Lernerfolge sichtbar machen: Gothaer Förderzentrum zeigt im Herzen der Stadt Charakter

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150 Schülerinnen und Schüler lernen derzeit am staatlichen Förderzentrum Lucas-Cranach-Schule in Gotha. Unterrichtet werden Kinder und Jugendliche von der ersten bis zur zehnten Klasse mit Lernschwächen sowie emotional-sozialen Auffälligkeiten.

„Die Zahl der Schüler an unserem Förderzentrum nimmt wieder zu“, sagte Michelle Kranhold (in der Mitte des Bildes), die stellvertretende Schulleiterin. Das sah zwischenzeitlich anders aus. Trotz Einschränkungen sollten Kinder zunächst in einer „gewöhnlichen“ Grundschule beginnen – Inklusion stand ganz oben auf der Agenda. Michelle Kranhold sieht jedoch auch Nachteile in diesem Vorgehen. So seien Klassen an Grundschulen größer als am Förderzentrum. Somit bleibe die individuell angepasste Betreuung für eben jene Schüler mit Beeinträchtigungen auf der Strecke. „Unsere Lehrer sind anders ausgebildet als ein ‚durchschnittlicher‘ Grundschullehrer“, so die stellvertretende Schulleiterin. Da werde weder Schülern noch Lehrern ein Gefallen getan.

Das über 30 Männer und Frauen starke Personal aus Lehrern, Sonderpädagogen, Schulsozialarbeitern und „Alltagshelden“ – einer Schulkrankenschwester und den Hausmeistern – bietet ein Rundum-sorglos-Paket. Unterstützt werden sie vom Schulsozialarbeiter Martin Hahn (links im Bild) und von Mental Health Coach Johanna Kühn.
Michelle Kranhold stellte klar, dass es „unser oberstes Ziel ist, die Stärken der Schüler zu fördern“. Das sei in oft emotionalen Elterngesprächen das Zünglein an der Waage. Die Eltern wollen natürlich ihren Kindern helfen, erläuterte Martin Hahn, jedoch scheinen einige Eltern auch Bedenken hinsichtlich einer möglichen Separierung zu haben. Das Lernen an einem Förderzentrum sei kein Stempel fürs Leben, bekräftigte Michelle Kranhold. „Wir haben mehr Zeit für jeden einzelnen Schüler. Wir setzen auf bewährte Integrationsstrategien und sorgen für ein gesteigertes Selbstbewusstsein bei unseren Lernenden“, sagte Kranhold stolz. Die Zahl der Eltern, die der Lucas-Cranach-Schule über die Jahre mit Vorurteilen begegneten, lasse sich an den Fingern einer Hand abzählen.

Genauso verschieden wie jeder einzelne Schüler seien auch die Lehrer. Kranhold stellte klar, dass dem Personal nicht vorgeschrieben sei, ob es frontal unterrichtet oder zum Beispiel mit einem Wochenplan-System arbeitet. Eines sei jedoch wichtig: „Bezogen auf die jeweilige Klasse sollte sich jeder Lehrer für nur ein System entscheiden.

Fortsetzung von Seite 22: Die Kinder brauchen Strukturen“, befand Michelle Kranhold. Das bedeute jedoch nicht, dass jeder Schüler nach dem Abschluss einen anderen Bildungsstand hat. Die Vorgaben der landesweiten Grund- und Regelschullehrpläne werden eingehalten.

Doch die Lucas-Cranach-Schule in Gotha bietet mehr als nur Unterricht. Eine äußerst bereichernde Ergänzung sind die vielen Projekte (siehe Fotos vom Fasching), findet Schulsozialarbeiter Martin Hahn. „Wir zeigen den Schülern, wie sie Wissen aus dem Unterricht anwenden können“, bekräftigte er. Und weiter: Dank der Projekte sammeln die Schüler erste praktische Erfahrungen. „Demokratiebildung, Sozialverhalten, Teamwork: All das stärkt den Charakter unserer Kinder“, unterstrich Hahn.

Somit sei die Lucas-Cranach-Schule nicht einfach eine Einrichtung nach „Schema F“, wie der Schulsozialarbeiter es nennt. Was das Förderzentrum jedoch mit vielen „gewöhnlichen“ Schulen teilt, sind Lücken beim Fachpersonal. Besonders Englisch, Musik, Physik und Chemie seien betroffen.

„Unsere Schule ist und bleibt bunt“, zogen sowohl Michelle Kranhold als auch Martin Hahn als Fazit. Die Projekte, der Einsatz des Personals und die aktive Mitwirkung der Schüler machen das Förderzentrum in der Breiten Gasse 5 zu einem zentralen Bestandteil der Bildungslandschaft im Landkreis Gotha.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 3 (2026)

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