Knut Kreuch lüftet Geheimnis ums „Gothaer Liebespaar“

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Neue genealogische Forschung zu Elisabeth von Gotha. Foto: Lutz Ebhardt

Gotha (red/PM/mm, 14. November). Das „Gothaer Liebespaar“, um 1485 vom Meister des Amsterdamer Kabinetts geschaffen, ist das älteste Doppelportrait der Kunstgeschichte und zählt neben der „Mona Lisa“ im Pariser Louvre oder der „Sixtinischen Madonna“ in der Dresdner Gemäldegalerie zu den bedeutendsten Gemälden, die ein Mensch im Original einmal im Leben gesehen haben muss.

Viele Geschichten ranken sich um das Gothaer Liebespaar: Wen es zeigt, was es erzählen soll und wie es nach Gotha kam – Oberbürgermeister Knut Kreuch konnte in seiner neuen Publikation „Elisabeth von Gotha. Die erste Domina von Welt“ wieder einige Rätsel lösen.

So ist der Mann des „Gothaer Liebespaares“, der abgebildete Graf Philipp von Hanau-Münzenberg (1449-1500), der Ur-ur-ur-Urenkel der Landgräfin Elisabeth von Meißen (1286-1359), die sich selbst als „Domina von Gotha“ bezeichnete, in der Stadt lebte und maßgeblich den Aufstieg Gothas zur Residenz der Wettiner beförderte. Das Bildnis blieb im Besitz der Familie von Hanau-Münzenberg, um den Erbanspruch der bürgerlichen Ehefrau zu manifestieren. 1642 erlosch das Grafenhaus und deren Tochter Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen-Kassel (1602-1651) übernahm es mit Erbvertrag. Aus dem Haus Hessen-Kassel muss Herzogin Caroline Amalie von Sachsen-Gotha-Altenburg (1771-1848) das Gemälde mit nach Gotha gebracht haben, wo es seit 1844 im Inventar der Herzoglichen Kunstsammlungen nachweisbar ist.

Knut Kreuch widmet sich in seiner knapp gefassten Publikation jedoch nicht nur dem „Gothaer Liebespaar“, sondern ganz besonders der Landgräfin Elisabeth von Meißen, einer Prinzessin aus dem Hause Lobdeburg-Arnshaugk, einer Herrschaft in der Nähe von Jena. Elisabeth kommt im Jahr 1300 durch eine spektakuläre Entführung ihres Mannes Friedrich dem Freidigen (1257-1323) nach Gotha, wo am 24. August 1300 eine große Fürstenhochzeit stattfindet. Ungewöhnlich in dieser Epoche bleibt es eine Liebesheirat, der die Tochter Elisabeth (1306-1368) und der Sohn Friedrich (1310-1349) entspringen. Elisabeth, die selbst als „Domina de Gotha“ (Domina = Dame bzw. Herrin im Hause) oder ab 1323 als „Vidua de Gotha“ (Witwe in Gotha) unterzeichnet, zählt zu den wenigen Frauenpersönlichkeiten des Mittelalters, die in drei Epochen ein Land regierten. So regiert sie von 1321 bis 1323 für ihren durch einen Schlaganfall regierungsunfähigen Mann und von 1323 bis 1331 für ihren minderjährigen Sohn. Von 1349 bis zu ihrem Tod ist sie die wichtigste Beraterin ihrer teilweise minderjährigen Enkel in der Führung der Regierung. Sie hat Gotha zum Machtzentrum der Ernestiner ausgebaut, von Burg Grimmenstein wurde die Landespolitik gestaltet, ein Status, den die Stadt auch noch unter ihren Enkeln bis Mitte des 15. Jahrhunderts behielt. Sie stattet Gotha aus mit einer festen Burg, mit dem ersten Residenzstift deutscher Prägung an der Marienkirche auf dem Berge und mit einer Kapelle zu Ehren der heiligen Elisabeth. Sie förderte die Schule an der Marienkirche, hatte eine Münzstätte, eine Rüstkammer, Hofmusiker und ein Tanzhaus. Aus ihrem Nachlass stammt das älteste Silberkammerinventar der Wettiner, das gleichzeitig als Nachweis für eine der ältesten Silberkammern der Welt angesehen werden kann.

Interessant sind natürlich auch die genealogischen Verbindungen, die Elisabeth von Gotha knüpfte. So war sie in Regensburg Verhandlungspartnerin für Kaiser Ludwig IV., den Bayern (1282-1347), der seine Tochter Mathilde (1313-1346) mit Elisabeths Sohn verheiratet. Ihre Tochter Elisabeth heiratet 1322 ins hessische Landgrafenhaus der Reginare ein. Über ihre Kinder gelingt Elisabeth schon in der nächsten Generation der Aufstieg in die führenden Herrscherhäuser der Welt, so der Wittelsbacher, der Habsburger und der Hohenzollern. Hoch interessant, welche Herrscherinnen und  Herrscher zu den Nachkommen der Elisabeth von Gotha gehören. Beginnen wir bei den Frauen, so sind es Maria Stuart Königin von Schottland (1542-1587), die russische Zarin Katharina die Große (1729-1796), Gustav Adolf von Schwedens Tochter Christina Königin von Schweden (1626-1689), Anne Stuart, die erste Königin von Großbritannien (1665-1714), Maria Theresia die Kaiserin von Österreich (1717-1780), Maria de Medici Königin von Frankreich (1575-1642) mit ihren Töchtern Isabella de Bourbon Königin von Spanien und Portugal (1602-1644) und Christina Königin von Savoyen sowie die unglücklich hingerichtete Marie-Antoinette Königin von Frankreich (1755-1793).

Genauso illuster ist die Ahnenfolge bei den männlichen Herrschern, wo wir die Namen finden von Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha (1601-1675), Maximilian I., dem ersten bayerischen Kurfürsten (1573-1651), Sigismund II. Wasa König von Polen und Großfürst von Litauen (1566-1632), Sonnenkönig Ludwig XIV. von Frankreich (1638-1715), Kurfürst August der Starke von Sachsen und König von Polen (1670-1733), Friedrich II. von Preußen, der Große (1712-1786), Jakob VI. König von England, Schottland und Irland (1566-1625) sowie von  Franz Stephan Kaiser von Österreich (1708-1765).

Die Publikation gezeichnet von Natali Schmidt und mit Texten von Knut Kreuch versehen, ist mit drei Stammbäumen, der Biografie der Elisabeth von Gotha sowie der genealogischen Geschichte des „Gothaer Liebespaares“ im Gotha adelt Laden erhältlich.

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