Rückgabe eines Gemäldes an die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

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In den Gemäldesammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha wird heute erneut eine Lücke geschlossen. Das „Bildnis einer jungen Frau“ aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts kehrt nach Gotha zurück.

Eine Projektgruppe des Deutsch-Russischen Museumsdialogs bei der Kulturstiftung der Länder hat Pack-, Transport- und Verteilungslisten kriegsbedingt verbrachter Kulturgüter ausgewertet. Die Auswertung ergab, dass sich dieses Gemälde aus dem Gothaer Sammlungsbestand in der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau befand.

Die Recherchen seitens der Anhaltischen Gemäldegalerie haben dies wiederum bestätigt. Dabei wurde festgestellt, dass bei der offiziellen Rückgabe von Kunstgut durch die UdSSR an die DDR 1958/59 irrtümlich eine Zuordnung nach Dessau erfolgte, weil man annahm, dass dieses Gemälde ehemals in das Gotische Haus in Wörlitz und später zum Bestand der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau gehörte. Sehr schnell bestand Einigkeit, dass dieses Gemälde jetzt nach Gotha zurückkehren soll.

Gestern sind der Stiftungsdirektor, Prof. Dr. Martin Eberle, der Direktor Sammlungen und Wissenschaft, Bernd Schäfer, und der wissenschaftliche Mitarbeiter, Dr. Timo Trümper, zur Übergabe des Gemäldes nach Dessau gereist. In Gotha werden jetzt zunächst konservatorische und wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, bevor die Planungen zur Einbindung in die Dauerausstellung des Schlosses beginnen.

Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha hat dieses Gemälde auch in ihrer Veröffentlichung aus dem Jahr 2012, „Verlustdokumentation der Gothaer Kunstsammlungen“, publiziert. Anfang 2012 erschien diese Verlustdokumentation, in der die bedauerlicherweise recht großen Verluste der Gothaer Gemäldesammlung vor allem in der Nachkriegszeit aufgelistet werden. Der Band enthält alle bisher bekannten Abgänge aus der Gemäldesammlung seit Ende des 19. Jahrhunderts und ist zugleich ein wichtiger Beitrag bei der Erschließung ihrer Geschichte. 

„Es hat sich wieder gezeigt, wie wichtig die Aufarbeitung der Verluste und die Herausgabe dieser Kataloge in den letzten Jahren waren. So konnten wir bereits mehrfach empfindliche Lücken in unseren Sammlungen schließen, und wir hoffen natürlich, dass auch in Zukunft der Verbleib mancher Kunstobjekte geklärt werden kann.

Großer Dank für die aktuelle Rückgabe gilt der Kulturstiftung der Länder, die sich kontinuierlich und mit großem Engagement für die Aufklärung vermisster Kulturgüter einsetzt. Aber auch den Kollegen der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau sei für die völlig unkomplizierte Verfahrensweise sehr gedankt“, so Prof. Dr. Martin Eberle nach der Rückkehr aus Dessau mit der fast 500 Jahre alten „jungen“ Frau, die nun nach über 60 Jahren zurück in Gotha ist.

 

Foto: Bildnis einer jungen Frau, italienisch – 2. Hälfte 16. Jh./1. Hälfte 17. Jh., Öl auf Leinwand, 63,2 x 52,7 cm (© Stiftung Schloss Friedenstein Gotha)

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