Experten sind sich einig: Pfeilerbilder des Mariendoms in der geschlossenen Erhaltung am Ort ihrer Entstehung deutschlandweit einzigartig

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Die Tagung „Kontroverse und Kompromiss: Der Pfeilerbildzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts“, die am 23. Mai im Coelicum des Erfurter Doms, am 24. Mai im Kunstinstitut der Universität Erfurt stattfand, ging von den acht konvexen Pfeilerbildern im Erfurter Mariendom, dem bedeutendsten erhaltenen Ensemble von Tafelgemälden der Reformationszeit in der Stadt, aus.

Nicht zuletzt im Hinblick auf die 2015 von Angermuseum, Bistum und Universität Erfurt geplante Ausstellung, in der diese Bilder Ausgangspunkte einer Schau zu Entstehung und Kultur der Bikonfessionalität Erfurts im 16. Jahrhundert sein sollen, standen – nach Übersichtsvorträgen zur Bau- und Ausstattungs-geschichte des Doms und der historischen Situation – die künstlerischen und ikonographischen Befunde im Zentrum der Diskussionen.

Deutlicher als bisher vermutet erwies sich, dass dieser Zyklus von Gemälden auf gekrümmtem Holz, von denen die meisten als Epitaphien konzipiert und genutzt wurden, in der geschlossenen Erhaltung am Ort seiner Entstehung deutschlandweit einzigartig ist. Eine Gegenüberstellung mit den wenigen anderen Gemälden der Zeit auf konvexen Bildträgern, die momentan bekannt sind, unterstützte diesen Befund.

In den dargestellten Themen (u.a. Himmelfahrt Mariens, Gregorsmesse, Hostienmühle etc.) und Inschriften konnten, zumal bei Identifizierung der Stifter, Reflexe der beginnenden Konfessionalisierung ausgemacht und weitaus präziser als in der bisherigen Forschung geschehen eingeordnet werden. Die Vorstellung erster Ergebnisse einer infrarotreflektographischen Untersuchung der Pfeilerbilder sorgte für bemerkenswerte Einblicke in die manuelle Entstehung der Gemälde und stellte Daten bereit, die von den am Projekt Beteiligten in den nächsten Monaten weiter diskutiert werden. Beiträge zu den Akteuren und kulturellen Bedingungen der Erfurter Kirchen-, Literatur- und Universitätsgeschichte des 16. Jahrhunderts kontextualisierten die bildkünstlerischen Phänomene. Die Tagung hat wichtige Impulse für die Struktur der geplanten Ausstellung und die Auswahl der Objekte gegeben; viele Vorträge wer-den in verschriftlichter Form in die Begleitpublikation eingehen.

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