NABU: Jungvögel nicht einfach mitnehmen!

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Bild: NABU/CEWE/Nadine Bettinghausen

Jena (red/NABU, 27. Mai). Die Brutsaison in der Vogelwelt nimmt Fahrt auf und beim NABU Thüringen häufen sich die Anfragen zu mutmaßlich verwaisten Jungvögeln. In den meisten Fällen brauchen bettelnde Vogeljunge jedoch nicht die Hilfe des Menschen. „Es scheint zwar so, als ob die Tiere verwaist sind. Doch der Eindruck täuscht oft. Die Jungen vieler Vogelarten verlassen ihr Nest bereits, bevor ihr Gefieder vollständig ausgebildet ist. In der Regel handelt es sich aber nicht um Waisen, sondern um fast flugfähige Jungvögel mit beinahe vollständig ausgebildetem Gefieder“, sagt Klaus Lieder, ein Vogelexperte des NABU Thüringen. „Die Jungvögel kommunizieren durch ihre Bettelrufe mit ihren Eltern. Sobald keine Menschen mehr in der Nähe sind, kümmern sich die Eltern wieder um ihre Kinder.“

Der NABU Thüringen bittet Naturfreund*innen darum, Jungvögel auf keinen Fall mit nach Hause zu nehmen, um sie zu pflegen. Greift der Mensch in dieser sensiblen Phase ein, unterbricht er die Bindung zwischen Alt- und Jungvogel. Nur wenn Jungvögel an gefährlichen Orten wie Straßen und Gehwegen sitzen oder akut von Katzen bedroht sind, sollte man sie vorsichtig aufheben und ins nächste Gebüsch setzen. Anders als bei Rehkitzen nehmen Vogeleltern ihre Jungen wieder an, wenn diese von einem Menschen berührt wurden. Tatsächliche Hilfe benötigen befiederte Jungvögel nur, wenn nach mehreren Stunden immer noch keine Altvögel in deren Nähe zu sehen sind. „Diese Beobachtung gestaltet sich allerdings schwierig und muss von weitem mit dem Fernglas über mehrere Stunden geschehen“, rät der NABU-Vogelexperte. „Da kann es aber auch schon mal passieren, dass genau in einer Observationspause die Vogeleltern zurückkommen, sich kümmern und nach der Pause wieder verschwunden sind.“

Keine Regel ohne Ausnahme: Bei sommerlichen Hitzewellen kommt es vor, dass vermehrt junge Mauersegler gefunden werden. Weil Mauersegler vor allem in hohen Gebäuden unter Dächern und in exponierten Nistkästen brüten, erhitzen sich ihre Nistquartiere mitunter auf 60 bis 80 Grad Celsius. Auf der Suche nach Abkühlung am luftigen Nesteingang stürzen dann immer wieder Jungtiere ab und bleiben hilflos am Boden liegen. Selbst wenn sie den Sturz unverletzt überstehen, sind ihre Überlebenschancen leider gering. Denn im Gegensatz zu anderen Vogelarten füttern Mauersegler ihre Jungen nicht außerhalb des Nestes.  Geholfen werden kann den Jungvögeln nur mit einer Handaufzucht, sie sollten deshalb in die professionelle Obhut einer Wildvogelstation gegeben werden. Manchmal kommt es auch vor, dass die ersten Flugversuche der Jungvögel scheitern und sie auf dem Boden landen. Sind diese Tiere vollbefiedert, unverletzt und flugfähig, kann man versuchen sie an einen hohen Punkt neu starten zu lassen. Klaus Lieder warnt aber eindringlich davor, den Mauersegler zur Starthilfe in die Luft zu werfen. Die Vögel können sich hierdurch neue Verletzungen zuführen.

Hintergrundinformationen
Gemäß Bundesnaturschutzgesetz dürfen Jungvögel nur vorübergehend und nur dann aufgenommen werden, wenn sie verletzt oder krank und somit tatsächlich hilflos sind. Jungvögel, die mit nach Hause genommen werden, haben selbst bei fachgerechter Pflege deutlich schlechtere Überlebenschancen als in der Natur. Die elterliche Fürsorge in der Naturaufzucht kann niemals ersetzt werden. Lediglich bei deutlich geschwächt wirkenden oder wirklich verwaisten Vögeln ist die Handaufzucht zu empfehlen, wie auch in Fällen, in denen durch Unwetter, Baumaßnahmen oder dergleichen der Nistplatz zerstört ist. Hilfestellung können die Naturschutzbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte, Zoologische Gärten, Tierärzte, Tierschutzvereine oder der NABU geben.

Weitere Infos unter www.NABU-Thueringen.de

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