Gotha-Moskauer Partnerschaft ist eine Erfolgsgeschichte

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Als am 15. Mai 2016 die Tore der Ausstellung „Lucas Cranach – zwischen Renaissance und Manierismus“ geschlossen wurden, lag eine der erfolgreichsten Ausstellungen der deutsch-russischen Geschichte dahinter. Die von Gotha aus initiierte Ausstellung im Staatlichen Museum der Bildenden Künste A.S. Puschkin ist mit rund 200.000 Besuchern die publikumswirksamste Ausstellung in der Geschichte des Moskauer Museums. Mehrfach gab es lange Schlangen vor dem Eingang. Gleichzeitig war die von Vadim Sadkow kuratierte Ausstellung die erste Lucas Cranach – Exposition in der russischen Geschichte. Die Gothaer Firma WSD GmbH, die eine Niederlassung in Moskau hat, sponserte den Druck eines russischsprachigen Faltblattes, das die Ausstellungsbesucher über die gothaisch-russischen Beziehungen informierte.

 

Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung waren die Gemälde des großen Meisters aus den Gothaer Kunstsammlungen, die sich in der Stiftung Schloss Friedenstein und seit 1946 auch im Staatlichen Museum A.S. Puschkin in Moskau befinden. Für Oberbürgermeister Knut Kreuch,einem starken Befürworter der deutsch-russischen Zusammenarbeit, eine Sternstunde. Oft wurde Kreuch in internationalen Medien zitiert „die Schau solle inmitten der Krise zwischen Ost und West dazu dienen das Eis zu brechen“. Heute ergänzt Kreuch „Wir sind das Flaggschiff oder der Eisbrecher gewesen. Ich hoffe sehr, dass der Spalt der Tür, den wir geöffnet haben, nicht sofort wieder verschlossen wird. Dass auf einer internationalen Tagung in Florenz die Moskauer Wissenschaftler erst kürzlich bekanntgaben, dass seit 1946 Berliner Statuen in den Depots des Museums lagern, ist wesentlich dieser Gothaer Klimaverbesserung zu verdanken“.

 

Mehr als fünf Jahre bemühte sich Kreuch um diese Zusammenarbeit, die durch den Journalisten Roland Strumpf zustande kam, der beim ZDF-Fernsehen in Moskau arbeitete und den Kreuch um Unterstützung bat. Roland Strumpf vermittelte den Kontakt zum Moskauer Museum, wo am 10. Oktober 2012 das erste Treffen zwischen Kreuch und der damaligen Direktorin Irina Antonowa stattfand und einen Tag später war er Teilnehmer ihres Gesprächs mit der Thüringer Ministerpräsidentin. Am 19. Oktober 2013 kam Irina Antonowa nach Gotha um das Herzogliche Museum zu eröffnen.

 

 

Seit fünf Jahren steht Knut Kreuch auch im Kontakt mit Minister Michael Schwydkoi, dem Beauftragten des Präsidenten Russlands für kulturelle und internationale Zusammenarbeit. Kreuch über seinen Partner: „Was Minister Schwydkoi geleistet hat, ist in Worten nicht zu erzählen. Er hat Vertrauen gehabt zu Gotha, weil er die Stadt und ihr Ekhof-Theater in den 70er Jahren lieben lernte, er hat in der Regierung Vertrauen geschaffen für unsere Zusammenarbeit und hat in Marina Loschak, der neuen Direktorin, eine wichtige Ansprechpartnerin vermittelt, die der Zusammenarbeit sehr freudig gegenüber steht“.

 

Der 375. Hochzeitstag von Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha und seiner Gemahlin Elisabeth Sophia ist so etwas wie das Startsignal für die Zusammenarbeit zwischen Gotha und Russland gewesen. Denn es war Herzog Ernst der Fromme, der im 17. Jahrhundert Gothaer Bürger dazu motivierte nach Russland zu gehen, der eine diplomatische Mission des Zarenhofes empfing, um mit ihr eine Konferenz für gute Zusammenarbeit und Freundschaft zu halten und er war derjenige, der russische Schriften las und Bücher für seine Bibliothek erwarb. Zum Festakt in Gotha überreichte Kuratorin Tatjana Potapova spektakulär die Kopie des Hochzeitsbildes von Herzog Ernst und seiner Gemahlin, dessen Original sich heute unter den aus Gotha verbrachten Kunstwerken in Moskau befindet. Die Kulturstiftung Gotha hat mit einer Förderung von 2.000 € die Anfertigung der originalgetreuen Kopie in einer Moskauer Werkstatt durchführen lassen. „Ich habe das Original gesehen, die Kopie ist schöner“ betonte Kreuch in der Pressekonferenz.

 

Die Kontakte nach Moskau will Kreuch weiter ausbauen. „Wir freuen uns auf die Ausstellung französischer Meisterwerke vom 14. Mai bis 6. August 2017 im Herzoglichen Museum Gotha, sie steht unter Schirmherrschaft des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier. Aber vorher werden wir Kunstwerke Gothaer Schülerinnen und Schüler zeigen, die sie nach Cranach-Gemälden malten, die sie in Moskau betrachteten“.

 

Oberbürgermeister Kreuch wird die Gothaer Seniorenakademie am 13. September 2016 mit seinem Vortrag „Mütterchen Russland, Väterchen Frost und göttliches Gotha“ eröffnen und dabei die 350-jährigen Beziehungen der Residenzstadt in das ferne Land Revue passieren lassen.

 

(Beitragsbild: von links; Oberbürgermeister Knut Kreuch, Neele Marr, Dr. Timo Trümper, Thekla Krämer, Roland Strumpf. Foto: Lutz Ebhardt)

The Londoner - Gotha