Jahresabschlusskonzert der Thüringen Philharmonie Gotha am 29. Dezember 2015

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„Freude schöner Götterfunken“ tönt es wieder aus vollen Kehlen zum Jahresabschlusskonzert der Thüringen Philharmonie Gotha am 29. Dezember 2015, das sie traditionell mit Beethovens „Neunter“ gestaltet. Den Orchesterklang bereichern wieder die Sängerinnen und Sänger des Konzertchores Gotha und der Suhler Singakademie sowie vier renommierte Gesangssolisten: Tatjana Charalgina (Sopran), Etleva Shemai (Mezzosopran), Antonio Rivera (Tenor) und Theodor Carlson (Bass). Chefdirigent Michel Tilkin hat die Leitung dieses Festkonzerts inne, das um 20 Uhr im Gothaer Kulturhaus beginnt.

So sehr jedem die Melodie zu Beethovens „Neunter“ im Ohr ist, hätten Sie die folgenden neun Fakten dazu gewusst?

  1. Wann hat Beethoven seine 9. Sinfonie komponiert?
    Der Gedanke, die „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller (1759-1805) zu vertonen, beschäftigte Ludwig van Beethoven (1770-1827) bereits in seinen Jugendjahren noch bevor er überhaupt eine erste eigene Komposition publiziert hatte. Bis zur Vollendung vergingen noch fast drei Jahrzehnte. Erste Skizzen finden sich während seiner Arbeit an der 7. und 8. Sinfonie zwischen 1811/12. Die Idee, Schillers Worte durch einen Chor in die Musik einzubeziehen, reifte erst in den letzten zwei Jahren vor Fertigstellung. In den ersten Monaten des Jahres 1824 lag die Partitur zu allen vier Sätzen vor. Es wurde Beethovens letzte Sinfonie.

 

  1. Wann fand die Uraufführung statt?
    Im Konzert erklang die 9. Sinfonie op. 125 zum ersten Mal am 7. Mai 1824 im Wiener Kärntnertortheater unter der Leitung von Kapellmeister Michael Umlauf. Auf dem Programm der sogenannten „Großen musikalischen Akademie“ standen außerdem die Ouvertüre zu „Die Weihe des Hauses“ op. 124 und Auszüge aus der „Missa solemnis“ op. 123.

 

  1. Konnte Beethoven seine 9. Sinfonie hören?
    Beethoven war noch keine 30 Jahre alt, als er über erstes Ohrenleiden klagte, das in nur wenigen Folgejahren zum Gehörverlust führte. Seit 1818 kommunizierte er bei Gesprächen nur noch schriftlich mit Hilfe von Konversationsheften. Obwohl er fast völlig ertaubt war, besuchte, Beethoven die Uraufführung seiner letzten Sinfonie. Er verfolgte das musikalische Geschehen neben dem Kapellmeister stehend. Den begeisterten Schlussapplaus des Publikums nahm er nur mit den Augen wahr.

 

  1. Wem wurde die Sinfonie gewidmet?
    Widmungen als Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung für erfahrene ideelle oder materielle Unterstützung eines Künstlers oder in der Hoffnung auf solche gehörten zu Beethovens Zeiten noch zur gängigen Praxis. Beethoven widmete alle seine Sinfonien Personen des Adels. Für die neunte erwählte er sich den preußischen König Friedrich Wilhelm III, von dem er sich die Verleihung eines Ordens erhoffte, aber nur einen einfachen Ring mit Dankesschreiben erhielt.

 

  1. Wo wird die Originalpartitur zur „Neunten“ aufbewahrt?
    Das Autograph zur Partitur von Beethovens zählt 204 Blätter. Es gehört zu den kostbarsten Schätzen des musikalischen Erbes und wurde daher 2001 von der UNESCO in das Register memory of the World aufgenommen. Die Handschrift befindet sich heute in der großen Beethoven-Sammlung in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

 

  1. Hat Beethoven als einziger Schillers Ode vertont?
    Schillers Verse „An die Freude“ inspirierten Komponisten vor und nach Beethoven zu Vertonungen. Frühere Melodien für Gesang und Begleitung schufen zum Beispiel Carl Friedrich Zelter und Franz Schubert. Aus der Feder des 25-jährigen Peter Tschaikowsky stammt eine sechsteilige Kantate für Soli, Chor und Orchester, mit der er sich 1865 auf sein Examen als Student des Petersburger Konservatoriums vorbereitete. „Seid umschlungen, Millionen“ ist der Titel eines Walzers op. 443 aus dem Jahr 1892 von Johann Strauß.

 

  1. Wann wurde Beethovens Schillervertonung zur Europahymne?
    Im Auftrag des Europarates arrangierte der Dirigent Herbert von Karajan 1972 eine Instrumentalfassung des vierten Satzes aus Beethovens Neunter Sinfonie. Sie ist seit 1985 auch die offizielle Hymne der Europäischen Union.

 

  1. Welchen Einfluss hatte Beethoven auf die Entwicklung der Compact Disc?
    In den 1980er Jahren stand die Ablösung der Schallplatte und der Kassette durch ein neues Medium für die Wiedergabe von Musik kurz bevor. Die CD (Compact Disc) als digitaler Tonträger war in der Entwicklung. Vorgabe des Vizepräsidenten des dabei führenden Konzerns war, dass es möglich sein müsse, Beethovens „Neunte“ ohne Unterbrechung hören zu können. Dazu orientierten sich die Techniker an einer Aufnahme von Wilhelm Furtwängler von 1951, die 74 Minuten dauert.

 

  1. In welchem außereuropäischen Land gehört die „Neunte“ zum festen Silvesterbrauch?

In keinem anderen Land der Welt genießt Beethovens „Neunte“ eine so große Popularität wie in Japan. „Daiku“ wird sie dort genannt und alljährlich zum Jahresende in mehreren hundert Konzerten zelebriert. Die japanische Erstaufführung ist noch keine hundert Jahre her und kam durch deutsche Kriegsgefangene am 1. Juni 1918 zustande.

 

Wer Beethovens stets auf neue mitreißende 9. Sinfonie miterleben möchte, erhält noch Karten (ab 20 € / 16 € ermäßigt) zur Aufführung der Thüringen Philharmonie Gotha am Dienstag, 29. Dezember 2015, in der Tourist-Information in Gotha, an allen Vorverkaufsstellen des Ticketshop Thüringen (Hotline: 03621-435 42 22), online unter www.thphil.de sowie an der Abendkasse.

 

 

Foto
Ludwig van Beethoven, Porträt 1820 von Joseph Karl Stieler (1781-1858).

 

 

 

Programmübersicht

Dienstag, 29. Dezember 2015, 20 Uhr | Kulturhaus

C3 „Die Neunte“

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125

Solisten: Tatjana Charalgina (Sopran), Etleva Shemai (Mezzosopran), Antonio Rivera (Tenor), Theodor Carlson (Bass)

Chöre: Konzertchor Gotha, Suhler Singakademie

Leitung: Michel Tilkin