besonders. In ihm zeigen wir Kunst. Kunst im Schaukasten. Kunst im öffentlichen Raum. Jederzeit zugänglich. Abends beleuchtet. Der Gothaer Künstler Rüdiger Franke betreute die erste Runde mit Künstlerinnen und Künstlern aus Gotha. Jetzt hat Thomas Offhaus den Staffelstab übernommen und begeistert Kunstmenschen außerhalb von Gotha für den Schaukasten. „pro/spekt“ heißt der bei uns.

Die Stimme tritt vor: „Verstehe, und deshalb Kunstmenschen aus Erfurt?“
Genau. Die neun Studierenden haben sich zusammengefunden, arbeiten gemeinsam, unterstützen sich bei Ausstellungen. Aber in Gotha haben sie noch etwas anderes probiert. Jeweils drei von ihnen gestalten gemeinsam ein Drittel des Schaukastens. Kunst im Kollektiv. Geht das? Was mache ich, wenn mir eine Idee des anderen nicht gefällt? Bleibe ich flexibel in meinen Gedanken? Kann ich andere Gedanken aufgreifen und weitertreiben? Wer malt den ersten Strich, wählt die zweite Farbe?

Das Thema: „Sterntaler“ – das vermutlich gut bekannte Grimm’sche Märchen vom Mädchen, das alles weggibt und am Ende mit Gold aus dem Himmel belohnt wird.
Die Stimme, jetzt etwas mutiger: „Ist das alles gut geworden?“

Ja, auf jeden Fall interessant, herausfordernd. Du kannst im Schaukasten viel entdecken. Du solltest dir nur ein wenig Zeit nehmen. Auf den ersten Blick sieht man weniger als die Hälfte. Und jetzt schnell zum Eingang des Fundaments und hinschauen.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 3 (2026)

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