Dr. Elke-Ursel Hammer (Koblenz)

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Nur wenig ist bekannt über die Geschichte der zisterziensischen Frauengemeinschaft, die mehr als zwei Jahrhunderte – vom Spätmittelalter bis zur frühen Reformationszeit – im Zentrum der Stadt Jena direkt an der Stadtpfarrkirche St. Michael lebte.

Umso bemerkenswerter sind die Erkenntnisse, die uns die urkundliche Überlieferung des Klosters über das zeitgenössische Leben in der Stadt Jena bereitet. Sie spiegeln den raschen Aufstieg der Lobdeburg-Leuchtenburger Adelsfamilie, den Ausbau Jenas zum Herrschaftsmittelpunkt samt Hauskloster und Grablege und den dominierenden Einfluss des Klosters auf kirchlichem, politischem und ökonomischem Gebiet in Stadtpfarrkirche, Patronatswesen, Schule, Gottesdienst und geistlichem Stiftungswesen wider. Das mal störungsfrei-kooperative, mal spannungsreich-konfrontative Verhältnis zwischen Stadtrat und Klosterpropst prägte die Entwicklung der Stadt, die sich zunehmend von der Dominanz des Klosters emanzipieren konnte.

Die von Kontinuitäten, Wandlungen und Umbrüchen gekennzeichnete Symbiose endete erst mit dem Untergang des Klosters in der Reformationszeit und lässt in besonderer Weise erkennen, wie wenig die Klöster des ausgehenden Mittelalters auf ihre rein geistliche Funktion reduziert werden können.

Der Vortrag geht diesen Entwicklungen nach, sucht jedoch auch die innere Struktur und Geschichte der Klostergemeinschaft selbst aufzuzeigen, die ebenfalls emanzipatorische Tendenzen aufwies und sich mit zunehmend dramatischen Forderungen nach Reform des klösterlichen Lebens und Reformation konfrontiert sah.

Die Referentin Dr. Elke-Ursel Hammer ist Archivoberrätin am Bundesarchiv in Koblenz. Sie promovierte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zu dem Kölner Abt Adam Meyer von Groß St. Martin und dessen Rolle innerhalb der monastischen Reformen des Spätmittelalters.

Zum Vortrag ist wie immer – neben den Mitgliedern – die interessierte Öffentlichkeit eingeladen. Der Eintritt ist frei.

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