Eine Führung mit Peter Mildner, Präparator Museum der Natur Gotha

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Die Reihe „Friedensteins Schätze“ stellt immer am letzten Sonntag im Monat besondere Sammlungen auf Schloss Friedenstein vor. Am kommenden Sonntag, den 31. Juli 2011, um 15 Uhr, steht ein gruseliges, aber kulturhistorisch wertvolles Objekt im Mittelpunkt der kleinen Führung – der „Gothaer Schlotfeger“.

Dieses alte anatomische Präparat wird im Museum der Natur Gotha aufbewahrt und fand zu jeder Zeit großes Interesse bei den Besuchern. Neugier und Spaß an Gruselgeschichten mögen vor allem die Ursache dafür sein, dass der kleine „Schlotfeger“ bis auf den heutigen Tag populär geblieben ist. Es handelt sich dabei um ein Präparat der menschlichen Muskulatur, ausgeführt an der Leiche eines Kindes, das in Paris angefertigt und 1723 für die Herzogliche Sammlung angekauft wurde. Johann George Keyssler, dem wir eine ausführliche Beschreibung der Gothaischen Kunstkammer verdanken, beschreibt es 1742 bei den Sammlungen auf dem Friedenstein: »ein Cörper mit seinen Senen und Arterien sehr zart ausgesprützet«.

Anatomische Kabinette waren zu Beginn des 18. Jahrhunderts verbreitet und Ausdruck eines regen Interesses an Naturerkenntnis zu einer Zeit, als die biologische und medizinische Naturforschung erst begann. In ihnen hatten Muskel- und Gefäßpräparate sicherlich einen besonderen Stellenwert und waren in den Sammlungen wahrscheinlich weiter verbreitet, als es heute erkennbar ist. Sie dienten dem Studium der menschlichen Anatomie, der Wissensvermittlung im Medizinstudium und waren auch interessierten Laien zugänglich. Auch in Gotha gab es ein solches anatomische Kabinett und zeigte damit das große Interesse der Herzöge an diesem Thema.

Peter Mildner, Präparator am Museum der Natur Gotha, wird fachkundig über dieses besondere Präparat berichten und dabei die spannende Geschichte erzählen, wie der Name „Schlotfeger“ entstand.

Publiziert am: 28.07.2011; 14:42

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